Aktuell
Home | Nachrichten | Panorama | Plädoyers im Fall Högel: Mindestens 70 Patientenmorde erwiesen
Der wegen Mordes an 100 Patienten angeklagte Niels Högel sitzt im Gerichtssaal. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Plädoyers im Fall Högel: Mindestens 70 Patientenmorde erwiesen

Im Fall des mutmaßlichen Patientenmörders Niels Högel werden am Donnerstag die Plädoyers gehalten – ihm werden 100 Morde vorgeworfen, 70 wurden von der Staatsanwaltschaft nun als erwiesen bezeichnet. Seine Geständnisse seien laut Staatsanwältin glaubwürdig, sie kritisierte aber seine Mitarbeit.

Im Patientenmordprozess hat die Staatsanwaltschaft in ihrem noch laufenden Plädoyer bereits 70 Morde des Ex-Pflegers Niels Högel als erwiesen bezeichnet. Insgesamt werden dem 42-Jährigen 100 Morde vorgeworfen, von denen Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann in den ersten dreieinhalb Stunden ihres Schlussvortrages am Donnerstag vor dem Landgericht Oldenburg bereits 72 Fälle einzeln bewertete. Zwei Fälle seien Högel nicht zur Last zu legen.

Högel selbst hatte in dem Prozess 43 der 100 Taten eingeräumt und 5 ausdrücklich bestritten. An die übrigen konnte er sich nach eigenen Angaben nicht erinnern. Er schloss aber nicht auch aus, diese Patienten getötet zu haben. Es wird damit gerechnet, dass am Schluss des Plädoyers, das nach der Mittagspause fortgesetzt werden soll, eine Strafforderung steht. Högel ist bereits wegen sechs Todesfällen am Klinikum Delmenhorst 2015 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Högel hat nur bedingt zu Aufklärung beigetragen

Der mutmaßliche Serienmörder und Ex-Krankenpfleger Niels Högel hat aus Sicht der Staatsanwaltschaft nur sehr bedingt dazu beigetragen, die ihm vorgeworfenen 100 Morde aufzuklären. Der Angeklagte habe sich eines Lügenmodells bedient, Vorgänge bestritten und nur mit zunehmender Beweislast nach und nach Taten eingeräumt, sagte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann. Es gebe aber keine grundsätzlichen Zweifel an der Glaubhaftigkeit der von Högel abgelegten Geständnisse.

Schiereck-Bohlmann wollte in ihrem vermutlich mehrere Stunden dauernden Plädoyer auf jeden einzelnen Fall eingehen. „Allein die Aussage „Größter Serienmörder der Geschichte“ reicht nicht aus, ihn zu verurteilen“, sagte die Oberstaatsanwältin auch mit Blick auf die Medienberichterstattung.

Högel soll Patienten zu Tode gespritzt haben

Der Deutsche muss sich seit Ende Oktober wieder vor dem Gericht verantworten. Er soll seine 34 bis 96 Jahre alten Opfer in den Jahren 2000 bis 2005 an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Das Urteil wird am 6. Juni erwartet. Dann wird eine Gesamtstrafe gebildet, die auch vorangegangene Urteile miteinbezieht.

Lesen Sie auch:

– Högel-Prozess: Experte bezweifelt Glaubwürdigkeit von Zeugen

– Fall Högel: „Es könnte weitere Täter gegeben haben“

Von RND/dpa

Der wegen Mordes an 100 Patienten angeklagte Niels Högel sitzt im Gerichtssaal.