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Ausgediente Elektrogeräte auf einem Wertstoffhof in Goslar

Mitnehmen verboten: Ärger auf dem Wertstoffhof

Eigentlich eine gute Idee: Auf einem Wertstoffhof wollte ein Ehepaar einen funktionierenden Fernseher mitnehmen. Doch die Mitarbeiter haben etwas dagegen – und offenbar das Recht auf ihrer Seite.

Maria Schmidt kann sich immer noch aufregen, dabei ist ihr Erlebnis schon ein paar Tage her. Kurz nach Weihnachten war sie mit ihrem Mann auf dem Wertstoffhof in Ronnenberg nahe Hannover gefahren, um ein altes Fernsehgerät zu entsorgen. Zufällig stand dort ein offenbar funktionsfähiger Flachbildschirm herum, den die Schmidts deshalb ins Auto laden wollten. Aber das durften sie nicht, lautstark verhinderte ein Mitarbeiter des Wertstoffhofes die Mitnahme, berichtet Maria Schmidt. „Alles, was hierher gebracht wurde, bleibt auch hier“, seien seine Worte gewesen, sagte sie der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.

Aber damit nicht genug. Kurz danach kam ein anderer Kunde auf den Wertstoffhof, der dort sein Super-8-Gerät entsorgte. Und während er es auf den Stapel mit den alten Elektrogeräten packte, berichtete er den Schmidts, dass ihm die Entsorgung schwer falle, zumal das Gerät noch funktioniere und er es lieber verschenkt hätte. Schmidt bot dem Mann an, das Gerät mitzunehmen. Denn das Ehepaar hat zwar noch alte Super-8-Filme, kann diese aber wegen eines fehlenden Abspielgeräts nicht anschauen. Aber auch das verhinderte der Mitarbeiter des Wertstoffhofs.

Schrott und Müll gehören den Entsorgern

Schmidt kann das nicht verstehen. Alle Welt rede davon, dass uns auch die Entsorgung des Elektromülls zu schaffen mache, meint sie. Und wenn man dann Müll vermeiden wolle und funktionierende Geräte aus dem Schrott holen wolle, werde das von Aha-Mitarbeitern lautstark und drohend verhindert.

Aus Sicht des Verwertungsunternehmens Aha hat sich der Mitarbeiter auf dem Wertstoffhof aber korrekt verhalten. Natürlich sei die Wiederverwertung von Abfällen einer Entsorgung vorzuziehen, sagt Sprecher Stefan Altmeyer. Allerdings gingen alle Abfälle und Wertstoffe nach dem Verladen in ein Aha-Fahrzeug oder der Anlieferung auf einem Wertstoffhof in den Besitz von Aha über. „Aus Sicherheitsgründen ist es nicht gestattet, die Abfälle zu durchsuchen oder mitzunehmen“, sagt Altmeyer. Auch das Elektrogesetz verbiete eine solche Praxis. Gerade bei Schrottcontainern auf den Wertstoffhöfen gebe es für die Bürger ein erhöhtes Verletzungsrisiko.

Aha fürchtet eine „Flohmarktatmosphäre“

Aha fürchtet außerdem eine „Flohmarktatmosphäre“ auf den Wertstoffhöfen, die die Abläufe „stark beeinträchtigen würde“, wie Altmeyer sagt. „Nicht jeder Kunde wäre damit einverstanden, wenn sein heute entsorgter Gegenstand am Wochenende auf einem Flohmarktstand veräußert würde“, ergänzt der Sprecher.

Er verweist auf die Gebrauchtbörse von Aha. Dort werden nicht mehr benötigte Gegenstände zum Tausch oder zum Verschenken angeboten.

Von Mathias Klein/RND