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Etliche freiwillige Helfer räumen die Straßen im Ort Sant Llorenç.

Deutscher Radfahrer rettet spanisches Mädchen aus der Sturzflut

Ein Deutscher Radtourist wird zum Helden: Daniel Thielk aus Brandenburg wurde vom Unwetter überrascht. Dann griff er im richtigen Moment kräftig zu.

Ihre Mutter starb, ihr Bruder wird noch vermisst, doch das siebenjährige Mädchen konnte aus der Sturzflut gerettet werden – von einem deutschen Radtouristen. Daniel Thielk gilt auf Mallorca bereits als Held: „Die Kleine hat meinen Arm gar nicht mehr losgelassen“, schildert der junge Mann aus Brandenburg in einem Interview mit dem TV-Sender RTL. Er habe sie am Arm gegriffen und aus der Flut herausgezogen, als die Wassermassen in der Gegend von Sant Llorenç an ihm vorbeischossen.

In einem Schuppen hätten sie rund zwei Stunden zusammen ausgeharrt, berichtet der Retter des Mädchens weiter. Sie sei ganz durchnässt gewesen, er habe ihr seinen Pullover gegeben, „damit sie nicht friert“. Die Angehörigen der Siebenjährigen hatten sich auf die Suche nach dem Helfer gemacht und wollen sich bei ihm bedanken. Er selbst sieht sich nicht als Helden, sagte er RTL.

Das Unwetter auf Mallorca sorgte für ein Familiendrama: Die Mutter war mit ihren beiden Kindern, dem siebenjährigen Mädchen und ihrem Bruder mit dem Auto unterwegs, als sie von der Sturzflut überrascht wurden. Über das Alter des Jungen gab es in Spanien unterschiedliche Angaben, manche Medien berichteten, er sei fünf Jahre alt, andere schrieben, er sei acht. Die Mutter schaffte es mallorquinischen Medienberichten zufolge noch, ihrer Tochter aus dem Auto zu verhelfen, sie selbst starb. Der achtjährige Junge wird noch immer vermisst, hunderte Helfer suchten am Freitag in den Schlammmassen nach ihm.

Einsatzkräfte schließen weitere Opfer nicht aus

Bisher wurden zwölf Menschen tot geborgen, darunter drei Deutsche – unter ihnen ein Redakteur der „Neuen Presse“ in Hannover. Nach einem Sturzregen in der Gegend um den Ort Sant Llorenç des Cardassar hatten sich Straßen innerhalb kürzester Zeit in reißende Flüsse verwandelt. Die Einsatzkräfte schließen nicht aus, dass nach wie vor weitere Menschen unter den Schlamm-Massen begraben sein könnten.

Mehrere Straßen der betroffenen Gegend waren am Freitag noch unpassierbar, Brücken sind schwer beschädigt, ganze Dörfer, Häuser und Möbel mit braunem Schlamm und schmierigem Wasser überzogen. Die vom plötzlichen Sturzregen am Dienstagabend verursachten Schäden rund um die Ortschaft Sant Llorenç gehen in mehrstellige Millionenhöhe. Die Ministerin für öffentliche Verwaltung, Catalina Cladera, bezifferte allein die Kosten für die Instandsetzung von Straßen und Brücken auf knapp 23 Millionen Euro.

Am Nachmittag wollte das spanische Königspaar auf die Insel kommen, um sich ein Bild von der Lage im Katastrophengebiet zu machen. König Felipe wollte am Morgen zunächst in Madrid die Militärparade anlässlich des spanischen Nationalfeiertages abnehmen und dann mit Ehefrau Letizia nach Mallorca reisen.

Von RND/dpa