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Der Angeklagte Keith Raniere während des Prozess – festgehalten mit einer Zeichnung. Quelle: AP

Er wollte Sex, Macht und Kontrolle: Selbsthilfe-Guru des Missbrauchs schuldig gesprochen

Keith Raniere hatte einst eine weibliche Anhängerschaft bis hin nach Hollywood. Von seinen Anhängerinnen verlangte er laut Anklage Unterwerfung und Sex. Das jüngste Opfer war 15 Jahre alt. Jetzt wurde der Sex-Guru verurteilt.

Der ehemalige Leiter einer Selbsthilfegruppe ist des sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen worden. Die Geschworenen eines Bundesgerichts in New York bestätigten damit am Mittwoch nach fünfstündigen Beratungen alle Anklagepunkte gegen den 58-jährigen Keith Raniere: Menschenhandel, erzwungener Geschlechtsverkehr und systematische Erniedrigung und Demütigung von Frauen.

Ranieres sogenannte Selbsthilfegruppe NXIVM hatte einmal eine internationale Gefolgschaft bis nach Hollywood. Zu ihren Anhängern gehörten die TV-Schauspielerin Allison Mack, am ehesten bekannt durch ihre Rolle als Freundin eines jungen Supermans in der Serie „Smalville“, und die Milliardärserbin Clare Bronfman. Kritiker beschrieben die Gruppe als Sekte oder Kult.

Streben nach Sex und Unterwerfung

Die Frauenverbindung, manchmal auch The Vow (Das Gelöbnis) genannt, sei geschaffen worden, „um das Streben des Angeklagten nach Sex, Macht und Kontrolle zu befriedigen“, sagte Staatsanwältin Moira Penza. Zu ihren schwerwiegenderen Beschuldigungen Ranieres gehörte, das Frauen des Geheimbundes sich mit seinen Initialen brandmarken lassen mussten und dass er mit einer seiner Anhängerinnen Sex hatte, als sie noch 15 Jahre alt war. Den Geschworenen wurden Nacktfotos von ihr gezeigt, die Raniere als Trophäe für „seine sexuelle Eroberung“ aufbewahrt habe, sagte Penza.

„Sklavinnen“ und „Herrinnen“

Raniere wurde 2018 in einem Versteck in Mexiko verhaftet. Seine „Selbsthilfegruppe“ bestand nach Angaben einer Hauptzeugin aus „Sklavinnen“ und „Herrinnen“ wie Mack und Bronfman, die beide auch angeklagt wurden und sich schuldig bekannten, bevor der Prozess gegen ihn begann. Sie machten keine Aussage.

Die Hauptzeugin aus dem inneren Zirkel und drei Opfer sagten gegen Raniere aus. Die „Herrinnen“ hätten Druck auf die „Sklavinnen“ ausgeübt, Nacktfotos und andere kompromittierendes Material von sich preiszugeben, das sie ruinieren würde, wenn es an die Öffentlichkeit käme. Sie hätten auch Treffen arrangiert, bei denen die Untergebenen Raniere „verführen“ mussten.

Raniere beteuert Unschuld

Die Verteidigung kündigte Berufung an und erklärte, alle sexuellen Handlungen seien im gegenseitigen Einverständnis erfolgt. Verteidiger Marc Agnifilo sagte, Raniere beteuere seine Unschuld. Sein Verhalten könne als „widerwärtig und beleidigend“ gesehen werden, „aber wir verurteilen Menschen in diesem Land nicht, weil sie widerwärtig und beleidigend sind“, sagte Agnifilo in seinem Schlussplädoyer.

Die Verkündung des Strafmaßes soll am 25. September erfolgen.

Von RND/dpa