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Gegen das Ehepaar wurde Haftbefehl wegen Missbrauchs erlassen.

Haftbefehl: Ehepaar soll Kinder aus Wohngruppe missbraucht haben

Missbrauchsfall im Raum Gifhorn: Ein Ehepaar steht in Verdacht, sich als Betreuer über Jahre an vier weiblichen Mitgliedern einer Wohngruppe für Hilfebedürftige vergangen zu haben.

Ein Ehepaar aus dem Raum Gifhorn, das seit 25 Jahren eine Wohngruppe für hilfsbedürftige Menschen betreut hat, befindet sich in Haft. Die Hildesheimer Staatsanwaltschaft wirft dem Paar vor, über einen Zeitraum von mehreren Jahren – von 1998 bis 2007 – vier weibliche Mitglieder der Wohngruppe sexuell missbraucht und misshandelt zu haben.

„Als Haupttäter gilt der beschuldigte Ehemann“, so Oberstaatsanwalt Christian Gottfriedsen, Sprecher der Hildesheimer Staatsanwaltschaft. Seiner Frau werde zur Last gelegt, sich in einem Fall an den Misshandlungen beteiligt zu haben und in vier Fällen gegen Misshandlungen – begangen durch den Mann – nichts unternommen zu haben.

Haftbefehl gegen Paar erlassen

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft habe der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Hildesheim am Donnerstag Haftbefehle gegen das Paar erlassen. Gegen den Ehemann bestehe der dringende Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Kindern in elf Fällen – in einem Fall tateinheitlich mit Misshandlung von Schutzbefohlenen – sowie in weiteren vier Fällen der Verdacht der Misshandlung von Schutzbefohlenen, erläutert Gottfriedsen. Die Opfer seien bei Begehung der Taten überwiegend noch im Kindesalter gewesen.

Gegen die Ehefrau erging Haftbefehl wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in fünf Fällen. „Im Hinblick auf die zu erwartenden Verurteilungen zu langjährigen Freiheitsstrafen besteht der Haftgrund der Fluchtgefahr“, begründet der Sprecher der Hildesheimer Staatsanwaltschaft.

Frau, die in Wohngruppe lebte, erstattete Strafanzeige

Die Ermittlungen der Gifhorner Polizei starteten im Januar 2019, nachdem eine Frau, die früher in der Wohngruppe lebte, Strafanzeige erstatte. „Bei mehreren Hausdurchsuchungen wurde Beweismaterial gefunden, das den Tatverdacht untermauerte. Unter anderem handelte es sich um umfangreiche Dokumente sowie Datenträger mit einem Gesamtvolumen von mehr als 90 Terabyte“, erläutert Gottfriedsen.

Die vollständige Auswertung der Beweismittel werde mehrere Monate in Anspruch nehmen. Hierbei werde die 14-köpfige Ermittlungsgruppe der Polizeiinspektion Gifhorn durch 16 Beamtinnen und Beamten aus verschiedenen Dienststellen der Polizeidirektion Braunschweig unterstützt. Die Arbeit der Ermittler konzentrierten sich auch darauf, alle früheren Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngruppe festzustellen und als Zeugen zu vernehmen. „Es ist nicht auszuschließen, dass Hinweise auf weitere Straftaten der Beschuldigten zutage gefördert werden“, erklärt der Leitende Oberstaatsanwalt.

Von Uwe Stadtlich/WAZ/RND