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Der frühere Leiter der Lübecker Außenstelle der Opferschutzorganisation Weißer Ring steht wegen exhibitionistischer Handlung vor Gericht. Quelle: dpa

Belästigungsvorwürfe beim Weißen Ring: Prozess gegen ehemaligen Leiter beginnt

Schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Leiter des Weißen Rings in Lübeck: Bei einem Beratungsgespräch mit einer Hilfe suchenden Frau soll der Mann sich entblößt haben. Jetzt steht der 74-Jährige vor Gericht.

Detlef H., der frühere Leiter der Lübecker Außenstelle der Opferschutzorganisation Weißer Ring, muss sich von Donnerstag an vor dem Amtsgericht Lübeck verantworten. Der Vorwurf: eine exhibitionistische Handlung. Der heute 74-Jährige soll laut Anklage im April 2016 bei einem Beratungsgespräch mit einer von ihm betreuten Frau unaufgefordert sein Geschlechtsteil entblößt haben. Dabei soll er die damals 38 Jahre alte Frau aufgefordert haben, sich selbst ebenfalls zu entblößen und an ihm sexuelle Handlungen vorzunehmen. Der Angeklagte bestreitet den Vorwurf.

Das Gericht hat für den auf vier Verhandlungstage angesetzten Prozess acht Zeugen und eine Sachverständige geladen. Der Prozessbeginn hat sich nach Angaben des Gerichts verzögert, weil auf Antrag der Staatsanwaltschaft zunächst ein aussagepsychologisches Gutachten für die Hauptbelastungszeugin erstellt werden musste.

Anwalt geht von Freispruch aus

„In dem Prozess steht Aussage gegen Aussage“, sagte H.s Verteidiger Oliver Dedow. „Wir halten den Vorwurf für nicht zutreffend. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass mein Mandant freigesprochen wird“, sagte Dedow der Deutschen Presse-Agentur.

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft im September 2018 Anklage in insgesamt vier Fällen unter anderem auch wegen Körperverletzung und sexueller Nötigung erhoben. Das Gericht hatte jedoch nur die Anklage wegen der exhibitionistischen Handlung zur Verhandlung zugelassen. In den übrigen drei Fällen bestehe kein hinreichender Tatverdacht, hieß es zur Begründung. Ursprünglich hatten 29 Frauen dem pensionierten Polizisten sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

Landesverband gerät nach Vorwürfen in Krise

Diese Anschuldigungen hatten den Landesverband Schleswig-Holstein des Weißen Rings in eine Krise gestürzt. Deshalb trat der Landesvorstand zurück, im August 2018 wurde die ehemalige Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler zur neuen Vorsitzenden gewählt.

Von RND/dpa