Aktuell
Home | Nachrichten | Panorama | Nico Rosberg: „Ich gehöre zu der neuen Generation Väter, die mit anpackt“
„Ich glaube, ich gehöre zu der neuen Generation Väter, die mit anpackt“: Nico Rosberg

Nico Rosberg: „Ich gehöre zu der neuen Generation Väter, die mit anpackt“

Ex-Weltmeister Nico Rosberg über sein neues Leben nach der Formel 1, Urlaub ohne Kinder – und warum er trotz finnischer Staatsbürgerschaft nie die Sprache lernen wird.

 

2016 wurde Nico Rosberg als dritter mit deutscher Lizenz startender Fahrer Formel-1-Weltmeister. Wenige Tage nach dem Gewinn seiner Weltmeisterschaft gab er bekannt, seine Karriere zu beenden. Heute lebt der 33-Jährige mit seiner Frau und den beiden Töchter in Monaco.

Nico Rosberg, Sie haben vor mehr als zwei Jahren Ihre Formel-1-Karriere beendet. Wo merken Sie den größten Unterschied zwischen Ihrem alten und Ihrem neuen Leben?

Der große Unterschied ist die Freiheit, die ich jetzt habe. Wenn zu Hause ein Geburtstag ansteht, weiß ich heute, dass ich zu 100 Prozent dabei sein kann. Das ist ein Riesenglück für mich. Auch meine Vergangenheit auf dem Höhepunkt meiner Karriere zu verlassen – das prägt mich immer noch.

Sie haben vermutlich auch mehr Zeit für Ihre beiden Töchter. Was für ein Vater sind Sie?

Ich glaube, ich gehöre zu der neuen Generation Väter, die mit anpackt. Wir machen genauso die Windeln, wir füttern – und das gerne. Aber klar, die ganz große Leistung bringt natürlich trotzdem meine Frau. Da werde ich nie rankommen. Ich muss auch erst einmal wieder die Balance zwischen Job und Familie finden, weil mich mittlerweile doch schon wieder sehr die Leidenschaft fürs Business gepackt hat.

 

Kürzlich waren Sie drei Wochen in Thailand – nur mit Ihrer Frau.

Wir haben das erste Mal so einen langen Urlaub ohne die Kinder gemacht. Wir hatten das Glück, dass die Oma zu Hause eingesprungen ist. Das ist sehr gut für unsere Beziehung gewesen, ich kann das nur empfehlen. Wir haben uns erholt und sind mit neuer Stärke für die Kinder wiedergekommen. Auch wenn ich meine Frau beim Losfliegen noch im Flieger halten musste, weil sie wieder rauslaufen wollte (lacht). Aber sobald wir in Thailand angekommen sind, konnten wir es sofort genießen. Wir werden versuchen, solche Auszeiten für uns als Paar beizubehalten.

Zu Ihrem neuen Leben gehört auch das Engagement für E-Mobilität. Sie sind Mitgründer des in diesem Jahr erstmals stattfindenden Green Tech Festivals in Berlin …

Das Green Tech Festival wird eine globale Plattform für grüne Technologien und Vordenker, so etwas gibt es in der Form bislang nicht. Das ist ein Riesenprojekt und eine neue Herausforderung für mich. Es gibt uns allen die Chance, die Menschen für E-Mobilität zu begeistern, weil einfach so coole Dinge auf den Markt kommen. Wir hoffen, dass wir damit den positiven Wandel beschleunigen können.

Wie grün und umweltbewusst ist denn Ihr Leben?

Meine Familie und ich leben zu Hause schon sehr bewusst. Wir benutzen zum Beispiel keine Plastikflaschen, sondern ausschließlich Glas. Ich denke mittlerweile auch zwei Mal über Kleinigkeiten nach, die in der Summe doch einen großen Unterschied ergeben – zum Beispiel über das Benutzen eines Strohhalms. In Monaco denkt man ja eher an Rolls Royce, ich hingegen fahre gerne mit meinem Elektro-Motorrad und Car-Sharing. Das sind kleine elektrische Renault Twizzys, mit denen man nur einen Motorradparkplatz braucht. Damit versuche ich auch, meinen Teil beizutragen, und es ist praktischer wegen der Parkplatznot.

Sie leben in Monaco und auf Ibiza. Können Sie sich vorstellen, auch mal in Deutschland zu leben?

In Deutschland leben ist für uns kein Thema. Ich bin in Monaco aufgewachsen und wir fühlen uns da sehr wohl. Das ist einfach ein ganz toller Fleck und wir wissen, dass wir sehr großes Glück haben, unter diesen tollen Umständen dort leben zu dürfen. Das wird für uns immer der Ort sein, an dem unser Zuhause ist.

Sie sprechen fünf Sprachen fließend. Mit welchen Sprachen wachsen Ihre Kinder auf?

Mindestens drei Sprachen werden unsere beiden Töchter lernen. Sie werden in die Schule gehen, in die ich auch gegangen bin, und dort Französisch und Englisch sprechen. Zu Hause reden wir nur deutsch – und eine weitere Sprache finden wir für die beiden bestimmt auch noch. (lacht)

Sie haben die deutsche und die finnische Staatsbürgerschaft und doch können Sie kein Finnisch. Haben Sie vor, die Sprache zu lernen?

Ich bereue es sehr, dass mein Vater mir die Sprache nie beigebracht hat. Ich habe es aber tatsächlich auch schon mal versucht zu lernen – keine Chance. Ich habe mit Finnland aber auch nicht so viel zu tun, sodass es mir nicht fehlt.

Was halten Sie als leidenschaftlicher Autofahrer von der Diskussion um Tempolimits?

Ich bin der Überzeugung, dass man nicht über Verbote gehen sollte. Wir sollten die Möglichkeit in der modernen Technik sehen, um eine nachhaltige Zukunft für alle zu gestalten. Anstatt das schnelle Autofahren zu verbieten, sollte man das Fahren mit künstlicher Intelligenz und autonomem Fahren verbessern und die Emissionen verringern.

Von Lena Obschinsky/RND