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Die Tram fährt im Bankenviertel Kirchberg in Luxemburg. Quelle: Harald Tittel/dpa

Erstes Land der Welt: In Luxemburg sind Bus und Bahn jetzt gratis – Vorbild für Deutschland?

Von diesem Samstag an ist der öffentliche Nahverkehr in Luxemburg für Fahrgäste kostenlos. Das Projekt ist Teil einer groß angelegten Verkehrswende. Könnte Deutschland das auch?

Luxemburg. Gratis fahren mit Bus, Zug und Tram: Luxemburg feiert am heutigen Samstag den Start des für Fahrgästen kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs. Im ganzen Land braucht man ab sofort keine Tickets mehr. “Es ist ein großer Tag”, sagt Luxemburgs Mobilitätsminister François Bausch (Grüne). Mit diesem Schritt wolle man Menschen dazu bewegen, vom Auto auf Busse und Bahn umzusteigen.

Luxemburg mit rund 620.000 Einwohnern ist das erste Land der Welt, in dem alle öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos sind. Bus- und Bahnlinien werden massiv ausgebaut. Allein auf der Schiene investiert Luxemburg von 2018 bis 2027 rund vier Milliarden Euro.

Luxemburg: Feiern zum Start des kostenlosen Nahverkehrs

Die Gratis-“Öffis” sind Teil eines umfassenden Konzepts zur Verkehrswende im Großherzogtum. Parallel dazu wird massiv in den Ausbau von Bus- und Bahnlinien investiert. Der kostenfreie ÖPNV bedeutet für den Luxemburger Staat Mehrausgaben von 41 Millionen Euro im Jahr.

Zur Feier des Tages gibt es reichlich Musik: Zahlreiche Mini-Konzerte in Bahnhöfen, Bussen, Zügen und der Stadtbahn in Luxemburg-Stadt sind geplant. Am Abend steigt im neuen Betriebshof der Tram auf dem Kirchberg eine Party mit DJs.

Luxemburg kann mit seiner Politik für mehr öffentlichen Nahverkehr ein Modell auch für deutsche Städte und Regionen sein. Dies sagte der Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Alexander Handschuh, der Deutschen Presse-Agentur. Dabei gehe es nicht nur um die Umstellung auf kostenloses Bus- und Bahnfahren im Großherzogtum von diesem Samstag an, sagte Handschuh. Luxemburg könne Vorbild sein, weil es mit einem Gesamtkonzept “sehr konsequent versuche, den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken”.

Luxemburg als Vorbild für Deutschland?

Das Gratis-Angebot für öffentliche Verkehrsmittel könne “sicherlich einer der Schritte” der Zukunft auch für Deutschland sein, sagte Handschuh. Allein damit sei die Verkehrswende aber noch nicht geschafft. Entscheidend sei der Umbau des Verkehrsraumes, der Ausbau der Angebote, die Verbesserung der Qualität.

“Wir brauchen einen Masterplan Verkehrswende”, forderte Handschuh. “Wir müssen weg von der autogerechten Stadt, wie wir sie in den 1960er und 1970er Jahren geplant und gebaut haben, hin zu einer Stadt, die für die Menschen und die Bürger gemacht ist – und die dann Vorrang einräumt für Radverkehr, für Fußgängerverkehr und für ÖPNV.”

Die Verkehrswende bedeute “Milliardenkosten für Deutschland – und sei ein langer Prozess. Bund, Länder und Kommunen müssten” ein bisschen mehr Entschlossenheit an den Tag legen”, sagte Handschuh. Der Ein- und Auspendelverkehr in Ballungsräume und der Verkehr in Städten könnten “perspektivisch nicht mehr mit einem Auto und einer Person funktionieren”. Es brauche neue Lösungen aus Klimaschutz- und Umweltschutzgründen. Und es gehe um Lebensqualität. “Wenn die Städte immer mehr verstopft sind und die Stauzeiten so zunehmen, dann ist das nicht schön.”

RND/dpa