Aktuell
Home | Nachrichten | Panorama | Bestsellerautor schreibt Abiprüfung über sein eigenes Buch
Abiturienten schreiben eine Abiturprüfung. Quelle: Armin Weigel/dpa

Bestsellerautor schreibt Abiprüfung über sein eigenes Buch

Weil sein Roman „Vor dem Fest“ in Hamburg Abiturlektüre war, schrieb der Autor Saša Stanišić unter falschem Namen die Deutsch-Abi-Prüfung mit – und bekam 13 Punkte.

Hamburg. Ein Autor nimmt heimlich an einer Abiturprüfung über sein eigenes Buch teil. Was klingt wie eine ausgedachte Geschichte, ist in Hamburg aber tatsächlich so passiert. Als der Schriftsteller Saša Stanišić erfuhr, dass einer seiner Romane in seiner Heimatstadt Abitur-Lektüre ist, entschied er sich kurzerhand, die Prüfung mitzuschreiben.

Stanišić’s Romane sind Bestseller

Der 41-jährige lebt in Hamburg und hat bereits einige erfolgreiche Bücher veröffentlicht. Sein Debütroman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ wurde in 31 Sprachen übersetzt. Auch „Vor dem Fest“ war ein Spiegel-Bestseller und wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. In diesem Jahr war der Roman deswegen auch Teil der Deutsch-Abi-Prüfung.

Auf Twitter erzählt der Autor seine verrückte Geschichte. „Vor dem Fest“ ist in HH Abi-Lektüre, also schrieb ich mit“ – natürlich unter einem Pseudonym.

Die Lehrer bemerkten nichts

Dass hinter dem Namen „Elisabeth von Bruck“ ein erwachsener Mann und dazu noch ein renommierter Schriftsteller steckte, fiel offenbar keinem auf. Die Arbeit wurde wie alle anderen auch von einer Lehrerin korrigiert. „Freunde! Ich hab im Deutsch-Abi 13 Punkte geholt!“, teilte der Autor auf Twitter seinen Followern mit.

Die meisten Nutzer reagierten begeistert auf die verrückte Aktion. „Das ist das vielleicht Schönste, was ich je gesehen habe!“, schrieb eine Nutzerin. „Das ist eine geniale Aktion“, meinte ein anderer. Einige fragten sich allerdings auch, wie der Autor damit unbemerkt durchkam. „Es war sehr kompliziert und hat natürlich etwas Hilfe und Orga von ’innen’ bedurft“, antwortete Saša Stanišić.

13 Punkte für die Arbeit

Sein eigenes Abitur hatte der Autor 1997 über Goethes „Novelle“ geschrieben. Damals bekam er 12 Punkte – die 13 Punkte in der Prüfung nannte er deswegen einen „neuen Highscore“. Dabei sei Goethe leichter gewesen, weil man dort die Sekundärliteratur umschreiben konnte. „Bei Stanišić gibt es die so gut wie gar nicht, also muss man richtig selber nachdenken“, bemerkte der Schriftsteller ironisch.

In „Vor dem Fest“ geht es um ein fiktives Dorf in der ehemaligen DDR, in dem sich eine Tragikomödie abspielt. In einer Teilaufgabe der Abiturprüfung mussten die Schüler ein neues Kapitel für den Roman verfassen.

Für diese Aufgabe bekam Stanišić 15 Punkte – alles andere hätte ihn nach eigener Aussage enttäuscht. „Die Lehrerin schrieb dazu: ’Fans von Stanisic wird die Gestaltung des Kapitels ein Lächeln ins Gesicht zaubern!’“, berichtete er auf Twitter.

„Super Erfahrung“

In seinen Posts lobte der Autor die Lehrerin für ihre Bewertung seiner Arbeit. „Ein großes Kompliment für sie, die eine sieben(!)seitige Bewertung der Arbeit verfasst hat.“

Von seiner zweiten Deutsch-Abiprüfung habe er vor allem zwei Dinge mitgenommen: Schmerzende Arme und die Erkenntnis, dass sein Buch kein Selbstläufer sei. Trotzdem lautet sein Fazit der verrückten Aktion: „Super Erfahrung alles in allem.“

Von RND/lzi