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ARCHIV - In der Nähe des Alexanderplatzes wurde eine Frau beim Einparken von einem Streifenwagen gerammt und erlag ihren Verletzungen.

Alkoholisierter Polizist verursacht tödlichen Crash – Beamter außer Dienst

Eine junge Frau wird beim Einparken von einem Polizeiwagen gerammt und stirbt. Vermutlich war der Fahrer alkoholisiert. Doch das will am Unfallort niemand gemerkt haben.

Mehr als ein Jahr nach dem tödlichen Crash, der von einem mutmaßlich alkoholisierten Berliner Polizisten verursacht worden sein soll, haben Polizei und Staatsanwaltschaft eine lückenlose Aufklärung angekündigt. Auch Innensenator Andreas Geisel SPD) betonte, „etwaige Versäumnisse“ würden aufgearbeitet. Laut Polizei wurde dem Verdächtigen inzwischen verboten, zum Dienst zu kommen.

Eine 21-Jährige war von dem Polizeiauto mit Blaulicht Ende Januar 2018 beim Einparken nahe dem Alexanderplatz gerammt worden. Laut Staatsanwaltschaft knallte der Dienstwagen mit etwa 90 Kilometern pro Stunde in das Auto der jungen Frau und verletzte sie tödlich.

Alkoholisierung vertuscht?

Der Verdacht kam auf, die mutmaßliche Alkoholisierung des Polizisten am Steuer sei vertuscht worden. Der Vorwurf wurde erst Monate nach dem Unfall bekannt. Am Unfallort wurde kein Alkoholcheck gemacht, erst später wurden im Krankenhaus rund ein Promille festgestellt. Die Krankenhausakte des verletzten Polizisten war nach zunächst anonymnen Hinweisen auf die Blutprobe beschlagnahmt worden.

Die Eltern der jungen Frau hatten in Medienberichten von einem „Ehrenkodex bei der Polizei“ gesprochen, ihr Anwalt von einem „furchtbaren Justizskandal“. Gegen den Polizisten wurde zunächst wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, inzwischen auch wegen Trunkenheit am Steuer. Eine Anklage gibt es bislang nicht.

Hier lesen: Tödlicher Unfall mit Streifenwagen: Polizist soll betrunken gewesen sein

Im Ausschuss drückten Innensenator Geisel, der Leiter der Staatsanwaltschaft, Jörg Raupach, sowie Polizeipräsidentin Barbara Slowik den Angehörigen des Opfers ihr tiefes Mitgefühl aus.

Blutprobe möglicherweise wertlos

Oberstaatsanwalt Raupach sagte, jetzt werde geprüft, wer wann von der möglichen Alkoholisierung wusste. Zugleich wurden Zweifel deutlich, ob die Blutprobe aus der Charité verwertbar ist. Das werde jetzt ebenfalls geprüft. „Juristen sagen, das ist nicht ganz einfach“, so Raupach. Zu dem Beifahrer in dem Polizeiwagen äußerte sich der Ermittler nicht. Das gehöre zu den Ermittlungen.

Laut Polizeipräsidentin läuft neben den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ein Disziplinarverfahren gegen den Beamten. Die polizeilichen Ermittlungen werden jetzt vom Landeskriminalamt geführt, also von fremden Beamten. Sie habe allen Polizisten empfohlen, bei schweren Unfällen freiwillig einen Atemalkoholtest zu machen, „um jedem Verdacht vorzubeugen“, sagte Slowik.

Beamte sahen keinen Anlass Fahrtauglichkeit zu prüfen

Nach Angaben der Polizei kann bei schweren Unfällen mit Beamten die Fahrtauglichkeit nur bei einem konkreten Verdacht überprüft werden. Den sah in diesem Fall wohl niemand.

Der Innensenator betonte, Polizisten hätten eine besondere Verantwortung, es sei bedauerlich, wenn nur der Schatten eines Zweifels auf sie falle. Und: „Alkohol im Dienst ist absolut tabu.“

Die Grünen-Fraktion hatte einen umfangreichen Fragenkatalog vorgelegt. Abgeordneter Benedikt Lux hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt, Opfer und Angehörige müssten durch die Polizei bestmöglich geschützt werden, erst recht, wenn ein Beamter tatverdächtig sei.

Von RND/dpa