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Ein Senior darf nach einem Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause zu seiner Familie. Doch diese möchte den dementen Mann nicht wieder bei sich aufnehmen. Quelle: imago/photothek

Dementer Senior darf aus Klinik nach Hause – eigene Familie will ihn nicht aufnehmen

Es ist eine Geschichte, die betroffen macht: Ein 81 Jahre alter Senior darf nach einem Krankenhausaufenthalt endlich wieder nach Hause zu seiner Familie. Doch diese möchte den dementen Mann nicht wieder bei sich aufnehmen.

Schwabach. Er freute sich darauf, nach einem Krankenhausaufenthalt zurück nach Hause und zu seiner Familie zu dürfen. Doch für einen 81-jährigen Demenzkranken sollte der Tag seiner Entlassung aus der Klinik in einer wahren Tortur enden.

Wie die Polizei Schwabach mitteilt, wurde der Mann zunächst mit einem Krankentransportwagen zum Haus seiner Familienangehörigen gefahren. Diese wurden im Vorfeld darüber in Kenntnis gesetzt, waren zu der angegebenen Zeit jedoch nicht anzutreffen.

Da der 81-Jährige weder eine Brieftasche noch Haustürschlüssel bei sich trug, blieb er zunächst im Transportfahrzeug. Jedoch konnte er vom Klinikum Schwabach, aus dem er zuvor entlassen wurde, nicht wieder aufgenommen werden, da keinerlei medizinischer Handlungsbedarf bestand.

Mann muss mehrere Stunden im Rettungswagen verbringen

Nach einiger Zeit fuhren die Rettungskräfte des Transportfahrzeugs die angegebene Wohnadresse ein weiteres Mal an, doch erneut standen die Krankenhausmitarbeiter und der Senior vor verschlossenen Türen. Auch telefonisch war es nicht möglich, die Angehörigen zu erreichen. Schließlich wusste sich die Besatzung des Krankenwagens nicht anders zu helfen, als bei der örtlichen Polizeidirektion um Hilfe zu bitten.

Doch auch die Polizeibeamten konnten unter der Wohnadresse keinen Angehörigen antreffen. Nachbarn teilten den Einsatzkräften schließlich mit, die Familie sei weggefahren; der Demenzkranke musste inzwischen mehrere Stunden im Rettungswagen verbringen.

Familie meldet sich nach vier Stunden

In Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus suchten die Polizisten schließlich nach einer Möglichkeit, den Senior zumindest vorerst für eine Nacht irgendwo unterzubringen. Erst nach rund vier Stunden meldeten sich schließlich die Angehörigen des Mannes.

Gegenüber der Polizei machten diese deutlich, dass sie den 81-Jährigen nicht wieder, wenn auch nur vorübergehend, bei sich aufnehmen wollten. Eine Übergabe des Mannes an seine Familie konnte erst nach langem Hin und Her sowie einer eindringlichen Belehrung im Beisein der Polizei im Krankenhaus Schwabach erfolgen, berichtet die Polizei.

RND/liz