Aktuell
Home | Lokales | Scharnebeck | Das schönste Geschenk
Sie feiern am gleichen Tag Geburtstag: Stefanie Spliesgar-Witt, Valerie Sophie und deren Großmutter Monika Witt. Foto: t&w

Das schönste Geschenk

Scharnebeck. Es gibt Tage im Leben, die vergisst man nicht. Sie brennen sich ins Gedächtnis ein, werden zu „Da-war-doch-was-Tagen“ – lebenslang. Für manche ist der 18. Geburtstag solch ein Tag, für andere der Hochzeitstag, die Geburt des Kindes oder Enkelkindes. Für Stefanie Spliesgar-Witt und ihre Mutter Monika Witt ist der 16. Oktober ein solcher Tag. Der Tag, an dem beide Geburtstag haben. Der Tag, an dem sie beide Mütter wurden. Der Tag, an dem drei Generationen ihrer Familie das Licht der Welt erblickten. Ein Tag, den sie niemals vergessen werden.

Glückwünsche zum Geburtstag und zur Geburt

16. Oktober 1987: Die Uhr schlägt Mitternacht, als Monika Witt die ersten Glückwünsche entgegennimmt. Sie liegt im Kreißsaal des Lüneburger Krankenhauses und ahnt, dass es nicht die letzten Hände sind, die sie heute schütteln wird. Das Klinikteam gratuliert der 25-Jährigen zum Geburtstag, während die Wehen immer stärker werden. Dass sie ihren Ehrentag im Krankenhaus verbringen würde, war nicht geplant. „Wir wollten abends zu meinen Schwiegereltern fahren und dort meinen 25. Geburtstag feiern. Aber Steffi hatte was dagegen“, erinnert sich Monika Witt, 31 Jahre später. Denn Töchterchen Stefanie hatte ihr ganz eigenes Geschenk vorbereitet: sich selbst. Um 4.59 Uhr war es dann soweit, „die Kleine war da“, sagt Monika Witt, noch immer hörbar stolz.

Drei Jahrzehnte ist das her. Monika Witt schwelgt in Erinnerungen, während ihr Mann Otto Witt das alte Fotoalbum heraus kramt. „Wie sich die Bilder gleichen“, sagt er noch und lächelt verschmitzt, als er durch die Krankenhausfotos blättert. In den Fotos von damals sieht er seine Tochter von heute, inzwischen auch Mutter, dreifach. Gemeinsam Geburtstag zu haben, für Stefanie Spliesgar-Witt und ihre Mutter war das nie ein Problem – im Gegenteil. „Wenn ich abends meinen Geburtstag gefeiert habe, hat Stefanie auch immer Geschenke bekommen und umgekehrt“, sagt Monika Witt und ergänzt, „das wird jetzt wieder so sein“. Ihr Blick wandert zu Valerie Sophie, dem jüngsten Spross der Familie. Geboren, na klar, am 16. Oktober.

Scherze werden zur Realität

16. Oktober 2018: Es ist vor 7 Uhr, als Stefanie Spliesgar-Witt ihre ersten Geburtstagsgeschenke entgegennimmt. Der achtjährige Taylor-Leon und die sechsjährige Shirley Isabelle haben für ihre Mama gebastelt. Doch so wie sie will, kann sich die 31-Jährige gar nicht freuen, als eine weitere Wehe durch ihren Körper zieht. „Ach, diese blöden Senkwehen“, sagt Taylor-Leon noch, als seine Mutter schon ahnt, dass es diesmal „echte“ Wehen sind, die sie quälen. Eigentlich hätte die Geburt von Töchterchen Valerie Sophie am nächsten Morgen eingeleitet werden sollen. So hatte Stefanie Spliesgar-Witt extra noch einen Geburtstagsbrunch mit Mutter Monika verabredet. Ganz so, wie sie auch im letzten Jahr ihren gemeinsamen Geburtstag gefeiert hatten. Die Sprüche, dass sie eh nicht kommen würde und dann längst im Krankenhaus läge, nahm sie nicht ernst. „Ich hätte niemals gedacht, dass die Kleine an dem Tag zur Welt kommt“, sagt die 31-Jährige. Doch an diesem Morgen wurden die Scherze plötzlich Realität. Um 8.48 Uhr kommt Valerie Sophie im Helios Klinikum Uelzen zur Welt, 3885 Gramm schwer, 53 Zentimeter groß und der ganze Stolz der Familie. „Ich habe vor Erleichterung erstmal geheult“, sagt Monika Witt und kuschelt ihre Enkeltochter an sich.

Großmutter, Mutter und Enkeltochter – die drei Frauen haben auf dem Sofa Platz genommen. Dass sie künftig alle am selben Tag Geburtstag feiern werden, ist ein Zufall, den sie selbst kaum glauben können. Otto Witt hat deshalb kurzerhand im Internet geforscht: Wahrscheinlichkeiten wie 1:48 Millionen machen dort die Runde. Ob sie stimmen ist fraglich und am Ende auch egal. Skurril ist der Dreifachgeburtstag allemal und so will er gefeiert werden. Das nächste Mal vielleicht wieder mit einem gemeinsamen Geburtstagsbrunch, denn der steht ja noch aus. Das schönste Geburtstagsgeschenk haben sich die drei Generationen jedenfalls längst gegenseitig gemacht.

von Anke Dankers