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Die Frauen wurden beispielsweise damit gemobbt, dass in pornografische Bilder und Filme Fotos ihrer Köpfe montiert wurden.

Männer-Netzwerk verabredet sich zum Cybermobbing gegen Feministinnen

In Frankreich hat sich eine Gruppe Männer, darunter prominente Journalisten, über elf Jahre dazu verabredet, Frauen und Homosexuelle online zu diffamieren und sexuell zu belästigen. Die Macher von „La Ligue du LOL“ sagen, es sei ein Spaß gewesen.

In Frankreich ist ein großes frauenfeindliches Netzwerk aufgeflogen. Über viele Jahren sollen sich unter anderem namhafte Journalisten, Grafiker, Werber und Informatiker in einer Facebook-Gruppe zusammen getan und sich für sexistische Attacken auf Frauen in sozialen Netzwerken verabredet haben. Das berichtet die französische Zeitung „Libération“. Die rund 30 Männer aus Paris sollen ihre Opfer zudem verspottet und verpönt haben.

Vor allem auf Feministinnen, Schwarze und Homosexuelle hatte es demnach der Männer-Club abgesehen. Unter den Opfern des Cybermobbings seien Journalistinnen, Autorinnen und Youtuberinnen. Sie seien sexistischen Beleidigungen ausgesetzt gewesen, etwa durch Fotomontagen und pornografische Bilder, in die Bilder der Köpfe der Frauen montiert wurden. Einige Opfer wie die Bloggerin Capucine Piot hatten Twitter nach den Angriffen sogar verlassen, meldet „Spiegel Online“.

Journalist hatte die Gruppe gegründet

Ein Journalist der linksliberalen Tageszeitung, Vincent Glad, hatte die Gruppe „La Ligue du LOL“ vor zehn Jahren gegründet und sich nun zu den Vorwürfen geäußert. Die Gruppe sei als Spaß gedacht gewesen, aber schnell abgedriftet. Das Ausmaß des Cybermobbings werde ihm erst jetzt bewusst, da alles aufgeflogen sei. „Ich habe ein Monster erschaffen, das mir völlig entglitten ist.“

Glad spricht von der Gruppe als „eine große Sandkiste, einen großen Spielplatz“. Es sei Spaß gewesen und er habe sich zutiefst geirrt, gibt er an. „Mir war nicht bewusst, dass wir mit unseren Witzen die feministischen Parolen zum Schweigen gebracht haben, als diese 2011 und 2012 in den sozialen Netzwerken auftauchten“, sagt er.

„Es war dumm und wird nicht wieder passieren“

Glad arbeitet seit der Aufdeckung nicht mehr bei der Zeitung, ebenso wie sein Kollege Alexandre Hervaud. Der entschuldigte sich ebenfalls über Twitter. Er habe jederzeit unter seinem richtigen Namen und nie anonym gepostet, sagt er. „Den Menschen, die sich seit elf Jahren von einer oder mehreren meiner Aussagen hier oder andernorts angesprochen fühlten, kann ich nur sagen, dass es mir leid tut. Es war dumm und es wird nicht wieder passieren.“

Vielen Franzosen reicht diese Stellungnahme, die auch von anderen Mitgliedern wie einem verantwortlichen Redakteur des kulturellen Wochenmagazins „Les Inrocks“ nicht. Auf Twitter häuft sich Kritik daran, wie Glad und auch andere führende Köpfe sich nun rechtfertigen. Einige Nutzer fordern harte Strafen für den Missbrauch.

Weitere Opfer melden sich zu Wort

Zudem melden sich immer mehr Opfer zu Wort. So zeigt Nutzer Martin Médus ein Foto von sich, das kürzlich auf Twitter zirkulierte, eingestellt von einem „La Ligue du LOL“-Mitglied, das sich „Lapin Blanc“ nennt. Darauf wurde ein Hakenkreuz auf seine Brust montiert.

In der Zeitschrift „Slate“ schreibt die betroffene Journalistin Lucile Bellan von den Angriffen. „Die Betroffenen sind misstrauisch, sie haben soziale Netzwerke verlassen, haben sich entschieden, nie für bestimmte Medien zu arbeiten“, so Bellan.

Von RND/msk