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Für 2017 liegt die Quote der Fehlwürfe allein beim Verpackungsmüll deutschlandweit nach Schätzung von Branchenexperten zwischen 40 und 60 Prozent.

Deutsche patzen regelmäßig bei der Mülltrennung

Autobatterien im Restmüll, benutzte Windeln im gelben Sack, Plastiktüten und Joghurtbecher in der Biotonne – falsche Mülltrennung ärgert Entsorger und Verwerter. Aber auch „intelligente Fehlwürfe“ machen der Branche zu schaffen.

 Ob Altpapier, Glas, Verpackungsmaterial oder Gartenabfälle – das System der Mülltrennung hat sich in Deutschland durchgesetzt. Doch vor dem Wegwerfen steht die Frage: Was kommt wo rein? Ob aus Bequemlichkeit oder Unkenntnis landen viele Abfälle in der falschen Tonne, wie Unternehmen besorgt feststellen.

Gerade Bremen hat Probleme mit Fehlwürfen bei Bio- und Verpackungsabfällen, wie die Bremer Stadtreinigung und die Rohstoffmanagement GmbH berichten. Dabei seien vor allem die Stadtteile und soziale Milieus ausschlaggebend. Oft fehle bei vielen Bürgern ein Grundverständnis des deutschen Trennsystems und eine einheitliche Aufklärung, sagt ein RMG-Unternehmenssprecher, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Für 2017 liegt die Quote der sogenannten Fehlwürfe allein beim Verpackungsmüll deutschlandweit nach Schätzung von Branchenexperten zwischen 40 und 60 Prozent. Weniger Fehlwürfe gibt es bei Papiermüll und Alttextilabfällen. „Hier liegen die Quoten bei rund 2 und zwischen 1 und 10 Prozent“, sagt die Sprecherin des Bundesverbands Sekundärrohstoffe, Michaela Ziss.

„In Bremen gibt es mehr reguläre als intelligente Fehlwürfe“

Es gibt Unterschiede im Fehlverhalten. Landet die Verpackung mit leicht verschimmelten Käsequark oder der Gartenabfall gleich mitsamt Plastiksack in der Biotonne, spricht die Branche von einem „regulären Fehlwurf“. Das ist schlecht. Nicht viel besser aber ist, wer ein ausrangiertes Bobby-Car oder die Plastik-Klobürste in die gelbe Tonne stopft. Nachgedacht, aber falsch entschieden – ein sogenannter intelligenter Fehlwurf. „In Bremen gibt es mehr reguläre als intelligente Fehlwürfe“, sagt der RMG-Unternehmenssprecher. Die gelbe Tonne oder der gelbe Sack sind ausschließlich für Verpackungsmüll bestimmt. Spielzeug, auch wenn es auch aus Plastik ist, gehört definitiv nicht dazu.

Auch die zunehmende Migration könnte ein Grund für mangelnde Trennbereitschaft sein, erklärte ein Sprecher des Verbandes Kommunaler Unternehmen. Das schwer zugängliche deutsche System sei für Ausländer nicht einfach zu verstehen und müsse auch ihnen zunächst erklärt werden.

Die Bremer Firma Nehlsen hatte dazu eigens ein Flüchtlingsprojekt mit der Stadt Bremen initiiert. Ein weiterer Grund sei ein grundlegender gesellschaftlicher Trend, bei dem aktuelle Maßnahmen zum Umweltschutz die Mülltrennung aus dem Bewusstsein der Bürger verdränge.

„Die Sortieranlagen haben große Probleme mit Fehlwürfen“

Ist die Fehlwurfquote zu hoch, kann es passieren, dass die Mülltonne stehen bleibt. Der Verbraucher wird dann über den Grund per Etikett informiert. Ein richtig großes Problem haben die Verwertungsfirmen, wenn der Müll kontaminiert ist, wenn etwa Windeln oder gebrauchte Krankenhausspritzen im Verpackungsmüll landen. „Dann wird der ganze gelbe Sack unrecyclebar“, erklärt der RMG-Sprecher. Beim Auftraggeber „Der Grüne Punkt“ wurde bislang kein negativer Trend festgestellt: „Ein Anstieg von Fehlwürfen ist von uns nicht beobachtet worden“, sagte der Sprecher des Grünen Punktes, Norbert Völl.

Die Haushalte müssen die Kosten für eine nachträgliche Trennung ihres Abfalls nicht tragen, aber den betroffenen privaten und kommunale Unternehmen entstehen durch die fehlende Mülltrennung hohe Aufwands- und Sortierkosten. „Die Sortieranlagen haben große Probleme mit Fehlwürfen, wie beispielsweise bei Biomüll, in dem eine Plastiktüte steckt“, erklärt Jens Rösler, Sprecher der Bremer Stadtreinigung. Die Folgen: Die Tüte wird zunächst aufwendig entfernt und erst dann kann der Müll verwertet werden. Andernfalls sinke die Qualität des Komposts, der in der Landwirtschaft verwendet wird.

Bürger auf dem Land trennen besser als Städter

Dabei hat Biokompost einen weiteren Vorteil: Er verringert nicht nur die Restmüllmenge, sondern verhindert auch weiteren Torfabbau und schont so die Moore, gibt die Umweltschutzorganisation BUND zu bedenken. Auch deshalb sollte es aus Sicht Röslers ein grundsätzliches Ziel sein, die Sortenreinheit durch gut getrennte Sammelsysteme zu verbessern.

Die Bürger ländlicher Regionen und kleiner Städte sind größeren Städten wie Bremen im Punkt „Mülltrennung“ oft schon voraus. Sie trennen meist deutlich besser. Aber auch die Braunschweiger erhalten Lob vom zuständigen Recylingunternehmen. „Das Trennverhalten der Bürgerinnen und Bürgerinnen befindet sich hier auf einem sehr hohem Niveau. Die häufigsten Fehler bei der Abfalltrennung in Braunschweig entstehen höchstens unbewusst oder aus Unkenntnis heraus“, sagt Susanne Jagenburg, Sprecherin der Alba Group.

Von RND/dpa

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