Aktuell
Home | Nachrichten | Panorama | Polizei zweifelt an Schuld von Uber
Eine Auto fährt in Tempe an der Unfallstelle vorbei.

Polizei zweifelt an Schuld von Uber

37.000 Menschen starben 2016 auf US-Straßen, jetzt kam es zu dem ersten tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Roboterwagen. Ob ein Mensch den Unfall hätte verhindern können, untersuchen derzeit Experten. Der Vorfall hat eine ganze Branche aufgeschreckt.

Hätte der erste tödliche Unfall mit einem selbstfahrenden Uber-Wagen verhindert werden können? Diese Frage beschäftigt derzeit ein Ermittler-Team der US-Verkehrsbehörde NHTSA, das mittlerweile in Tempe in Arizona eingetroffen ist. Dort war am Sonntagabend eine Frau, die die Fahrbahn überquerte, von einem Roboterwagen von Uber auf einer Testfahrt erfasst worden. Die Frau starb im Krankenhaus an ihren Verletzungen.

Nach ersten Angaben der Polizei war das Fahrzeug autonom mit rund 64 Kilometern pro Stunde unterwegs und es gibt keine Hinweise darauf, dass es abbremste. Die erlaubte Geschwindigkeit auf dem Streckenabschnitt waren gut 56 Kilometer pro Stunde (35 Meilen pro Stunde). Die 49-jährige möglicherweise obdachlose Frau ging über die Fahrbahn außerhalb eines Fußgängerübergangs und schob nach Angaben der Polizei ein Fahrrad neben sich.

Polizeichefin Sylvia Moir sagte dem „San Francisco Chronicle“, das Video einer Kamera des Uber-Wagens zeige, dass die Frau „direkt aus dem Schatten auf die Fahrbahn getreten“ sei. „Es ist klar, dass dieser Zusammenstoß in jedem Modus, ob autonom oder manuell, schwer zu verhindern gewesen wäre.“ Zugleich sei der nächste Fußgängerübergang knapp 100 Meter entfernt gewesen.

Die NHTSA nahm Kontakt mit Uber, den lokalen Behörden und auch dem Autobauer Volvo auf, dessen Fahrzeuge für Roboterwagen des Fahrdienst-Vermittlers umgebaut werden. Die Crash-Experten der Untersuchungskommission NTSB nehmen sich ebenfalls des Falls an. Sie treten bei Flugzeugabstürzen, aber auch anderen bedeutenden Unfällen auf den Plan, aus denen möglicherweise für das gesamte Verkehrssystem relevante Erkenntnisse folgen können.

Uber teilte mit, das Unternehmen kooperiere mit den Ermittlern. „Eine unglaublich traurige Nachricht aus Arizona. Wir denken an die Familie des Opfers, während wir mit den örtlichen Behörden zusammenarbeiten, um zu verstehen, was passiert ist“, erklärte Uber-Chef Dara Khosrowshahi auf Twitter. Er stoppte vorläufig alle Testfahrten mit selbstfahrenden Autos. Der Fahrdienst-Vermittler testet seine Roboterwagen auch in San Francisco, Pittsburgh und Toronto.

Uber ist eines von mehreren Dutzend Unternehmen, die eigene Systeme für autonom fahrende Autos entwickeln und auf öffentlichen Straßen in den USA testen. Zugleich war das Roboterwagen-Programm des Fahrzeug-Vermittlers von Anfang an von Problemen belastet. Gleich am ersten Testtag in San Francisco wurde ein Uber-Wagen dabei gefilmt, wie er über eine rote Ampel fuhr. Zudem weigerte sich Uber zunächst, die nötige Lizenz zum Testen von Roboterautos zu beantragen und wurde zeitweise von der Straße verbannt. Vor gut einem Jahr klagte die Google-Schwesterfirma Waymo mit dem Vorwurf, bei Uber werde von ihr gestohlene Roboterauto-Technologie verwendet. Die Klage wurde vor kurzem beigelegt, belastete aber das Uber-Programm.

90 Prozent der Unfälle gehen auf Menschen zurück

Bei dem Streit ging es speziell um die Technologie sogenannter Laser-Radare, mit denen die meisten selbstfahrenden Autos ihre Umgebung abtasten. Uber musste als Teil des Vergleichs sicherstellen, dass in den Fahrzeugen keine Waymo-Technologie zum Einsatz kommt.

Dass 90 Prozent der Unfälle auf Fehler von Menschen zurückgingen und die Technik autonomer Fahrzeuge sie verhindern werde, ist ein zentrales Argument der Entwickler von Roboterwagen. Zugleich bereitete sich die Branche darauf vor, dass es irgendwann auch einen Unfall mit Todesfolge mit selbstfahrenden Autos geben werde. Nach Angaben der NHTSA starben im Jahr 2016 mehr als 37.000 Menschen auf US-Straßen und die Zahl der Fußgänger-Tote stieg um neun Prozent an.

Dem gegenüber steht eine Studie, die unlängst Forscher der Universität Kempten veröffentlichten, wonach das Fahren mit Assistenzsystemen vor allem Stress bedeutet.

Von dpa/RND