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Streit um Bewertungen auf der Ärzte-Plattform Jameda: Ein Kieler Zahnarzt klagt.

Wegen gelöschter Bewertungen: Kieler Zahnarzt klagt gegen Jameda

Streit um die Online-Ärzte-Bewertungsplattform Jameda: Ein Kieler Zahnarzt hatte vor etwa einem Jahr seine Bezahlmitgliedschaft gekündigt. Kurz darauf seien 20 Prozent der positiven Bewertungen über seine Praxis gelöscht worden.

Ein Zahnarzt aus Kiel streitet sich vor dem Landgericht München mit Jameda. Der Arzt hatte vor etwa einem Jahr seine Bezahlmitgliedschaft bei der Ärzte-Bewertungsplattform gekündigt. Kurz darauf seien 20 Prozent der positiven Bewertungen über seine Praxis gelöscht worden. „Das lasse ich mir nicht gefallen“, sagt André von Peschke. Er vermutet einen Zusammenhang mit seinem Entschluss, sein Gold-Profil bei Jameda abzumelden. Der Zahnarzt möchte, dass die positiven Rezensionen seiner Patienten wieder online gestellt werden.

Das Münchener Unternehmen spricht dagegen von einem „nachweislich manipulierten Bewertungsverlauf“. Jameda habe zehn Rezensionen gelöscht, nachdem ihr Algorithmus daran Auffälligkeiten festgestellt habe und ein SMS-Prüfverfahren in Gang gesetzt wurde. „Das leiten wir ein, wenn wir den Verdacht haben, dass es sich um gefälschte Bewertungen von Agenturen oder dem Arzt selbst handelt“, sagt Jameda-Sprecherin Kathrin Kirchler.

Fake-Bewertung oder echte Bewertung bei Jameda?

Der Verfasser der Rezension bekomme dann per Mail einen Link, müsse seine Handy-Nummer eintragen und erhalte einen Code per SMS, den er online eingeben soll. Passiert das nicht innerhalb von drei Wochen, geht das Unternehmen davon aus, dass es sich nicht um einen echten Patienten handelt und entfernt den Eintrag.

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Dieses Prozedere laufe bei auffälligen Bewertungen immer so ab – das habe nichts damit zu tun, ob ein Arzt zahlender Kunde sei oder nicht. Wer auf Jameda nicht nur ein Profil mit den grundsätzlichen Daten zur Praxis haben möchte, sondern die Patienten ausführlicher informieren will, der kann kostenpflichtige Pakete buchen.

Welche Kriterien gibt es für Bewertungen bei Jameda?

Im Fall des Kieler Zahnarztes ist die Prüfung laut Kirchler schon zwei Wochen vor dessen Kündigung eingeleitet worden. Weil die Frist für die SMS-Bestätigung eine Woche danach ablief, seien die Bewertungen zu diesem Zeitpunkt gelöscht worden. Für André von Peschke ist diese Argumentation nicht nachvollziehbar.

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„Darunter waren Bewertungen, die schon anderthalb Jahre lang online waren. Wo sollen da plötzlich technische Auffälligkeiten herkommen?“, fragt er. Zudem beklagt der Zahnarzt aus Kiel, dass die Plattform nicht offenlege, nach welchen Kriterien sie die Bewertungen überprüft habe. „Die sagen, der Algorithmus ist ein Geschäftsgeheimnis. Das ist wie eine Blackbox.“

Kirchler erklärt, dass es nicht ungewöhnlich sei, dass Beurteilungen manchmal länger online sind, bevor sie ins Visier geraten. „Das hängt damit zusammen, dass eine einzelne Bewertung nicht immer direkt auffällig ist, sondern erst durch weitere Fake-Bewertungen gewisse Muster auftreten, die auffällig sind.“

Urteil soll am 16. April 2019 verkündet werden

Im vergangenen Jahr mahnte Jameda bereits 18 Ärzte wegen wiederholten Manipulationsversuchen ab. „Wir sind zuversichtlich, dass das Gericht die Klage des Zahnarztes abweist und damit die rechtmäßige Löschung der zehn manipulierten Bewertungen durch Jameda bestätigt“, sagt Geschäftsführer Florian Weiß.

Anders als bei strittigen Negativurteilen auf der Plattform, die ein Arzt melden kann, wenn sie aus seiner Sicht den den Tatsachen entsprechen, liegt hier die Beweislast wohl nicht bei Jameda. Vielmehr soll der Zahnarzt vor Gericht die Echtheit der Bewertungen nachweisen. „Das geht ja gar nicht“, sagt von Peschke. Die Rezensionen seien schließlich anonym verfasst worden und er habe keinen Ansatzpunkt herauszufinden, wer sie von seinen Patienten damals verfasst habe. Ein Urteil soll am 16. April verkündet werden.

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Von Anne Holbach/KN