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Ein Biologe aus Göttingen muss sich wegen sexueller Nötigung vor Gericht verantworten.

Biologe ejakuliert vor Studentin auf Fleisch

Ein Biologe soll vor einer Studentin auf ein Stück Fleisch ejakuliert haben. Für den Wissenschaftler ist es ein „privates Experiment“ – vor Gericht muss er sich allerdings wegen sexueller Nötigung verantworten.

 

Wegen sexueller Nötigung einer Studentin muss sich seit dieser Woche ein 45-jähriger Wissenschaftler vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft Göttingen wirft dem Biologen vor, im Mai vergangenen Jahres eine Studentin, die ihm bei einer Art Feldversuch in einem Waldgebiet unweit des Göttinger Nordcampus assistieren sollte, sexuell bedrängt zu haben.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war die Studentin dem Angeklagten in dem einsamen Waldstück schutzlos ausgeliefert. Dem Biologen sei jedoch bewusst gewesen, dass sie die sexuellen Handlungen nicht wünschte.

Auf Fleischprobe ejakuliert

Der Angeklagte wies zu Beginn des Prozesses die Vorwürfe zurück: „Das stimmt so nicht.“ Die Situation sei zwar „nicht alltäglich“ gewesen, das Ganze sei aber „völlig sachlich“ und „ohne Körperkontakt“ gelaufen. Der 45-Jährige gab zu, dass er im Beisein der Studentin onaniert und auf eine Fleischprobe ejakuliert hatte, stellte dies jedoch als „privates Experiment“ dar. Die Institutsleitung sei in sein vermeintliches Forschungsvorhaben nicht eingeweiht gewesen: „Es war klar, dass es nicht ganz so gut an der Uni ankommt, wenn man sowas macht.“

Der Molekularbiologe hatte an der Universität einen Lehrauftrag für forensische Entomologie. Wissenschaftler dieses Spezialgebiets nutzen die Insektenkunde zur Aufklärung von Tötungsdelikten und anderen Kriminalfällen. Ausgangspunkt sind hierbei biologische Zerfallsprozesse: Da tote Körper sehr schnell von Insekten besiedelt werden, lassen sich bei einem Leichenfund aus den aufgefundenen Insektenarten und den jeweiligen Larvenstadien Rückschlüsse auf die Liegezeit sowie auf die Todesumstände und die Todesursache ziehen.

Experiment mit Sperma

In dem Kurs, den der Angeklagte leitete, sollten verschiedene Fleischstücke von Rind, Schwein und Huhn im Gelände ausgelegt werden, um dann später die Besiedelung mit Maden zu untersuchen. Nach Angaben des Angeklagten war er durch eine Masterarbeit in Australien auf die Idee gekommen, den Versuch dergestalt zu erweitern, dass das Hühnerfleisch mit menschlichem Sperma versetzt wurde. Er habe hierzu eigene Experimente anstellen und testen wollen, ob sich aus Maden, die sich auf solchem Fleisch ansiedeln, im letzten Larvenstadium auch menschliche DNA extrahieren lasse. Für das nötige Probenmaterial habe er selbst als Spermaspender sorgen wollen.

Über die australische Masterarbeit hatte der Angeklagte auch mit einer studentischen Hilfskraft gesprochen. Es sei aber nie die Rede davon gewesen, derartige Experimente zu machen, sagte die Studentin. In dem Kurs sollte einzig untersucht werden, ob DNA von tierischem Fleisch in Maden nachweisbar sei. Der Biologe habe dann als Vorversuch für den Kurs mit ihr im Wald die Fleischstücke ausgelegt und erklärt, dass sie einige Tage später mit ihm die Proben kontrollieren solle.

Sie habe jedoch in der Woche keine Zeit gehabt, da sie ein Praktikum an einem anderen Institut absolvierte. „Er hat darauf bestanden, dass jemand mitkommen soll“, berichtete die Studentin. Deshalb habe sie eine Mitstudentin gefragt, ob diese dem Kursleiter bei der Probenkontrolle assistieren könnte. Als diese ihr dann später von dem Vorfall im Wald erzählte, sei sie fassungslos gewesen: „Ich hab gedacht, ich bin im falschen Film.“

Experiment ein „abstruses Setting“

Auch die Institutsleiterin fiel aus allen Wolken, als sie davon erfuhr. Das Verhalten des Angeklagten sei allein schon deshalb „absolut unverzeihlich“, weil ein Dozent niemals ein Abhängigkeitsverhältnis ausnutzen dürfe. Das angebliche Experiment sei „ein abstruses Setting“, das weder mit wissenschaftlichen noch mit ethischen Grundsätzen zu vereinbaren sei. Auch die Behauptung des Angeklagten, dass daraus eine Masterarbeit werden sollte, gehört nach Ansicht der Forscherin ins Reich der Legenden: Schließlich müsse jede wissenschaftliche Arbeit einen Methodenteil enthalten, in dem unter anderem auch das Probenmaterial sowie die Herkunft der Proben beschrieben werde. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von RND/Heidi Niemann