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Wegen sexuellem Missbrauch vor Gericht: In Lyon hat der Prozess gegen den Ex-Priester Bernard Preynat begonnen. Quelle: imago images/Hans Lucas

Missbrauchsprozess gegen Ex-Priester: “Für mich waren es Akte der Zärtlichkeit”

Der Franzose Bernard Preynat soll in den 1980er-Jahren Dutzende Kinder sexuell missbraucht haben. Nun hat in Lyon der Prozess gegen den ehemaligen Kleriker begonnen – darin trifft er auch auf zehn seiner Opfer.

Lyon. Mit einem Tag Verspätung hat am Dienstag der Prozess gegen einen ehemaligen Priester aus Lyon wegen Missbrauchsvorwürfen begonnen. Der bekannte Ex-Priester Bernard Preynat soll in den 1980er-Jahren Dutzende Kinder sexuell missbraucht haben. Dem aus dem Berlinale-Spielfilm „Grâce à Dieu“ bekannten Preynat war bereits im Sommer von einem Kirchengericht der Klerikerstatus entzogen worden. Wegen des Streiks gegen die Rentenreform war der mit Spannung erwartete Prozess auf Dienstag vertagt worden.

Der 74-jährige Preynat steht in dem Prozess zehn Opfern gegenüber, bei denen die Anschuldigungen noch nicht verjährt sind. „Ich erkannte die Schwere meiner Taten nicht, ich wusste, dass sie verboten und verwerflich waren, aber ich dachte überhaupt nicht an die Folgen dieser Taten für die Opfer“, zitierte die Zeitung „La Croix“ Preynat, der zum Auftakt aussagte. „Für mich waren es Akte der Zärtlichkeit, in denen ich eine gewisse Freude fand“, so der ehemalige Priester weiter. Er habe einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass die Taten moralisch falsch und verwerflich sind. Preynat hatte zuvor bereits einen Großteil der Taten zugegeben.

Vorwürfe gegen Ex-Priester waren lange bekannt

Der Fall ist zu einer Art Sinnbild des sexuellen Missbrauchs in der französischen Kirche geworden. Obwohl viele in der Kirche von den Vorwürfen gewusst haben sollen, war Preynat einfach immer wieder versetzt worden. Der Fall hatte auch zum Sturz des obersten katholischen Würdenträgers in Frankreich geführt. Kardinal Philippe Barbarin war im März wegen Vertuschung der Missbrauchsvorwürfe verurteilt worden und ließ sein Amt ruhen. Er hatte gegen die Entscheidung Berufung eingelegt – das Verfahren soll Ende Januar beginnen.

RND/dpa