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So soll es in ein paar Jahren im neuen Stadtteil Oberbillwerder aussehen, im so genannten „AgeiQuartier“. Foto: ADEPT mit Karres + Brands / IBA Hamburg

Ein ganz neuer Stadtteil

Hamburg. In Hamburgs Südosten soll auf rund 124 Hektar ein neuer Stadtteil entstehen mit rund 7000 Wohnungen und bis zu 5000 Arbeitsplätzen. „Oberbillwerder“ im Bezirk Bergedorf würde der 105. Stadtteil der Freien und Hansestadt Hamburg werden. Kürzlich beschloss der Hamburger Senat den Masterplan für das neue Stadtentwicklungsvorhaben. „Nach der Hafencity ist Oberbillwerder das zweitgrößte Wohnungsbauprojekt Hamburgs“, sagt Barbara Ketelhut, Sprecherin der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) auf LZ-Nachfrage. Als Modellstadtteil unter dem Titel „Active City“ sollen in dem neuen Quartier „innovative Mobilitätskonzepte und moderne, energieautarke Wohn- und Arbeitsformen verwirklicht werden“, heißt es bei der BSW. Kritik kommt von einer Anwohner-initiative, die Hamburgs letzte Grünflächen in Gefahr sieht.

Bereits im September 2016 hatte der Hamburger Senat das städtische Unternehmen „IBA Hamburg GmbH“ damit beauftragt, den Masterplan für das Gebiet Oberbillwerder nördlich von Allermöhe zu erstellen. „Wir haben einen fast zweijährigen Planungsprozess hinter uns mit vielen Beteiligungsformaten, bei denen wir mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch gekommen sind“, sagt IBA-Sprecher Stefan Laetsch. „Dabei ist auch eingeflossen, wie wir die Landschaft in den neuen Stadtteil integrieren wollen.“ Dazu gehöre ein „respektvoller Abstand zum Dorf Billwerder“ im Westen.

Oberbillwerder soll sich selbst mit Energie versorgen

Behördensprecherin Ketelhut sagt: „Wir möchten zeigen, wie moderne und verantwortungsvolle Stadtentwicklungspolitik im 21. Jahrhundert aussehen kann.“ Die städtebauliche Grundstruktur leitet sich aus der Kulturlandschaft vor Ort ab, heißt es. Als Herzstück gilt der „Grüne Loop“, eine Art ringförmiges, grünes Wegenetz, das die insgesamt fünf geplanten Quartiere des neuen Stadtteils verbinden soll. IBA-Sprecher Laetsch sagt: „An dem Grünen Loop werden alle öffentlichen Einrichtungen liegen, die so zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sind.“ Diesen Quartiersplätzen sind außerdem „multifunktionale Mobility Hubs“ zugeordnet, heißt es. Laetsch: „Dort soll der ruhende Verkehr organisiert werden, damit die Autos nicht mehr im öffentlichen Raum stehen.“ Pkw sollen also in erster Linie an zentralen Orten geparkt werden. Insgesamt 5000 Parkplätze sollen so entstehen, die in elf „Mobility Hubs“ konzentriert werden. Gleichzeitig, sagt Laetsch, sollen die geplanten Hochgaragen auch weitere Nutzungen ermöglichen: „Im Erdgeschoss können Supermärkte, soziale Einrichtungen, Paket- oder Carsharingstationen oder Handwerkerhöfe ihren Platz finden“, sagt der IBA-Sprecher.

14 Kindertagesstätten sind geplant

In Oberbillwerder sollen zwei Grundschulen entstehen sowie ein Bildungs- und Begegnungszentrum mit Stadtteilschule, Gymnasium sowie ergänzenden sozialen, kulturellen und religiösen Einrichtungen. Außerdem sind 14 Kindertagesstätten geplant und zahlreiche soziale Infrastrukturangebote, heißt es in einer Pressemitteilung der BSW. Und das Energiekonzept sehe vor, „dass Oberbillwerder sich möglichst selbst mit Energie versorgt“. Zu den Bestandteilen gehörten zentrale Wärmepumpen, dezentrale Stromerzeugung durch Solarpanels sowie ein oder mehrere Blockheizkraftwerke für Raumwärme, Warmwasser- und Stromerzeugung, heißt es.

Kritik kommt unterdessen von der Arbeitsgemeinschaft „Paradies Billwerder erhalten“. Die Initiative tritt für den Erhalt „der letzten Grünflächen zwischen der Stadt Hamburg und dem Bezirk Bergedorf“ ein. Sie fürchtet nicht nur um den Lebensraum seltener Vogelarten wie Rotmilan und Rohrweihe, sondern auch um die Funktion der Grünflächen für den Kaltluftaustausch der Stadt. Unter www.change.org hat die Arbeitsgemeinschaft eine Online-Petition zum Stopp der Stadtteilpläne gestartet. Unter dem Titel „Hamburgs letzte Grünflächen verschwinden“ haben 4000 Nutzer für das Anliegen der Oberbillwerder-Kritiker unterzeichnet.

Kritiker werden noch angehört

Ende Februar hatte der Hamburger Senat den Masterplan beschlossen. Er basiert auf dem Konzept „The Connected City“ eines internationalen Planungsteams, das im Mai 2018 von einer Fachjury zum Sieger-entwurf gekürt worden war. BSW-Sprecherin Ketelhut sagt: „Der Masterplan wird als nächstes in einen Bebauungsplan umgesetzt.“ In dem Beteiligungsverfahren hätten auch die Kritiker noch einmal Gelegenheit, sich zu Wort zu melden, heißt es. Zuständig für das Bauleitverfahren ist der Bezirk Bergedorf. Laut BSW könnten voraussichtlich ab 2022 erste Erschließungsarbeiten beginnen und ab Mitte der 2020er-Jahre die ersten Häuser gebaut werden.

Von Dennis Thomas

Zur Sache

Ein Stadtteil, fünf Quartiere

Der Masterplan „Oberbillwerder“ sieht insgesamt fünf Quartiere mit unterschiedlichem Charakter vor: Die dichteste Bebauung, dominiert von einer Blockstruktur, ist im zentral gelegenen „BahnQuartier“ geplant, unmittelbar an der S-Bahn-Station Allermöhe. Im Westen soll das „Blaue Quartier“ anschließen, das durch das Leben am Wasser geprägt sein soll. Den Übergang zur Kulturlandschaft im Norden in Richtung Billwerder Deich soll das „AgriQuartier“ mit einer vergleichsweise großzügigeren Freiraumgestaltung schaffen, dort sollen vor allem Einfamilien- und Stadthäuser entstehen. Das „Grüne Quartier“ hingegen soll dichter bebaut werden, aber geprägt sein von Freiflächen des „Grünen Loop“. Und: „Hinzu kommt der weitläufige Aktivitätspark mit seinen vielfältigen Sportanlagen und -einrichtungen“, heißt es im Masterplan. Das Scharnier zu Bergedorf-West soll das „ParkQuartier“ darstellen, wo auch die vorhandenen Kleingartenanlagen ergänzt werden sollen.