Donnerstag , 27. Februar 2020
Aktuell
Home | Nachrichten | Panorama | Empörung in Hannover: Steuerzahler sollen Polizeischutz für Clan-Boss zahlen
Hannover: Ein Polizeifahrzeug steht vor der Medizinische Hochschule Hannover (MHH). In der MHH wird nach Auskunft vom niedersächsischen Innenministerium ein Mann vom Balkan mit Schussverletzungen behandelt, der besonderen Polizeischutz bedarf. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Empörung in Hannover: Steuerzahler sollen Polizeischutz für Clan-Boss zahlen

In Hannover wird seit einer Woche ein Mitglied der montenegrinischen Mafia behandelt. Ein großer Polizeieinsatz rund um die Klinik sorgt für Empörung, denn die Kosten für den Polizeischutz soll der Steuerzahler übernehmen. Der Bund der Steuerzahler hat jetzt einen anderen Vorschlag.

Hannover. In Hannover wird seit einer Woche das hochrangige Clan-Mitglied Igor K. wegen einer Schussverletzung behandelt. Rund um die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) sorgt ein Großaufgebot an Polizisten für große Kritik. Denn die Kosten für den Polizeischutz sollen dem Steuerzahler auferlegt werden.

Clan-Mitglied seit einer Woche in Behandlung

Igor K., Mitglied der montenegrinischen Mafia, wurde vor rund einer Woche wegen mehrerer Schussverletzungen in die Medizinische Hochschule eingeliefert, wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) berichtete. In einem Krankenhaus in Montenegro hätten Ärzte dem 35-Jährigen zwar das Leben retten, seine schweren Verletzungen aber nicht dauerhaft behandeln können. Wie der Kontakt zur deutschen MHH entstanden ist, sei noch unklar.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) gab gegenüber der HAZ bekannt, dass kein internationaler Haftbefehl gegen Igor K. vorliegt, weshalb er sich bis zu 180 Tage frei im Schengenraum aufhalten darf.

Igor K. habe „besonderes Schutzbedürfnis“

Da Igor K. Privatpatient sei, zahle er seine Behandlung aus eigener Tasche, angeblich sogar in bar, so die HAZ. Angeblich gebe es Hinweise darauf, dass das Clan-Mitglied Verwandte in Hannover hat und deshalb in die MHH gekommen ist. Die Gefährdungsbewertung des Landeskriminalamtes habe daraufhin ergeben, dass ein „ausgeprägtes, besonderes Schutzbedürfnis“ bestehe, so Innenminister Pistorius gegenüber der Zeitung. Deswegen werde das Clan-Mitglied seither von Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) beschützt.

Steuerzahler soll kosten für Polizeieinsatz tragen

Für diesen Einsatz solle laut Pistorius die Allgemeinheit aufkommen – eine Aussage, die der Bund der Steuerzahler scharf kritisiert. In einem Brief forderte der Verein am Freitag Niedersachsens Innenminister auf, zu prüfen, ob die Kosten des Einsatzes dem Patienten beziehungsweise seiner „Clan-Familie“ in Rechnung gestellt werden können. Sollte es nicht möglich sein, die Kosten umzulegen, müssten umgehend rechtliche Änderungen in die Wege geleitet werden, sagte der niedersächsische Chef des Steuerzahlerbundes, Bernhard Zentgraf. Hilfsweise sollte auch geprüft werden, ob die Klinik für die erhöhten Sicherheitskosten „ihres Privatpatienten“ herangezogen werden könne.

Die FDP kündigte außerdem eine parlamentarische Anfrage zu dem Fall an. Die Fraktion werde einen Fragenkatalog an die Landesregierung schicken, sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Jörg Bode, im Interview von Radio ffn. Die MHH sei als Universitätsklinik quasi im Verantwortungsbereich des Landes Niedersachsen. Da stelle sich die Frage, ob die Klinik einen solchen Patienten aufnehmen müsse.

RND/al/dpa