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Blickt positiv ins Leben: Marla Saß hat gelernt, mit ihrer Hautkrankheit umzugehen. Wenn sie komisch angeschaut wird, merkt sie es oft gar nicht.

Weiße Flecken: Marla Saß hat seltene Hautkrankheit

Der Körper von Marla Saß (23) ist mit weißen Flecken übersät: Sie hat Vitiligo, eine seltene Hautkrankheit. Als Kind wurde die Hannoveranerin „Milka-Kuh“ genannt. Heute ist Marla Saß eine selbstbewusste junge Frau, die sich und ihre gefleckte Haut nicht mehr versteckt.

Marla Saß (23) ist jung, selbstbewusst, schön. Und die Versicherungskauffrau reist gerne. Meistens ist sie braun gebrannt – doch die Sonne kann lebensgefährlich für sie werden. Die Hannoveranerin hat Vitiligo, auch Weißfleckenkrankheit genannt.

Genau wie das amerikanische Supermodel Winnie Harlow (24), das weltweit die Aufmerksamkeit auf die Krankheit lenkte. Sowohl Harlows als auch Saß’ Körper sind übersät mit weißen Flecken: an Händen, Füßen, Ellbogen, Rücken, Kniekehlen und im Gesicht. Überall, wo das braune Hautpigment Melanin fehlt, ist die Haut der Sonne schutzlos ausgeliefert.

Verbrennungen dritten Grades

Was das bedeutet, musste Saß schon als Kleinkind erfahren. Als die Sonne der Zweijährigen Verbrennungen dritten Grades zufügte, wurde die Krankheit diagnostiziert. „Meine Eltern dachten, es wäre eine Allergie und der Arzt riet ihnen, mit mir in die Sonne zu fahren“, erzählt sie.

Eine schlechte Idee. „In Spanien verbrannte meine Haut, und ein spanischer Arzt stellte die richtige Diagnose.“ Fortan durfte das Mädchen nicht mehr in die Sonne und nur mit Lichtschutzfaktor 50 vor die Tür – das gilt bis heute. Auch auf ihren Reisen hält sich Saß überwiegend im Schatten auf. Therapien, von Laserbestrahlungen bis Tabletten, halfen ihr wenig.

Lediglich Kortison kann die Folgen eines Sonnenbrandes abmildern. Saß‘ Sonnenbrände kommen schnell und sind heftig, nicht zu vergleichen mit einer roten Nase nach einem zu langen Sonnenbad. Die 23-Jährige rollt ihre Socken runter, an ihren Füßen ist verbrannte Haut zu sehen. „Diesen Sonnenbrand habe ich mir im Oktober in der Dominikanischen Republik geholt. Meine Haut heilt nur sehr langsam“, sagt sie. „Meine Kniekehlen waren im Sommer mal so verbrannt, als wären sie mit Feuer in Berührung gekommen. Die Haut ist abgefallen.“ Und der letzte Sonnenbrand im Gesicht war so schlimm, dass sogar ihre Augen zugeschwollen waren.

„Ich wurde Milka-Kuh genannt“

Heilungschancen gibt es bei Vitiligo nicht – aber die Flecken können kleiner werden. Auch bei Marla Saß ist es besser geworden, die weißen Stellen an ihrem Rücken sind nahezu verschwunden. Dafür hatte es sie in der Schulzeit besonders hart getroffen, da waren die Weißflecken am stärksten ausgeprägt. Das ist auch den Mitschülern nicht entgangen. „Ich wurde ,Milka-Kuh’ genannt.“ Wildfremde Menschen dachten, sie sei ansteckend. „Als wir mal in einem Schuhgeschäft waren, durfte ich nichts anprobieren. Der Ladenbesitzer hatte Angst, dass seine Tochter auch solche Flecken bekommt.“ Als Konsequenz schminkte sich Saß bereits in der ersten Klasse, bedeckte ihre Flecken mit Make-up und trug nur langärmelige Oberteile.

Heute kommt das für die hübsche Frau nicht mehr in Frage – im Gegenteil: Auf Instagram zeigt sich Saß ganz natürlich und versteckt sich nicht. Sie posiert im Bikini, ihre Weißflecken sind auf den Bildern deutlich zu sehen. Dass sich andere Menschen nach ihr umdrehen, merkt sie nicht mal mehr. „Das fällt eher meinen Freunden auf.“ Für sie ist Saß schön, so wie sie ist. Das gilt auch für Männer: „Von denen bekomme ich immer wieder zu hören, dass mich die Flecken besonders und schöner machen.“

„Mittlerweile vergesse ich die Flecken sogar zwischendurch“

Saß ist eine selbstbewusste Frau geworden. „Heute habe ich mich damit abgefunden, dass ich anders aussehe“, sagt die 23-Jährige. „Als Kind dachte ich, ich sehe normal aus und alle anderen nicht. „Mittlerweile vergesse ich die Flecken sogar zwischendurch.“ Ihre Mutter habe damals alles dafür getan, dass ihre Tochter ohne Selbstzweifel heranwächst.

„Sie hat meine Puppen mit weißen Flecken angemalt und meine Weißflecken mit Blumen bemalt“, erinnert sich Saß. Dort, wo früher die Blumenzeichnungen ihrer Mutter waren, trägt sie heute Tattoos: Blumen, Anker und Schriftzüge aus schwarzer Tinte. Saß fühlt sich wohl in ihrer Haut. „Meine Haut hat eben drei Farben – die weißen Flecken, die schwarze Tinte und die braune Haut.“

Von RND/Josina Kelz