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Der unter anderem wegen der Zwangsprostitution von Frauen und Fahren ohne Fahrerlaubnis in 42 Fällen Angeklagte (l) sitzt vor Beginn der Verhandlung im Landgericht neben seinem Anwalt Marcus Hertel.

„Brummi-Andi“ zu jahrelanger Haft verurteilt

Wieder steht „Brummi-Andi“ vor Gericht. Körperverletzung, Brandstiftung und Geldfälschung sind nur Auszüge der Anklageschrift . Nun wurde der Serienstraftäter in Aachen verurteilt – inklusive Warnung vom Richter.

Als Zwölfjähriger unternahm „Brummi-Andi“ Spritztouren mit Lastwagen – jetzt ist der Serienstraftäter 33 Jahre alt und noch mal einer Sicherungsverwahrung entgangen. Das Landgericht Aachen verurteilte ihn am Montag wegen 20 Straftaten zu vier Jahren und drei Monaten Haft – unter anderem wegen versuchter Brandstiftung, Körperverletzung und Geldfälschung. Eine Revision ist zugelassen.

Eine im Raum stehende Sicherungsverwahrung verhängten die Richter nicht. Es wäre noch verfrüht, von einem Hang zu gefährlichen Straftaten zu sprechen, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Beneking. „Ob es so kommen wird, hängt von Ihnen ab.

Im Moment ist der Stand aus unserer Sicht nicht da“, sagte er in der Urteilsbegründung. Zuvor hatte schon ein Gutachter keinen krankhaften Hang zu erheblichen oder gefährlichen Straftaten gesehen. „Wir sind der Meinung, Anhaltspunkte für eine gewisse Nachreifung gesehen zu haben. Aber irgendwann ist Schluss mit Jugendlichkeit“, sagte Beneking und das klang wie eine Warnung.

Das kriminelle Leben des „Brummi-Andi“

Das Gericht skizzierte die kriminelle Karriere des Mannes: Im strafunmündigen Alter unternimmt er Spritztouren. Mit 14 fährt er mit einem geklauten Lkw durch eine Polizeisperre und tötet einen Polizisten. Es folgen zahlreiche Straftaten. Bei einer Besserungsmaßnahme auf der Insel Gomera klaute er zuerst den Wagen einer Betreuerin, dann ein Boot und setzt sich nach Teneriffa ab. Im Gefängnis vergewaltigt er einen Mithäftling.

Das alles sei die Ausgangslage für sein „gefühlloses, widerwärtiges und menschenverachtendes“ Verhalten. Über elf Jahre habe der 33-jährige bis jetzt im Gefängnis gesessen, sagte Beneking.

72 Straftaten waren in dem Aachener Verfahren angeklagt, von 52 Straftaten wurde er freigesprochen – darunter von den schwerwiegenden Vorwürfen Zwangsprostitution und Zuhälterei. Wichtige Zeugen seien unglaubwürdig gewesen, sagte Beneking: „Im Zweifel für den Angeklagten“.

Noch gilt „Brummi-Andi“ ein Kleinkrimineller

Für die Staatsanwältin Tanja Gülicher-Schmitt waren die angeklagten Taten allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Sie hatte für 26 Straftaten fünf Jahre und drei Monate Haft gefordert. Aus ihrer Sicht sollte der Angeklagte lebenslang keine Fahrerlaubnis mehr bekommen, weil er berauscht und rücksichtslos auf den Straßen unterwegs sei mit der Haltung: „Ich fahre meine 1000 Kilometer im Jahr und kann auch Straßenverkehrsregeln brechen“, sagte die Staatsanwältin. Er sei charakterlich nicht geeignet.

Sie sah das „letzte Quentchen“ für eine Sicherungsverwahrung, die zeitlich nicht begrenzt ist und die die Allgemeinheit schützen soll, nicht erfüllt. Der Gesetzgeber sehe sie tendenziell für Schwerkriminelle vorgesehen. Noch sei der 33-Jährige eher ein Kleinkrimineller, aber: „Der Angeklagte geht Schritt für Schritt in diese Richtung“, sieht sie einen Wandel. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann es soweit ist, machte sie deutlich.

Verteidiger Marcus Hertel wollte eine weitere Chance für seinen Mandanten. „Man muss sich davon frei machen zu sagen, wer er war“, spielte er darauf an, dass immer wieder die Rede vom früheren „Crash-Kid“ und „Brummi-Andi“ die Rede ist. „Ich nehm ihn ernst. Wenn er eine Chance bekommt, wird er sie auch nutzen“.

Von RND/dpa