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An der Rezeption des Henn-na-Hotels in Japan wartet ein Dinosaurier-Roboter auf die Gäste.

Hotel feuert Roboter – Maschine weckte schnarchende Gäste

In einem Roboterhotel in Japan arbeiten fast ausschließlich Maschinen – ob an der Rezeption oder im Zimmerservice. Doch das klappt weniger gut als gedacht, die Maschinen scheitern an einfachen Aufgaben. Deswegen wurden nun viele von ihnen ausrangiert oder ausgetauscht.

„Sprechen Sie bitte deutlich!“, sagt der Tyrannosaurus Rex hinterm Schalter. Dann verweist er auf einen Scanner. Dort möge man bitte seinen Ausweis auflegen. Zunächst spuckt die Maschine eine falsche Rechnung aus. Erst als ein Mitarbeiter aus Fleisch und Blut hinzukommt, wird das Problem gelöst.

Der Dinosaurier ist einer von zeitweise rund 250 Robotern, die in einem Hotel am Rande eines Freizeitparks nahe Nagasaki im Südwesten Japans arbeiten. Vor drei Jahren wurde das Henn-na-Hotel eröffnet – dort sollten die neuen Entwicklungen aus Japans florierender Robotik ausprobiert werden. Das wiederum, mutmaßte das noch menschliche Management, könnte der Hotelbranche einen tiefschürfenden Wandel verpassen: Roboterhotels als Zukunft der Gastronomie?

Dinosaurier-Roboter druckt falsche Rechnungen

Danach sieht es aktuell nicht aus: Probleme wie das vom Rezeptionistendinosaurier konnten bis heute nicht behoben werden. Von den 250 Maschinen wurde schon mehr als die Hälfte ausrangiert oder ausgewechselt.

Mal waren es automatische Kofferträger, die keine Treppen steigen können. Dann war die automatische Gesichtserkennung an der Zimmertür so ungenau, dass man auch ein Foto aus dem Smartphone vor die Kamera halten und so in andere Zimmer einbrechen konnte. Dann wiederum nervte Nachttischroboter Chuuri-chan, ein knuffiges, unterarmgroßes Ding mit Babystimme, das das Licht dimmen und ausschalten konnte – aber zu Zeiten von Siri und Alexa enttäuscht. So fühlte sich Chuuri-chan auf die Geräusche schnarchender Gäste hin aufgefordert, ein Gespräch zu beginnen – und so den Gast zu wecken. Der wiederum konnte den plappernden Roboter nicht zur Ruhe bringen: Schließlich arbeiten im Hotel vor allem Roboter, die keine Hilfe waren.

Hotelname „Henn-na“ bedeutet „sich wandelnd“ und „seltsam“

Der Hotelname Henn-na lässt sich mit „sich wandelnd“, aber auch mit „seltsam“ übersetzen. Seltsam wegen des fast ausschließlichen Services von Robotern. Sich wandelnd wegen der Robotik-Experimente. So hatte man anfangs große Pläne: Drohnen sollten Pizza durch das geöffnete Zimmerfenster liefern. Der Concierge mit Touchscreen, der Gäste über Attraktionen sowie Essensangebote informiert, sollte intelligenter werden.

„Wir glauben, dass diese Art von Hotel ein Zukunftsweg für die Branche wird“, sagte eine Mitarbeiterin noch bei der Eröffnung. „Der Einsatz von Robotern statt Menschen spart nicht nur Geld, er bringt den Gästen auch Spaß.“ Die Praxis hat gezeigt: Der Spaß hält sich in Grenzen, zu häufig provozieren die Maschinen Beschwerden. Das Hen-na-Hotel muss umdenken, mitunter könnten wieder mehr Menschen zum Einsatz kommen. Die Revolution in der Hotellerie ist nicht gelungen.

Scheitern von Roboterhotel wird keinen Einfluss auf Branche haben

Großen Einfluss auf die Branche wird das vermutlich nicht haben. Während sich Spitzenhotels ohnehin mit ihrem starken Service brüsten und auf menschliche Wärme kaum verzichten können, haben die meisten Businesshotels bisher nur in Ansätzen auf Automatisierung umgestellt. Eher wird die Erfahrung aus Südwestjapan andere Hotelbetreiber zweimal überlegen lassen, inwieweit Gastronomie ohne herkömmliche Gastronomen funktionieren kann.

Doch verloren ist das Modell Roboterhotel noch nicht. Einerseits hat das Henn-na-Hotel schon Nachahmer in Japan gefunden. Zudem arbeiten wegen der Herausforderungen der alternden Gesellschaft in keinem anderen Land der Welt derart viele Forschungslabore an neuer Servicerobotik. All diese Neuigkeiten auszuprobieren, ist der Gedanke des Henn-na-Hotels gewesen. Wenn nun einige Roboter ausrangiert worden sind, heißt das, dass es neue Runden mit neuen Maschinen geben kann. Die dann hoffentlich keine schnarchenden Gäste mehr wecken.

Von RND/Felix Lill