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Der rote Teppich auf der diesjährigen Berlinale wurde aus Fischernetzen recycelt – ansehen tut man es ihm nicht. Quelle: imago images / Future Image

Kein Flugzeug und kein Fleisch: So schützen die Promis das Klima

Der „Greta-Effekt“ hat auch die deutschen Promis erreicht – immer mehr Events achten auf ihre Klimabilanz und auch die Schauspieler selbst fliegen weniger und essen vegan.

Der Wahlerfolg der Grünen, die große Teilnehmerzahl bei den Fridays-for-Future-Demos, der ­Hype um veganes Essen: Das Interesse an Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist in Deutschland seit einigen Monaten wohl so groß wie nie zuvor.

Wenig überraschend also, dass diese Entwicklung auch vor der Welt der Prominenten nicht haltmacht. Große Veranstaltungen wie die Berlinale und der Deutsche Filmpreis setzen plötzlich auf Nachhaltigkeit – und das nicht nur in Statements auf der Bühne. So gab es zum Beispiel erstmals bei den Filmfestspielen in Berlin einen roten Teppich, der aus Fischernetzen recycelt worden war. Aufmerksam machen sollte die Aktion auf die Vermüllung der Meere.

Vegane Currywurst beim Deutschen Filmpreis

Auf der After-Show-Party des Deutschen Filmpreises blieb einigen Gästen wenige Wochen später dann wohl kurz die heiß ersehnte Currywurst im Hals stecken: nicht, weil sie nicht schmeckte, sondern weil wider Erwarten die Kultbude Curry 36 nur vegane Produkte servierte. Überhaupt gab es auf der ganzen Veranstaltung bewusst keine Fleischgerichte mehr, stattdessen Gemüsehäppchen aus Petersilie und Sellerie.

Fragte man die deutschen Promis auf dem roten Teppich danach, fand es die breite Masse „toll“ – aber was hätte man auch sonst sagen sollen? Überraschend viele Veganer und Vegetarier tummeln sich seit einiger Zeit auf dem roten Teppich. Was vor einiger Zeit vielleicht noch etwas belächelt wurde, ist heute ein Statement.

„Stromberg“-Star Christoph Maria Herbst ist schon lange Vegetarier

„Ich bin seit zehn, zwölf Jahren Vegetarier“, erzählt „Stromberg“-Star Christoph Maria Herbst dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Zwischendurch habe ich mich sogar vegan ernährt, aber das war mit der vielen Reiserei schwierig.“ Realistisch sieht es Kollegin Jessica Schwarz: „Natürlich ist der Schauspielerberuf jetzt nicht der nachhaltigste“, sagte sie dem RND. Gemeint sind damit insbesondere die vielen Flugreisen zu Drehorten oder Veranstaltungen, die der Beruf mit sich bringt. Trotzdem versuche sie, „so oft wie möglich Fahrrad zu fahren und nur ausgewähltes Fleisch zu essen“.

Dieser Zwiespalt zwischen Klimaschützenwollen und -können – das geht auch anderen Schauspielern so. Florian David Fitz gab zum Beispiel zu, ausgerechnet zum nachhaltigsten Filmpreis aller Zeiten mit dem Flieger aus München angereist zu sein. Er würde sich aber gern „ein Elektroauto kaufen, wenn ich nicht in München leben würde“. Da hält es „Tatort“-Star Jan Josef Liefers deutlich strikter: Er betont, dass er innerländische Flüge vermeide und dann immer die Bahn nehme. Und Kollege Armin Rohde hat das Auto gleich ganz abgeschafft: „Wenn ich wirklich eins brauche, nehme ich einen Mietwagen.“

Am Filmset wird seit einiger Zeit umgedacht – „green productions“ ist das Stichwort

Am Filmset wird schon seit einiger Zeit umgedacht: Viele Filmemacher setzen auf „green produc­tions“, umweltschonendes Drehen. Bedeutet zum Beispiel: Bei Drehortwechseln unter 400 Kilometern wird nicht geflogen, sondern die Bahn genommen. Am Set von Til Schweiger geht das sogar noch weiter: „Es gibt die früher üblichen Plastikbecher nicht mehr, jeder hat einen festen Becher mit seinem Namen drauf, der abgespült wird. Auch auf die Holzstäbchen zum Umrühren verzichten wir.“ Privat hat der Schauspieler nun auch noch in ein umweltfreundliches Start-up investiert, „Slider Straw“: „Die stellen wiederverwertbare Strohhalme her“, sagte er dem RND.

Ob medienwirksame Zitate oder echte Überzeugung der Prominenten – das lässt sich nicht nachprüfen. Unabhängig von den Stars gehen am Freitag wieder Klimaschützer auf die Straße: Zum ersten internationalen Fridays-for-Future-Streik in Aachen werden mehr als 20 000 Teilnehmer aus 16 Ländern erwartet.

Von RND/Lena Obschinsky