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Die Erzieher einer Kieler-Kita haben einen Zweijährigen bei einem Ausflug im Park vergessen. Quelle: picture alliance / PhotoAlto/Symbol

Erzieher vergessen Kind (2) bei Ausflug im Park

Trauriges Ende eines Kita-Ausflugs in Kiel: Weinend und ganz allein irrte der zweijährige Salih Kartal vergangenen Woche durch einen Park in Kiel. Seine Erzieher hatten ihn dort vergessen.

Mit sieben Kindern machten die Erzieher einer Kieler Kita einen Ausflug, mit nur sechs kehrten sie in die Einrichtung zurück: Der zweijährige Salih Kartal wurde von seinen Betreuern in einem Park vergessen.

Wie das Universitätsklinikum Kiel den „Kieler Nachrichten“ bestätigte, wurde das Fehlen des Kindes erst in der Kita bemerkt. Polizeibeamte griffen den Jungen im Schrevenpark auf und brachten ihn zu seiner Mutter. Wie die „KN“ berichten, hat die Polizei eine Verdachtsanzeige wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht geschrieben und den Fall der Staatsanwaltschaft übergeben.

Eltern beschuldigen Kita-Betreuer

Die Eltern von Salih sind entsetzt. „Erst im Kindergarten beim Wickeln war den Erziehern aufgefallen, dass unser Sohn fehlte“, berichtet Natalia Kartal (25). „Wie konnte das passieren?“, fragt sie mit tränenerstickter Stimme. Sie macht sich selbst Vorwürfe: „Ich gebe mir die Schuld, dass ich Vollzeit arbeite. Salih war ganz allein im Park, und ich war nicht da, als er mich brauchte!“

Vater Muhammed Kartal (25) ist wütend. Er kündigt an, sich einen Anwalt zu nehmen, um Strafanzeige gegen die Kita-Mitarbeiter – einen Mann und eine Frau – zu stellen und ein Berufsverbot zu erwirken.

„Es geht uns allein um die Erzieher, die haben Schuld, nicht der Kindergarten oder das Krankenhaus.“ Auch beide Eltern sind im Universitätsklinikum angestellt. Sie ist in der Ausbildung zur Krankenschwester, er arbeitet als medizinisch-technischer Radiologieassistent. Ihren Sohn haben sie seit Februar 2018 in der Kita des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) untergebracht.

Kind vergessen: UKSH Kiel kann Vorfall nicht erklären

Das Klinikum hat nach Auskunft von UKSH-Sprecher Oliver Grieve „aufgrund des Verstoßes gegen die Aufsichtspflicht nach Anhörung des verantwortlichen Fachpersonals die erforderlichen Maßnahmen umgehend ergriffen“.

Die „verantwortlichen pädagogischen Kräfte“ sind laut Grieve im mittleren Alter und verfügen jeweils über mehrjährige Berufserfahrung. Ob sie inzwischen freigestellt wurden, wollte der UKSH-Sprecher nicht bestätigen. Auch liefert er keine Erklärung, wie es passieren konnte, dass zwei Kita-Mitarbeiter eines von nur sieben Kindern schlichtweg vergessen haben. „Das ist nicht erklärbar“, kommentiert Grieve. Der Vater sagt kopfschüttelnd: „Man muss doch die Kinder abzählen.“

Namensschild in der Regenhose gab der Polizei den Hinweis

Die Mutter ist noch immer aufgebracht, wenn sie von dem Vormittag berichtet: Sie hatte sich krankgemeldet und war nach Hause gegangen, als die Polizei um 11.30 Uhr an ihrer Haustür in einem Gaardener Wohnblock klingelte.

„Sie übergaben mir meinen Sohn, er weinte und zitterte am ganzen Körper. Das Einzige, was er sagen konnte, war: ,Aua, Mama!`“, berichtet Natalia Kartal.

Die Leitstelle der Polizei Kiel war eine gute halbe Stunde zuvor von einer Frau informiert worden, dass ein kleiner Junge weinend im Schrevenpark herumläuft. Vergeblich hatte sie nach Angehörigen oder einer Kita-Gruppe gesucht. In der Regenhose des Kindes entdeckten die Polizeibeamten ein Namensschild und konnten so Eltern und Adresse ermitteln.

„Er hätte in den Teich fallen können“

„Zum Glück stand sein Vor- und Nachname in der Regenhose, und zum Glück war ich zu Hause“, meint die Mutter. Sie befürchtet, dass der Vorfall sonst vertuscht worden wäre: „Hätte man mir berichtet, dass mein Kind verschwunden war, wenn die Polizei den Jungen in die Kita gebracht hätte?“

Die Eltern machen sich ohnehin viele Gedanken darüber, was alles hätte passieren können: „Ein Perverser hätte ihn mitnehmen können“, überlegt Muhammed Kartal. „Oder er hätte in den Teich fallen können.“ Dieser Fall sei nicht so abwegig, findet er. Denn gerade bekam er einen Anruf von Serdar Topaloglu. Dessen Sohn Umut-Can war im Dezember während eines Kita-Ausflugs in einen Teich gefallen und musste reanimiert werden. „Er sagt, dieses ist schon der zweite Fall innerhalb eines halben Jahres, dass Erzieher ein Kleinkind verlieren.“

Von RND/KN

Die Erzieher einer Kieler-Kita haben einen Zweijährigen bei einem Ausflug im Park vergessen.