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„Schwani“ in seinem Zuhause in Ketzin.

Familie pflegt Schwan gesund – nach zwei Jahren kehrt er zurück

Mehr wie ein Hund als ein Schwan ist „Schwani“: Der verletzte Vogel wurde von einem Brandenburger gesund gepflegt und kam nach seiner Auswilderung zurück zu der Familie, die ihn schon ins Herz geschlossen hatte. Damit nicht genug: Das Tier hielt noch eine süße Überraschung bereit.

Einen richtigen Namen hat er nicht. „Wir nennen ihn nur ’Schwani’“, sagt Thomas Witkowski. Dabei gehört der Schwan schon fast zur Familie. Auf dem Grundstück der Familie im brandenburgischen Ketzin/Havel und in der unmittelbaren Umgebung lebt das Tier nun schon mehr als drei Jahre, mit kleinen Unterbrechungen.

Er sitzt mit am Lagerfeuer, er wartet auf Futter, wenn gegrillt wird. „Mich freut es, über einen so langen Zeitraum diese Erfahrungen im Umgang mit dem Schwan gemacht zu haben“, erklärt Thomas Witkowski. Per Zufall wurde er zum Lebensretter des Tieres.

2015 tauchte der Schwan erstmals auf

Im Winter 2015 tauchte der weiße Vogel plötzlich auf dem Grundstück in Brückenkopf auf. „Er sah nicht sehr gut aus, war am Flügel verletzt und saß halb verhungert auf dem Eis unseres Teiches“, erinnert sich Witkowski.

Weil er nicht wusste, was er mit dem Schwan angefangen sollte, rief er die Feuerwehr und die Tierrettung an und war verwundert über die Antworten, die er erhielt. „Es kam keine Hilfe, sondern nur die Aussagen, dass es der Population der Schwäne nicht schaden würde, wenn der eine stirbt.“

Löcher ins Eis gesägt, um Schwan zu helfen

Doch das wollte Thomas Witkowski nicht zulassen. Es begann eine Rettungsaktion der besonderen Art: Mit einer Kettensäge schnitt er Löcher ins Eis des Teiches, so dass der Schwan trinken konnte. Und er sorgte für ausreichend Futter.

„Zuerst haben wir es mit Salaten versucht, aber da wollte er nicht so richtig ran. Dann gab es Vollkornbrot, Cornflakes und vor allem gekochte Kartoffeln“, erzählt Witkowski. Mit dem Ergebnis, dass das Tier sich schnell erholte und immer zutraulicher wurde. „Schwani“ verließ das Grundstück nicht mehr.

Die Nächte verbrachte er auf dem Teich. Wenn Thomas Witkowski zur Arbeit fuhr, wartete der Schwan auf dem Parkplatz auf ihn. „Er benahm sich eher wie ein Hund“, so der Ketziner.

In der Brutzeit kamen „Schwanis“ Artgenossen

Seine Kinder Loris (heute 17) und Shari (heute 19) kümmerten sich auch um den Vogel, es entstand eine Bindung zu dem Tier. Der Schwan klopfte morgens mit seinem Schnabel gegen die Haustür und forderte sein Futter. „Wenn wir abends im Garten saßen, war der Schwan immer dabei. Waren wir im Haus, saß er vor dem Fenster“, so Witkowski.

Spannend wurde es zur Brutzeit der Schwäne, weil „Schwani“ von anderen Artgenossen oft gejagt wurde. Die Familienmitglieder schützten den Hausschwan vor Revierkämpfen, da er ja immer noch einen verletzten Flügel hatte.

„Schwani“ fordert sein Futter ein

Zur Freude von Thomas Witkowski erklärten sich 2016 Tierärzte aus Nauen bereit, den Flügel kostenlos zu operieren. „Irgendwann wurde der Schwan von der Tierrettung abgeholt und nach Nauen gebracht. Die hatten mir versprochen, ihn nach der OP wieder in der Nähe auszusetzen. Doch das geschah nicht.“

Nachdem „Schwani“ mehr als ein halbes Jahr in einem Wildtiergehege bei Nauen untergebracht und die Verletzung auskuriert war, wurde er an der Havel, aber nicht in Ketzin, ausgewildert. Das Kapitel „Hausschwan“ schien für die Familie Witkowski erledigt.

„Schwani“ kommt zurück

Doch im Frühjahr 2018 fand „Schwani“ zurück auf das Grundstück in Brückenkopf. „Seit diesem Tag ist er regelmäßig bei uns“, berichtet Witkowski. Und nicht nur das: In unmittelbarer Nähe des Grundstückes hatte der Schwan ein Nest, in dem Nachkommen geboren wurden. „Ich dachte eigentlich, dass er ein Männchen ist, weil er einen Höcker auf dem Schnabel hat. Aber das ist auch egal“, freut sich der Ketziner.

Inzwischen kommt „Schwani“ immer mal wieder zum Teich der Familie, er sitzt auf dem Rasen und beobachtet, was passiert. „Vermutlich hat er keine Angst, weil er uns kennt. Allerdings ist er ein stattliches, gesundes Tier, das seinen natürlichen Lebensraum braucht. Deshalb wird er vielleicht bald weiterziehen“, denkt Thomas Witkowski.

Von Jens Wegener/MAZ/RND