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Ein Hinweisschild für einen Frauenparkplatz.

Freie Parkplätze für freie Bürger

Ein Mann fühlt sich von Frauenparkplätzen diskriminiert und verklagt die Stadt. Die muss nun ihre Schilder ändern – Männer dürfen nämlich auch dort parken. Dabei sind Frauenparkplätze grundsätzlich Unsinn, meint Julia Rathcke.

Es gibt Parkplätze für Motorräder, für Mütter mit Kindern, für Menschen mit Behinderungen und solche, die nur für Frauen vorgesehen sind. Sind Frauen etwa eine Minderheit, eine Besonderheit oder grundsätzlich eingeschränkt? Nein. Deshalb sollten Frauenparkplätze der Vergangenheit angehören. Sie dienen nicht der Gleichberechtigung, sie verhindern sie im Prinzip.

Weil ein 25-Jähriger sich als Mann diskriminiert fühlte und die Stadt Eichstätt verklagte, kam die grundsätzliche Debatte um Frauenparkplätze ins Rollen. Sie seien nicht diskriminierend, solange „bitte“ dabei steht, das ist die Quintessenz aus dem Gerichtsprozess. Männer dürfen also auch dort parken, weil juristisch nur eine Empfehlung erlaubt ist. Frauen haben kein Recht auf eigene Parkplätze. Und das ist auch richtig so. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, so steht es in Artikel 3 des Grundgesetzes. Das gilt auch im Straßenverkehr.

Überfälle in Parkhäusern kommen nicht häufiger vor als anderswo

Nun wird stets mit dem Sicherheitsgefühl argumentiert, man wolle den Frauen in Parkhäusern ein besseres Gefühl geben, weil Frauen statistisch gesehen häufiger Opfer von Übergriffen werden als Männer. Statistiken geben allerdings keinen Beleg für die Unsicherheit von Parkplätzen oder -häusern. Im Gegenteil, aus der Polizeilichen Kriminalstatistik geht hervor, dass in Deutschland Überfälle in Parkhäusern nicht häufiger vorkommen als anderswo. Der Fall der Vergewaltigung in Eichstätt, aufgrund dessen der Frauenparkplatz eingerichtet wurde, ist ein Einzelfall.

Frauen können überall und zu jederzeit belästigt und sexuell angegriffen werden. Sollten deshalb überall Sondereinrichtungen für Frauen getroffen werden? Und was, wenn auch junge Männer sich an bestimmten Orten unsicher fühlen? Sollten selbstsichere Frauen die Parkplätze freihalten müssen? Und müsste es nicht eigentlich auch Seniorenparkplätze geben?

Sicherheit ist ein subjektives Gefühl. Die Schweiz hat vor einigen Jahren Frauenparkplätze wieder abgeschafft – und stattdessen Parkhäuser im Allgemeinen freundlicher und besser bewacht gestaltet. Eine geschlechtsspezifische Unterscheidung ist so überhaupt nicht notwendig. Im Übrigen genauso wenig wie bei „Mutter-Kind-Parkplätzen“, die in den USA zeitgemäß „Customer with Child“-Schilder heißen: Parkplätze für Kunden mit Kind.

Von Julia Rathcke/RND