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Besuch im Heiligen Haus in Loreto: Papst Franziskus betet am Montag während einer Messe in der Basilika vom Heiligen Haus. Dort kam es zu der Szene, die wirkt, als habe er Gläubigen den Ringkuss verweigert.

Papst zieht Hand zurück, als Gläubige seinen Ring küssen wollen

Ein Video von Papst Franziskus irritiert Kritiker und Anhänger: Darin zieht der Papst wiederholt seine Hand zurück, als Gläubige seinen Ring zu küssen versuchen. Ein Bruch mit kirchlichen Traditionen? Oder eine konditionelle Frage? Urteilen Sie selbst.

Ein irritierendes Video von Papst Franziskus beschäftigt Anhänger und Kritiker des Oberhaupts der Katholischen Kirche. Der 57-sekündige Film zeigt den Papst beim Besuch eines katholischen Schreins in der italienischen Stadt Loreto. Gläubige, Nonnen und Priester warten in einer langen Schlange darauf, dem Papst die Hand zu geben oder den Ring an seinem Finger zu küssen. Immer wieder zieht Franziskus dabei seine Hand zurück – offensichtlich, um den Kuss zu verhindern.

Das Video zieht derzeit Kreise im Netz. Traditionalisten werfen dem Papst vor, die Nähe zu den Gläubigen selektiv zu verweigern und kirchliche Traditionen auszuhöhlen. Die konservative katholische Website LifeSiteNews bezeichnete die Szene als „verstörend“ und erinnerte an die lange Tradition und Bedeutung päpstlicher Ringe als wichtige Insignien des Glaubens.

„Franziskus – wenn du nicht der Stellvertreter Christi sein möchtest, dann lass es sein“, schrieb auch Rorate Caeli, eine Webseite von katholischen Traditionalisten. „Diese Leute wollen nicht Jorge Mario Bergoglio küssen, es geht nicht um ihn und seine Person, wie er zu glauben scheint. Sie wollen Petrus küssen, den Stellvertreter Christi. Es ist ungeheuerlich, ihnen das zu verweigern.“ Franziskus gilt als progressiver Papst, der erzkonservative Gläubige gelegentlich verstört. Die Szene ist Wasser auf ihre Mühlen.

„Er ist schließlich kein römischer Kaiser“

Andere verteidigen sein Verhalten. „Er stellt nur sicher, dass die Gläubigen sich wirklich mit ihm beschäftigen und ihn nicht behandeln wie eine heilige Reliquie“, twitterte etwa Papst-Biograf Austen Ivereigh. „Er ist schließlich der Stellvertreter Christi und kein römischer Kaiser.“ Ähnlich äußerte sich auch Russell Pollitt, ein Jesuitenpriester, bei Twitter: „Das Küssen des Rings hat nichts mit kirchlichen Traditionen zu tun. Es ist ein monarchistischer Import. Viel von dem Pomp rund um Bischöfe gehört abgeschafft.“

Der kurze Clip, der im Netz die Runde macht, ist freilich nur ein 53-sekündiger Ausschnitt aus einem 13 Minuten langen Video. Der Papst lässt sich darin von mindestens 41 Personen den Ring symbolisch oder tatsächlich küssen. Die BBC spekuliert, dass der Papst gegen Ende der Prozedur schlicht das Tempo der Begegnungen erhöhen wollte. Es könne keine Rede davon sein, dass er den Gläubigen routinemäßig den Kuss verweigere.

„Manchmal mag er es, manchmal nicht“

Der Vatikan äußerte sich auf Anfrage des britischen „Guardian“ nicht offiziell zu dem Video. „Manchmal mag er es, manchmal nicht“, sagte ein anonymer „päpstlicher Helfer“ dem Blatt – „so einfach ist das.“ Teilnehmer von Papstaudienzen erinnerten daran, dass auch Papst Benedikt XVI. und Papst Johannes Paul II. nicht gerne ihren Ring küssen ließen. Bei Twitter berichtete ein Papstbesucher, ihm sei vor einer Audienz mit 50 Teilnehmern eigens mitgeteilt worden, dass man bitte nicht vor dem Papst knien oder seine Hand küssen möge.

Beim Heiligen Haus in Loreto handelt es sich im Glauben mancher Katholiken um das Haus der Mutter Jesu, das Engel aus dem Heiligen Land an die Adriaküste gebracht haben. Der Papst wählte den Wallfahrtsort aus, um ein zusammenfassendes Schreiben zur Jugendsynode im letzten Oktober zu unterzeichnen.

Von RND