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Polnische Kirchenvertreter gaben bekannt, dass in dem katholisch geprägten Land seit 1990 insgesamt 382 Geistliche als Täter sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen registriert wurden.

Polnische Bischöfe legen Zahlen zu Missbrauch Minderjähriger vor

382 Geistliche wurden seit 1990 in Polen als Täter sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen registriert. Dieses Ergebnis wurde am Donnerstag bei Polens Bischofskonferenz bekannt gegeben.

Polens Bischofskonferenz hat am Donnerstag Bilanz zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger in der Kirche gezogen. Seit 1990 seien in dem katholisch geprägten Land 382 Geistliche als Täter registriert worden, teilten die Kirchenvertreter mit. Die Daten wurden demnach landesweit in Diözesen und Orden gesammelt und vom Institut für Statistik der katholischen Kirche ausgewertet. Die Missbrauchsfälle wurden 1990 bis Mitte vergangenen Jahres registriert, wie es hieß. Die Bilanz folgt nur wenige Wochen auf den Anti-Missbrauchs-Gipfel von Papst Franziskus im Vatikan.

Nach Angaben von Polens Bischofskonferenz verging sich die Mehrheit der geistlichen Täter (198) an Kindern unter 15 Jahren. 184 der Geistlichen hätten Minderjährige über 15 Jahren missbraucht. Die Zahl der registrierten Opfer belief sich demnach auf 650, die Mehrheit davon waren jünger als 15 Jahre (345). Bei den gemeldeten Fällen wurde zudem mit 58,4 Prozent ein größerer Anteil von Jungen unter den Opfern festgestellt.

Immer wieder Missbrauchsvorwürfe innerhalb katholischer Kirchen Polens

Der Primas der katholischen Kirche und Gnesener Erzbischof Wojciech Polak drückte „Schmerz, Scham und Schuldgefühl“ darüber aus, dass es zu solchen Taten gekommen sei. Vertreter von Opfervereinigungen kritisierten jedoch, die Geistlichen würden weiterhin von der Kirche geschützt. Sie bemängelten fehlende Informationen zur Verantwortung der Bischöfe, die Missbrauchsfälle vertuscht hätten und verlangten Auskunft darüber, ob die Daten der Täter der Polizei übermittelt würden. Auch zu möglichen Entschädigungszahlungen äußere die Kirche sich nicht, wurde kritisiert.

In dem zu 90 Prozent von Katholiken bewohnten Land wird immer wieder über Missbrauchsvorwürfe gegen Priester berichtet, eine umfassende Aufarbeitung von Seiten der Kirche gab es bislang nicht.

Von RND/dpa