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In Bangkok wurden am Flughafen bereits Vorsorgen getroffen. Quelle: Getty Images

China in Sorge über mysteriöse Lungenkrankheit

Dutzende Menschen sind in China an einem neuartigen Coronavirus erkrankt, ein Mann ist nun auch gestorben – seit ein Markt geschlossen wurde, gibt es keine neuen Erkrankungen. Aber auch in anderen Ländern gibt es Verdachtsfälle.

Bereits seit Wochen hält eine mysteriöse neue Lungenkrankheit die chinesische Öffentlichkeit in Atem. Nun haben die örtlichen Behörden den ersten Todesfall bestätigt: Ein 61-jähriger Mann ist dem bösartigen Coronavirus erlegen. Gesundheitlich galt er jedoch aufgrund einer gleichzeitigen Krebserkrankung als vorbelastet.

Insgesamt 41 Ansteckungen sind in China bereits bestätigt. Seinen Ursprung hat das Virus auf einem Markt in der zentralchinesischen Stadt Wuhan gehabt: Dort wurden unter anderem Fische, Meeresfrüchte und auch Wildtiere verkauft. Bereits seit dem ­­1. Januar ist der betroffene Huanan-Markt geschlossen, fast ebenso lange wurden keine Neuansteckungen mehr festgestellt. Trotzdem zeigen sich chinesische Wissenschaftler besorgt über den neuen Virustyp. „Die Entwicklung spezifischer Medikamente und Impfstoffe gegen den neuen Erreger könnte Jahre brauchen“, zitierte das Staatsfernsehen Experten. „Das neue Coronavirus, das diese Epidemie ausgelöst hat, ist anders als die menschlichen Coronaviren, die bisher entdeckt worden sind.“

Behörden fürchten eine Pandemie wie einst mit Sars

Das Coronavirus in Ostasien weckt böse Erinnerungen, schließlich vermuten Wissenschaftler eine Verwandtschaft des Virus zu Sars. Die Sars-Pandemie aus dem Jahre 2002 gilt als schwerwiegendste ihrer Art der letzten Jahrzehnte, damals kamen mehrere Tausend Menschen innerhalb kürzester Zeit ums Leben – vor allem in China. Die staatlichen Behörden wurden damals für die Ausbreitung des Virus verantwortlich gemacht, weil sie nicht rechtzeitig ausreichende Quarantänemaßnahmen getroffen haben.

Noch deutet wenig darauf hin, dass der jüngste Virusausbruch aus dem chinesischen Wuhan ähnlich schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen könnte. „Es sind keine klaren Erkenntnisse für eine Übertragung von Mensch zu Mensch gefunden worden“, teilte die örtliche Gesundheitskommission von Wuhan mit. Unter den mehr als 700 Personen, darunter mehr als 400 medizinische Mitarbeiter, die Kontakt zu den Patienten gehabt hätten, seien keine Infektionen festgestellt worden.

Auch andere Länder haben Vorsichtsmaßnahmen eingeführt

Doch diesmal wollen die Verantwortlichen besser vorbereitet sein: Zu Beginn der großen Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar verwies die Gesundheitskommission darauf, dass sich in dieser Zeit infektiöse Krankheiten leicht verbreiten. Die Menschen sollten immer gut lüften, überfüllte Orte meiden und wenn nötig Mundschutz tragen. Wer unter Fieber oder Atemwegserkrankungen leide, solle umgehend zum Arzt gehen, hieß es weiter.

Andere asiatische Staaten haben Vorsichtsmaßnahmen bei der Einreise besonders von Reisenden aus Wuhan verstärkt und Fieberkontrollen eingeführt, um eine befürchtete Ausbreitung zu vermeiden. In Südkorea, Singapur und Hongkong gibt es bereits Verdachtsfälle. Die US-Botschaft in Peking gab eine Reisewarnung aus. Reisende nach Wuhan sollen demnach Tiermärkte und den Kontakt mit Tieren oder auch ungekochtes Fleisch meiden.

Seit mehreren Monaten wird China bereits von der Afrikanischen Schweinepest heimgesucht, es ist eine der größten Krisen der Tiergesundheit. Das Reich der Mitte gilt als größter Schweinefleischproduzent der Welt – von 770 Millionen Zuchtschweinen werden 440 Millionen in China gehalten. Die Hälfte aller Bestände musste jedoch bereits getötet werden, der Preis von Schweinefleisch hat sich in China seither de facto verdoppelt. Dass sich die Schweinepest überhaupt so stark verbreiten konnte, hängt auch mit der Intransparenz der Behörden zusammen: Lange Zeit wurde das Problem runtergespielt.

RND/Fabian Kretschmer