Dienstag , 25. September 2018
Aktuell
Home | Nachrichten | Panorama | Begleiter von Maria H. droht Auslieferung
Die Zimmertür von Maria H. zu Hause in Freiburg.

Begleiter von Maria H. droht Auslieferung

Bernhard H. aus Blomberg, der vor fünf Jahren mit der 40 Jahre jüngeren Maria H. aus Freiburg verschwand, soll in Deutschland vor Gericht gestellt werden. Italienische Polizisten nahmen ihn bereits am Donnerstag in Sizilien fest. Das Mädchen hat am Montag ein Teil ihrer Aussage revidiert.

Der in Italien festgenommene Begleiter der jahrelang vermissten Maria H. aus Freiburg soll in Deutschland vor Gericht gestellt werden. Die deutsche Justiz werde einen Antrag auf Auslieferung des 57-Jährigen aus Blomberg im Kreis Lippe stellen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in Freiburg mit. Der Mann war wegen Kindesentzugs mit internationalem Haftbefehl gesucht worden. Er sei bereits am vergangenen Donnerstag in einem leerstehenden Haus in Sizilien festgenommen worden und sitze seither in Italien in Haft, erklärte die Polizei.

Bernhard H. war mit der 13-Jährigen vor fünf Jahren verschwunden

Die heute 18-jährige Maria H. war eine Woche zuvor überraschend nach Hause zurückgekehrt, nachdem sie sich bei ihrer Familie gemeldet hatte und aus Mailand abgeholt worden war. Sie war als 13-Jährige vor gut fünf Jahren mit dem 40 Jahre älteren Bernhard H. verschwunden und von Familie und Polizei seither gesucht worden. Bei einer Vernehmung vergangene Woche sagte Maria H. den Beamten, sie sei mit dem Mann nach Polen gereist und habe dann die meiste Zeit alleine in Italien verbracht. Ihren Lebensunterhalt habe sie mit Gelegenheitsjobs bestritten und zuletzt eine eigene Wohnung gehabt. Von ihrem Begleiter habe sie sich früh getrennt. Wo dieser sich zuletzt aufgehalten habe, sei ihr nicht bekannt.

Maria H. hat Teile ihrer ersten Aussage bei der Polizei revidiert

Am Montagmorgen habe Maria erneut auf eigenen Wunsch bei der Polizei ausgesagt und Teile ihrer ersten Aussage revidiert, teilte ihre Mutter auf Facebook mit. „Aussagen, die sie bisher gemacht hatte, machte sie im Versuch Herrn H. zu schützen“, heißt es. „Noch immer ist ihr noch nicht so richtig klar, dass Täter Leben zerstören und nicht diejenigen, die über eine Tat berichten.“ Obwohl sie mit verschiedenen Experten gesprochen habe, sei ihr bis vor ein paar Tagen nicht klar, in welchem Maß ihr Kind manipuliert war „und leider auch noch immer ist“, schreibt die Mutter.

Bernhard H. hatte mehreren tausend Euro und Handys bei sich

Was Maria H. am Montag ausgesagt hat und welchen Teil ihrer vorherigen Version sie revidiert hat, will die Polizei Freiburg am Dienstag mitteilen. Ihre Aussagen stünden aber nicht im Zusammenhang mit der Festnahme von Bernhard H., betonte eine Polizeisprecherin. Die Ereignisse hätten sich überschlagen, vermutlich durch die vermehrte Berichterstattung seit Marias Rückkehr – auch in Italien. Die italienischen Beamten gingen einem Hinweis nach, wonach sich der Gesuchte in einem leerstehenden Haus aufgehalten habe. Bei ihm seien ein Rucksack mit mehreren tausend Euro sowie mehrere Handys gefunden worden. Ob der 57-Jährige sich geäußert habe, sei bislang nicht bekannt.

Der 57-Jährige muss sich strafrechtlich verantworten

Strafrechtlich verantworten müsse er sich, weil er ohne Einwilligung der Eltern mit einer Minderjährigen untergetaucht sei, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Auch wenn Maria freiwillig mitgegangen sei, stelle dies eine Straftat dar. Bei Kindesentzug drohen Angeklagten laut Strafgesetzbuch den Angaben zufolge bis zu fünf Jahre – in schweren Fällen bis zu zehn Jahre – Haft.

Von dpa/RND/jra