Donnerstag , 27. Februar 2020
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Ein Sexualstraftäter durfte ins Bordell: Der Berufsverband Sexarbeit sieht den Vorgang als “Menschenexperiment von Wissenschaftlern”. (Symbolfoto) Quelle: Andreas Arnold/dpa

Sexualstraftäter durfte bei Freigang ins Bordell – Prostituierte nicht informiert

Eine Klinik in Lippstadt erlaubt psychisch kranken Straftätern Bordellausflüge – auch ein wegen versuchter Vergewaltigung verurteilter Patient war darunter. Die Prostituierten waren über die kriminelle Vergangenheit ihrer Freier nicht informiert.

Sexualstraftäter im Bordell – kann das gutgehen? Die forensische Klinik in Lippstadt erlaubt derzeit psychisch kranken Straftätern, Bordelle im Ruhrgebiet aufzusuchen. Die Visiten dienten therapeutischen Zwecken. Unter den Kandidaten, die den Ausgang bewilligt bekamen, befindet sich laut RTL.de auch ein Patient, der wegen einer einer versuchten Vergewaltigung verurteilt wurde.

Die Männer besuchten die Sexarbeiterinnen auf eigene Rechnung

Die Ausgänge der Betroffenen – innerhalb der letzten fünf Jahre wurden derartige Besuche von der Klinik vier Patienten gestattet – sind unbegleitet. Die Männer besuchten die Etablissements auf eigene Rechnung. Die Prostituierten dort wussten nach Angaben von RTL.de nichts von der kriminellen Vergangenheit ihrer Freier. Für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), den Träger der Klinik, ist dieses Vorgehen kein Problem.

Der Berufsverband Sexarbeit sieht die Sache dagegen anders. Dessen Vorstandsmitglied Susanne Bleier-Wilp spricht von einem “Menschenexperiment von Wissenschaftlern, die dazu bei den Sexarbeitenden kein Einverständnis eingeholt haben”. Die Vorgehensweise richte sich eindeutig gegen die Selbstbestimmung von Sexarbeitenden und sei unethisch.

“Eine Nummer im Puff ist keine Sexualtherapie”

“Eine Nummer im Puff ist keine Sexualtherapie, sondern kann Sexarbeitende in Gefahr bringen, wenn sie auf kriminelle Individuen treffen”, sagt Bleier-Wilp unverblümt. In Kanada wurde jüngst ein Frauenmörder vom “Hochrisiko” auf “niedrig bis mäßig gefährlich” herabgestuft und brachte bei einem Ausgang eine 22-jährige Prostituierte um.

In die Osnabrücker Psychiatrie wurde eine Prostituierte geholt, die den Patienten dort den richtigen Umgang beim Sex zeigen sollte. Mit dem Fall beschäftigt sich der niedersächsische Landtag.

RND/hal