Aktuell
Home | Nachrichten | Panorama | UN-Bericht: Mehr als 1,3 Millionen junge Menschen werden jährlich eingesperrt
Pro Jahr werden mindestens 1,3 Millionen Kinder mit behördlicher Zustimmung eingesperrt. Quelle: Alea Horst/SOS-Kinderdörfer wel

UN-Bericht: Mehr als 1,3 Millionen junge Menschen werden jährlich eingesperrt

Pro Jahr werden mindestens 1,3 Millionen Kinder mit behördlicher Zustimmung eingesperrt – das sagt eine UN-Erhebung. In vielen Hafteinrichtungen kommt es zu Missbrauch und Gewalt. Außerdem hat die Haft Auswirkungen auf die Entwicklung der Jugendlichen.

Berlin. Mindestens 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche werden UN-Zahlen zufolge pro Jahr mit behördlicher Zustimmung eingesperrt. Mindestens 410 000 Menschen unter 18 Jahren sitzen pro Jahr im Gefängnis, heißt es in einem kürzlich vorgestellten Bericht zur globalen Situation, den die Vereinten Nationen (UN) bei Experten in Auftrag gegeben hatten.

In vielen Hafteinrichtungen komme es häufig zu Missbrauch, Gewalt und Vernachlässigung. Zudem mangele es unter anderem an Sonnenlicht, Privatsphäre, angemessener Gesundheitsversorgung und Bildungsmöglichkeiten. Die Experten betonen in ihrem Bericht, dass ihre Zahlen sehr konservativ geschätzt seien.

Die Haft hat Folgen

„Der Schaden für die Kinder ist gewaltig. In der feindseligen Atmosphäre eines Gefängnisses schaltet ihr Gehirn auf Überleben um. Alles andere wird blockiert, sowohl die körperliche, die intellektuelle, als auch die emotionale Entwicklung“, sagte Teresa Ngigi, Psychologin bei den SOS-Kinderdörfern, laut einer Mitteilung von Sonntag.

In Deutschland gab es im Frühjahr 2017 laut Statistischem Bundesamt rund 440 Strafgefangene unter 18 Jahren. Dem UN-Bericht zufolge kommen jedes Jahr weltweit 330 000 junge Menschen im Zusammenhang mit Migration in Haft, 430 000 bis 680 000 Kinder und Jugendliche werden in Heimen oder ähnlichen Einrichtungen eingesperrt. „Viele dieser Heime funktionieren wie militärische Anstalten, in denen die Kinder wie Soldaten gedrillt werden.

Da geht es nicht mehr um Disziplin, sondern um Bestrafung. Es gibt keine Richtlinien, keine Kontrollen, die Kinder bekommen keine Liebe, haben keinerlei Mitspracherecht“, sagte Ngigi.

RND/dpa