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Holger Fiegenbaum passt als „Verkehrshelfer“ auf, dass die Schüler in Boltersen sicher in den Schulbus einsteigen können. Foto: t&w

Kein Job für Morgenmuffel

Boltersen. Das ist wahrlich kein Job für Morgenmuffel: Es ist kurz nach sieben Uhr und obwohl es noch stockdunkel ist, kommt Holger Fiegenbaum bereits gut gelau nt auf seinem Fahrrad angeradelt. Für den 60-Jährigen beginnt der Tag wie jeden Morgen an der Bushaltestelle in Boltersen. Dort hat er eine ganz besondere Aufgabe übernommen. Er passt auf, dass alle Kinder und Jugendliche sicher und wohlbehalten in den Schulbus einsteigen. Holger Fiegenbaum ist Schulweglotse – der Dienstälteste im Landkreis Lüneburg.

Verkehrshelfer will Beitrag zur Gesellschaft leisten

Seit zwölf Jahren übt der Bolterser dieses Ehrenamt aus. „Ich will meinen Beitrag zur Gemeinschaft leisten“, nennt Fiegenbaum seine Beweggründe – so, wie sich andere bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren, bringe er sich eben als Verkehrshelfer ein.

Hauptberuflich ist der 60-Jährige bei der Handwerkskammer beschäftigt – „als Innovations- und Technologieberater“. Als seine Tochter die Grundschule in Scharnebeck besuchte, und dort das Thema „Schulweglotse“ angesprochen wurde, habe er sich gemeldet. Das war vor zwölf Jahren. Seitdem ist er dabei geblieben. Solange wie kein anderer. „Ich habe kein Problem damit, früh aufzustehen“, sagt Holger Fiegenbaum, auch nicht im Urlaub. Im Gegenteil: „Dann hat man doch noch was vom Tag.“

„Das finden auch die Busfahrer gut“

Es ist 7.35 Uhr und der Schulbus ist inzwischen eingetroffen. Mehr als zwei Dutzend Kinder warten jetzt darauf, dass der Fahrer die Tür öffnet, damit sie einsteigen können. Und das passiert wirklich diszipliniert. Holger Fiegenbaum – an seiner orangefarbenen Warnweste mit der Aufschrift „Verkehrshelfer“ gut zu erkennen – braucht nicht einzugreifen. Alleine seine Anwesenheit reicht, um für Sicherheit zu sorgen. „Man kennt sich doch“, sagt der 60-Jährige. Natürlich könne es auch schon mal zu Rangeleien zwischen Schülern kommen. Aber das habe er im Griff. Und wenn einem Kind die Nase läuft, dann hilft er auch schon mal mit einem Taschentuch aus.

Zu Beginn eines jeden neuen Schuljahres organisiert Fiegenbaum eine Einweisung im Bus, macht deutlich, dass die Größeren die Kleineren unterstützen müssen. „Das finden auch die Busfahrer gut“, sagt Fiegenbaum, der auch nach zwölf Jahren als Schulweglotse keine „Amtsmüdigkeit“ verspürt. „Ich habe schon noch Lust, weiterzumachen“, sagt der 60-jährige Fiegenbaum.

Prof. Dr. Peter Pez, Vorsitzender der Verkehrswacht Lüneburg, und Martin Schwanitz, Verkehrssicherheitsberater bei der Polizeiinspektion Lüneburg, hören es gerne. 59 Verkehrshelfer würden derzeit ihren ehrenamtlichen Dienst in Stadt und Landkreis Lüneburg versehen. Pez und Schwanitz könen ihnen für ihr Engagment gar nicht genug Danke sagen.

„Diese ‚Elterntaxis‘ sind ein echtes Problem“

Ein Blick in die Statistik zeigte wie wichtig dieses Engagement sei. „Überall dort, wo Verkehrshelfer im Einsatz sind, hat es seit 1953 keine Toten und keine Schwerverletzten gegeben“, berichtet Schwanitz. Trotzdem werde es zunehmend schwerer, Freiwillige für diese wichtige Aufgabe zu finden.

Stattdessen würden immer mehr Eltern ihre Kinder im Auto zur Schule bringen. „Diese ‚Elterntaxis‘ sind ein echtes Problem“, kritisiert Pez. Nicht nur, weil das Verkehrschaos vor den Schulen wächste, „sondern auch weil durch dieses Verhalten der Eltern den Kindern eine wichtige Sozialisationserfahrung genommen wird“, bedauert der Vorsitzende der Verkehrswacht. Nämlich den Schulweg selbst zu meistern.

Um die Unsitte mit den „Elterntaxis“ einzudämmen, könnte sich Verkehrsexperte zum Beispiel die Einführung von „Bannmeilen“, an Schulen vorstellen, die dann nicht mit dem Auto befahren werden dürfen. Die Schüler wären zum Laufen gezwungen. „Andernorts wird über so etwas schon diskutiert“, weiß Pez, der aber auch sagt: „Entsprechende Initiativen sollten aber immer von der Schule ausgehen und aus den Reihen der Lehrer, Eltern und Schüler kommen.“

Von Klaus Reschke

One comment

  1. Hut ab!

    Um kurz nach 7 Uhr bin ich schon mindestens 1 1/2 Stunden im Job. Ist auch nichts für Morgenmuffel.