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Seit Wochen brennt der Amazonas. Das hat enorme Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Quelle: Getty Images

Ein verbrannter Ameisenbär wird zum Symbol der Amazonas-Katastrophe

Blind, verbrannt und völlig erschöpft: Das Bild eines Ameisenbären entwickelt sich zum Symbol der Brand-Katastrophe im Amazonas-Regenwald. Geschossen hat es der Naturfotograf Araquém Alcântara. Er findet deutliche Worte für die Tragödie.

Brasília. „Er war verbrannt, blind, erschöpft. Doch als er mich spürte, richtete er sich auf, um sich zu verteidigen.“ So erklärt Araquém Alcântara die Entstehung seines Fotos, das seit ein paar Tagen in den sozialen Netzwerken die Runde macht.

Es zeigt einen Ameisenbären. Einen, den es nur im Amazonas gibt – dem Regenwald, der seit Wochen in Flammen steht. Alcântara hatte das Bild vor einer Woche auf Instagram und Facebook veröffentlicht. Hier wurde es seitdem rund 14.000 Mal geteilt.

In einem weiteren Instagram-Post erklärt der Fotograf die Entstehungsgeschichte: „Der Ameisenbär kroch durch die Flammen in der Nähe einer Straße, er war blind und hatte schreckliche Verbrennungen an seinem Körper.“ In einem Text, den er verschiedenen Medien zur Verfügung stellte, schreibt der Fotograf: „Der Ameisenbär ist zum Symbol geworden. Er steht für den Amazonas, der sich mit letzter Kraft zu verteidigen versucht.“

Was Alcântara nicht nannte: Das Veröffentlichungsdatum des Bildes. Wie inzwischen klar ist, war das Foto bereits 2016 auf dem Instagram-Profil des Fotografen veröffentlicht worden, sowie weitere Male 2017 und 2018.

„Ich bin voller Wut“

Alcântara ist einer der bekanntesten Naturfotografen Brasiliens. Seit Jahren dokumentiert er Natur und Tiere im Regenwald – und auch dessen Zerstörung. Auf seinem Instagram-Account postete er auch viele weitere Bilder der verheerenden Waldbrände. Auch hier ist das Aufnahmedatum unklar.

In seinem Text spricht Alcântara von einem „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. „Ich habe dort gearbeitet, wo noch niemand war, habe Bücher über den Wald und seine Menschen geschrieben, in 49 Jahren Journalismus und Fotografie unzählige Berichte veröffentlicht und die größten Auszeichnungen Brasiliens gewonnen. Jetzt bin ich voller Wut.“

„Verbrechen gegen die Menschlichkeit“

Der größte Wald der Welt sei an seine Grenzen gestoßen, so Alcântara: „Bereits jetzt lässt sich erahnen, dass er verkümmern, kein Wasser mehr produzieren wird. Das hat nicht nur schwerwiegende Folgen für das Weltklima. Brasilien erlaubt die Verwüstung des größten wissenschaftlichen Labors unserer Zivilisation, ohne es richtig zu studieren.“

Und weiter: „Warum halten wir die Zerstörung nicht auf? Warum sind wir so passiv? Warum gestatten wir den Regierungen seit Jahrzehnten, die Gier der Grundbesitzer und der großen Holzfäller, die illegale Holzkohle und den illegalen Bergbau, die das Land ausbluten, zu ignorieren?“ Was im Amazonasgebiet geschehe, sei ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

79.000 Brände

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE vom Sonntag um 82 Prozent zu.

Insgesamt wurden mehr als 79.000 Brände registriert. Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

Großer Protest in Brasilien

Umweltschützer werfen dem rechtsgerichteten Präsidenten Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hat immer wieder klar gemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet.

Zahlreiche Menschen protestierten am Sonntag gegen Bolsonaros Umweltpolitik. An einer Demonstration im Stadtteil Ipanema in der Millionenmetropole Rio de Janeiro beteiligten sich Künstler, Umweltaktivisten und Politiker. „Der Amazonas bleibt, Bolsonaro geht“, skandierten sie.

RND/msc/dpa

Korrektur: In einer ersten Version des Textes wurde die Kontroverse um das Aufnahmedatum des Bildes nicht erwähnt. Die Information wurde inzwischen aktualisiert.