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Das Projekt gemeinsam erarbeitet haben Julia Gerdsen (l.), Cornelia Bretz und. Andre Dierßen. Foto: t&w

Das Kulturgut erhalten

Konau. War er für die Menschen ein einziger Fluch, bedeutete er für die Natur einen großen Segen: Nirgendwo sonst haben die Bürger in der ehemaligen DDR derart gelitten wie im Grenzstreifen, nirgendwo sonst konnte sich die Fauna derart ungehindert entwickeln wie in der Sperrzone. Das war im Amt Neuhaus nicht anders. Die alten Obstbaumalleen und Streuobstwiesen sind ein einmaliges Kulturgut, um deren Erhalt sich der Verein Konau 11 – Natur seit 2013 kümmert. Mit einem neuen Projekt startet er jetzt in die Zukunft.

„Mit diesem Vorhaben wollen wir zum einen weitere Zielgruppen erreichen, zum anderen aber auch noch mehr Menschen motivieren, praktisch zum Erhalt der landschaftsprägenden Bäume und Wiesen beizutragen, auch, indem wir sie dafür qualifizieren“, erklärt Julia Gerdsen, Kulturwissenschaftlerin und Vorsitzende des Vereins. Mit verschiedenen Bausteinen sollen diese Absichten erreicht werden: „Dazu zählen Nachpflanzungen und inklusive Fortbildungsmaßnahmen ebenso wie die Gewinnung, Ausbildung und Vernetzung von Obstbaumwarten und anderen Interessierten.“

20 Ehrenamtliche konnten bereits gewonnen werden

Seit mittlerweile vier Jahren kooperiert der Verein bereits mit den Bürgern vor Ort, hält Praxisseminare ab, um die Fähigkeiten zur Pflege der Obstbäume zu vermitteln: 20 Ehrenamtliche konnten so bereits gewonnen werden, erhalten als Gegenleistung für ihren Einsatz Ernterechte – weitere werden aber dringend gesucht. André Dierßen, Projektmitarbeiter und Obstgehölzpfleger, erklärt den Hintergrund: „Wir sind auf einem Gebiet mit einer Fläche von etwa 250 Quadratkilometern aktiv, betreuen mehr als 10.000 Bäume entlang der öffentlichen Straßen und Wege sowie weitere 400 auf den Flächen. Das ist alleine nicht zu schaffen.“

Baumbeschnitt ist eine Wissenschaft für sich, deshalb bietet der Verein mit seinem neuen Projekt – gefördert von der Europäischen Union, dem Niedersächsischen Umweltministerium, der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, der Sparkassenstiftung und dem Landkreis Lüneburg – bis Oktober 2021 allein zwölf Praxisseminare sowie sechs Infoabende zu diesem Thema an. „Ziel ist es, dass unsere ehrenamtlichen Obstbaumwarte am Ende in der Lage sind, die Pflanzen derart zu erziehen, dass sie als Straßenbaum geeignet sind“, erklärt Dierßen. „Nur durch die richtige Pflege haben sie eine Zukunft, stehen sicher, ragen nicht in den Verkehrsraum, entsprechen dem Lichtraumprofil – und können bis zu 100 Jahre alt werden.“

Angesprochen sind Junge, Alte, Einzelne und Gruppen

Ergänzt werden die Angebote für die Obstbaumwarte durch weitere Maßnahmen zum Erhalt der alten Obstbaumalleen und Streuobstwiesen: So sollen Nachpflanzungen erfolgen, zudem Mitmach- und Bildungsangebote sowie inklusive Fortbildungen die Bevölkerung erreichen. Cornelia Bretz, Diplom-Umweltwissenschaftlerin und Vereins-Kassenwartin, erklärt: „Dadurch wollen wir neue Zielgruppen gewinnen und diese für die Projektthemen sensibilisieren. Angesprochen sind Junge, Alte, Einzelne und Gruppen, Menschen mit und ohne Behinderung.“ Eigens dazu wird der Hof Konau 11 umgebaut, um auch für Gäste mit Mobilitätseinschränkung erlebbar gemacht zu werden.

Das nächste Seminar findet am Freitag, 9. November, zwischen 18.30 und 20.30 Uhr im Hof Konau 11, Elbstraße 11 in Konau statt und behandelt alles Wissenswerte rund um „Einführung in den Obstbaumschnitt“. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Von Ute Lühr

Hintergrund

Ein Ort der Begegnung

Seit 2013 existiert der Verein Konau 11 – Natur, der auf Initiative der Sparkassenstiftung gegründet wurde. Seinen Sitz hat er im gleichnamigen Hof im Amt Neuhaus, den die Stiftung ein Jahr zuvor erworben hatte, um einen Ort der Begegnung zu den Themen Natur, Kultur und Gastlichkeit zu schaffen. Ziel des Vereins ist ein Beitrag zum Erhalt der Obstbaumalleen, -reihen und Streuobstwiesen mit ihren alten Obstsorten auf der rechtselbischen Seite des Landkreises Lüneburg. Dazu wurden bis heute die Grundlagen für das Projekt gelegt: Kooperationsvereinbarungen mit dem Kreis und der Stadt Bleckede zur Übernahme der Pflege der Bäume auf öffentlichem Grund geschlossen, Netzwerke geknüpft und erste Ehrenamtliche für die Obstbaumwarte gewonnen. Mit dem Projekt soll der nächste Schritt erfolgen.