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Josefa Schmid ist Sängerin, Beamtin beim BAMF, Bürgermeisterin – und sucht einen Mann.

Dorf sucht Arzt – und wirbt mit lediger Bürgermeisterin

Es ist nicht so einfach auf dem Land, einen Allgemeinmediziner zu finden, der seine Praxis mitten im Nirgendwo eröffnen möchte. In Niederbayern schaltet ein Dorf nun eine spezielle Werbung – im Zentrum steht die unverheiratete Bürgermeisterin, die nicht unbekannt ist.

Kollnburg. Josefa Schmid ist 45 Jahre alt, FDP-Mitglied, arbeitet als Beamtin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, ist ehrenamtliche Bürgermeisterin von Kollnburg im Landkreis Regen – und ledig. Sie tritt gerne singend im Dirndl auf und sucht ganz offenbar einen Mann. Denn mit sich selbst wird um einen neuen Hausarzt für das niederbayerische Kollnburg geworben.

„Die Gemeinde Kollnburg in der Urlaubsregion Arberland im Landkreis Regen sucht einen/eine Hausarzt/Hausärztin. Geheimtipp: Die Bürgermeisterin ist noch unverheiratet!“, heißt es in der Anzeige, die im Deutschen Ärzteblatt erschienen ist. Und nicht irgendwer wirbt mit diesem Geheimtipp, sondern die Bürgermeisterin höchst persönlich. Der „Passauer Neuen Presse“ sagte sie, der Zusatz wurde „bewusst als hervorhebendes Instrument gewählt, um Aufmerksamkeit zu erziehen“– immerhin seien alleine in dieser Ausgabe 260 konkurrierende Stellenanzeigen zu finden.

Gemeinde erarbeitete zusammen mit dem Landratsamt eine Strategie

Erst im Juni hatte Schmid eine Pressemitteilung über die Schwierigkeiten bei der Hausarztsuche herausgegeben und dass sie mit Experten an einem Konzept arbeite. Darin hieß es auch: Bei der Akquise arbeite die Gemeinde mit dem Landratsamt an einer Strategie.

Diese Strategie scheint nun voll aufgegangen zu sein: Immerhin eines hat Josefa Schmid, die für die Freien Wähler als Bürgermeisterin kandidierte und auch für die FDP Ämter übernommen hat, so für die notwendige Aufmerksamkeit gesorgt: Durch die Medienberichte ist Kollnburg in aller Munde. Jetzt muss sich nur noch der passende Mediziner finden.

Ohnehin ist Josefa Schmid keine Unbekannte: Im Skandal um das Bremer Bamf im vergangenen Jahr stand sie als Leiterin der Einrichtung im Fokus. Sie hatte Innenminister Horst Seehofer (CSU) über Unregelmäßigkeiten durch ihre Vorgängerin informiert. In ihrer Heimat wusste man gar nicht, dass die Bürgermeisterin hauptamtlich an der Weser arbeitet. Die Beamtin wurde im Zuge des Skandals um nicht geprüfte Asylanträge der Bremer Außenstelle zurück nach Bayern versetzt.

RND/msk