Donnerstag , 14. November 2019
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Ein Mitarbeiter der Kölner Polizei streamt die Pressekonferenz zum Missbrauchsfall in Bergisch Gladbach. Quelle: Marius Becker/dpa

Weitere Täter im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach wohl noch aktiv

Der Fall sorgt seit Tagen für Entsetzen: Mehrere Männer sollen ihre eigenen Kinder missbraucht haben. Mindestens zwei der Verdächtigen sollen die Opfer untereinander getauscht haben. Die Polizei vermutet, dass noch unbekannte Täter unvermindert weitermachen.

Köln/Bergisch Gladbach. Der Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach zieht immer weitere Kreise: Die Polizei befürchtet, dass noch unbekannte Täter nach wie vor aktiv sind. Mehr als 150 Ermittler arbeiten mit Hochdruck an der Auswertung der sichergestellten Daten, „um schnellstmöglich noch andauernden Kindesmissbrauch zu unterbinden“, wie die federführende Kölner Polizei am Freitag erklärte.

Die Dimension des Falls ist demnach noch nicht abzuschätzen. Aber es sei zu erwarten, dass die Ermittlungen sich auf andere Bundesländer und möglicherweise bis ins Ausland ausweiten. Deshalb sollten am Freitag das Bundeskriminalamt (BKA) und alle Landeskriminalämter (LKA) in Telefonkonferenzen auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Bisher sechs Männer festgenommen

Bisher sind sechs Männer festgenommen worden. Die bislang bekannten neun Opfer sind zwischen unter einem und zehn Jahren alt – es handelt sich um überwiegend um Kinder oder Stiefkinder der Verdächtigen. Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob hatte am Mittwoch gesagt, dass es wahrscheinlich noch mehr Opfer und Täter gebe. Denn die Verdächtigen hätten in Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern kinderpornografische Fotos ausgetauscht.

Mehrere der Festgenommenen sollen auch ihre Opfer untereinander getauscht haben. Es gebe „sehr deutliche Hinweise“ darauf, „dass sich mindestens zwei der beschuldigten Männer die eigenen Kinder gegenseitig zugeführt haben“, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dem „Spiegel“. Nach einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ geht dies aus der Aussage eines Verdächtigen aus Krefeld hervor.

Sichtung für Ermittler psychisch belastend

Ausgangspunkt für die umfangreichen Ermittlungen waren große Datenmengen mit kinderpornografischem Inhalt, die Ende Oktober bei der Durchsuchung einer Wohnung in Bergisch Gladbach gefunden wurden. Die Bilder auf dem Smartphone des Familienvaters zeigen laut Polizei schweren sexuellen Missbrauch. Durch Auswertung seines Handys kamen die Ermittler fünf weiteren Verdächtigen auf die Spur, vier stammen aus NRW, einer aus dem Raum Wiesbaden.

Die mittlerweile sichergestellten riesigen Datenmengen werden nun zentral im Düsseldorfer LKA eingelesen. Eine spezielle Software prüft sie auf strafbaren Inhalt und gleicht etwa Bilder miteinander ab, wie ein Sprecher des Innenministeriums erläuterte. Die vorsortierten Daten würden dann den ermittelnden Polizeibehörden zur Verfügung gestellt.

Die Sichtung der schrecklichen Fotos und Videos sei auch für die Ermittler psychisch sehr belastend. Deshalb hat die Kölner Polizei eine spezielle Betreuungsstelle für sie eingerichtet.

Weiterer Missbrauchsfall in Essen

Auf einen der mutmaßlichen Täter aus dem Großraum Wesel soll es nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ schon vor einigen Monaten Hinweise gegeben haben. Entsprechende Akten habe die Polizei der Staatsanwaltschaft Kleve bereits am 10. Juni übergeben, festgenommen wurde der Soldat aber erst am 25. Oktober. Eine Hausdurchsuchung habe es in der Zwischenzeit bei dem Verdächtigen nicht gegeben. Die Staatsanwaltschaft Kleve wollte sich am Freitag nicht dazu äußern.

Auch im Ruhrgebiet sorgt ein Fall von Kindesmissbrauch für Entsetzen, der jedoch nicht im Zusammenhang mit den anderen Taten stehen soll. Ein 47-jähriger Essener soll seine Tochter missbraucht und kinderpornografische Fotos in Internet hochgeladen haben. Via Chat soll ihm eine Bekannte aus Gelsenkirchen ihre eigene Tochter für Missbrauchshandlungen angeboten haben. Die beiden Erwachsenen wurden verhaftet.

RND/dpa

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