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Für eine Ausbildung im Bäckereihandwerk gibt es zwar viele Bewerber, aber nicht alle Lehrlinge halten auch durch. (Foto: Wege)
Für eine Ausbildung im Bäckereihandwerk gibt es zwar viele Bewerber, aber nicht alle Lehrlinge halten auch durch. (Foto: Wege)

Handwerker bleiben länger dabei

Lüneburg. Der Start ins Berufsleben ist für viele Jugendliche eine echte Herausforderung. Und nicht immer gelingt er. Mehr als jeder vierte bricht seine berufliche Ausbildung vorzeitig ab. Das fand die „Süddeutsche Zeitung“ in einer Vorabauswertung des Entwurfs für den Berufsbildungsbericht 2018 heraus. Danach soll die Abbrecherquote mit 25,8 Prozent so hoch sein wie seit Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr. Entspannter als im Bundesdurchschnitt sieht es hier in der Region aus.

Im Bezirk der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade haben im vergangenen Jahr 2043 von insgesamt 16 700 Auszubildenden (1.-4. Lehrjahr) ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst. Das entspricht rund zwölf Prozent. Der größte Teil, 871 dieser Auflösungen, wurde laut Handwerkskammer im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst. 93 haben ihre Lehrstelle gewechselt. 76 Verträge wurden aufgrund von Pflichtversäumnissen oder sonstigen Verfehlungen gelöst. Der Rest verteilt sich auf Berufswechsel, Insolvenz des Ausbildungsbetriebes oder auch gesundheitliche und andere Gründe.

Oft sind es falsche Erwartungen an die Ausbildung

Die meisten Abbrüche gibt es in den fünf beliebtesten handwerklichen Ausbildungsberufen mit den meisten Auszubildenden: Kfz-Mechatroniker (299), Elek­troniker (223), SHK-Anlagenmechaniker (198), Friseure (198) und Bäckereifachverkäufer (136). Rückschlüsse, wonach Abbrüche mit der Höhe der Ausbildungsvergütung zusammenhängen könnten, wie die Süddeutsche Zeitung die Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Elke Hannack, zitiert, könnten aber nicht gezogen werden. „Die Ausbildungsvergütungen sind eigentlich jedem Lehrling vor Antritt der Ausbildung bekannt, sodass sie nicht der alleinige Grund sein dürften, die zum Abbruch einer Ausbildung führen“, sagt Eckhard Sudmeyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade.

Sudmeyer macht vielmehr andere Gründe für einen Abbruch aus: „Falsche Erwartungen an den vermeintlichen Traumberuf sind unserer Erfahrung nach ein weit verbreiteter Grund, die Ausbildung abzubrechen. Wir haben daher festgestellt, dass vorzeitige Information über die einzelnen Ausbildungsberufe und da­rüber, was den Lehrling während der Ausbildung erwartet, sehr hilfreich sind, um Abbrüche zu verhindern.“ Auch werde manchmal erst nach Wochen festgestellt, dass die „Chemie“ zwischen Lehrling und Ausbildungsbetrieb nicht stimme. Das führe in kleinen Betrieben, wo man tagtäglich eng zusammenarbeitet, eher zu der Entscheidung, den Betrieb zu wechseln.

Hoher Spaßfaktor ist am wichtigsten

Anders sieht es im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg aus. Hier bewegen sich die Zahlen mit einer Abbrecherquote von rund 25 Prozent auf dem Niveau des Berufsbildungsberichts. Die IHK sagt aber auch: Studien des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) gingen davon aus, dass 50 Prozent der angeblichen Abbrecher ihre Ausbildung tatsächlich nicht abbrechen, sondern etwa den Ausbildungsbetrieb oder -beruf wechseln. Bezieht man zudem die Abbrecher auf die Gesamtzahl der Azubis und nicht nur die des aktuellen Einstellungsjahrgangs, ist die Quote nochmals geringer. Sie liegt dann deutlich unter 10 Prozent.

„Die Abbruchzahlen machen deutlich, wie wichtig eine bessere Berufsorientierung ist – auch an Gymnasien“, ist Volker Linde, Leiter des Bereichs Aus- und Weiterbildung bei der IHK, überzeugt. Ein weiterer Schritt sei, die Qualität der Ausbildung zu verbessern. Wichtigste Kriterien für die Wahl des Berufs sind laut einer landesweiten IHK-Umfrage unter den befragten Azubis der Spaß (69 Prozent) und gute Zukunftsperspektiven (61). Einen deutlich niedrigeren Stellenwert hätten dagegen eine hohe Vergütung (9) und Auslandserfahrungen (3).

Von Ulf Stüwe