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Fritz von Weizsäcker wurde in Berlin erstochen. Quelle: picture alliance / dpa

Fritz von Weizsäcker bei Vortrag in Berliner Klinik erstochen

Unvermittelt greift ein Mann am Dienstagabend während eines Vortrags den Chefarzt Fritz von Weizsäcker an. Ein Zuhörer versucht noch, dazwischenzugehen – doch Weizsäcker stirbt noch am Unfallort. Der Verdächtige wird festgenommen.

Berlin. Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, ist am Dienstagabend in Berlin erstochen worden. Der Chefarzt hielt gerade einen medizinischen Vortrag in einer Berliner Privatklinik, als ein Mann aus dem Zuschauerraum auf ihn losging, wie eine Polizeisprecherin sagte. Der 59-jährige von Weizsäcker starb noch vor Ort. Der Tatverdächtige wurde festgenommen. Er sollte in der Nacht verhört werden.

Der Vorfall ereignete sich gegen 18.50 Uhr in der privaten Schlosspark-Klinik in der Nähe des Charlottenburger Schlosses. Ein Mann aus dem Zuschauerraum – es soll sich um einen Polizisten gehandelt haben, der privat dort war – soll dazwischengegangen und dabei selbst schwer verletzt worden sein. Mehrere Menschen aus dem Publikum halfen laut Polizei, den Täter festzuhalten und der Polizei zu übergeben. Zu dem Vortrag in einem Tagungsraum der Abteilung für Psychiatrie waren etwa 20 Zuschauer gekommen.

FDP-Chef Lindner bekundete Trauer auf Twitter

Eine Mordkommission nahm Ermittlungen auf. Experten untersuchten den Tatort. Notfallseelsorger waren vor Ort, um Zuschauer und Mitarbeiter der Klinik zu betreuen.

Die Polizei ermittelt laut der Polizeisprecherin in alle Richtungen. Beamte sollen demnach auch die Familie Weizsäckers dazu befragen, ob es eine Bedrohungslage gegeben haben könnte.

FDP-Chef Christian Lindner bekundete am Abend auf Twitter seine Trauer. „Mein Freund Fritz von Weizsäcker wurde heute Abend in Berlin erstochen“, schrieb er. „Ein passionierter Arzt und feiner Mensch. Neulich noch war er bei uns zu Hause zum Grillen. Ich bin fassungslos und muss meine Trauer teilen. Einmal mehr fragt man sich, in welcher Welt wir leben.“

Von Weizsäcker hatte eine lange Karriere als Mediziner hinter sich. Von 1979 bis 1987 studierte er Humanmedizin in Bonn und Heidelberg. Anschließend ging er für ein praktisches Jahr in die USA. Nach Stationen in Freiburg, Boston und Zürich war er seit 2005 Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik.

Regelmäßige Vorträge in der Klinik

In der Klinik gibt es laut Website regelmäßig Veranstaltungen, die sich in der Regel an interessierte medizinische Laien wenden, die etwas über Erkrankungen, deren Diagnose und Therapiemöglichkeiten erfahren möchten. Für Dienstagabend war von Weizsäckers Vortrag zum Thema Fettleber angesetzt („Fettleber – (K)ein Grund zur Sorge?“).

Die Klinik liegt am Schlosspark Charlottenburg. Sie hat nach Angaben auf ihrer Website rund 340 Betten. Es gibt Fachabteilungen unter anderem für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie und Innere Medizin (Gastroenterologie und Kardiologie).

Von Weizsäckers Vater Richard von Weizsäcker war von 1981 bis 1984 Regierender Bürgermeister von Berlin und von 1984 bis 1994 Bundespräsident der Bundesrepublik. Er starb am 31. Januar 2015.

RND/dpa