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Soyeon Schröder-Kim (49) trägt beim Einkaufen oder Spazierengehen einen Mundschutz. Quelle: --/Soyeon Schröder-Kim/dpa

Schutz vor Corona: Altkanzler-Gattin Schröder-Kim bastelt sich Atemschutzmaske aus Kaffeefilter

Soyeon Schröder-Kim, die Ehefrau von Altkanzler Gerhard Schröder, will Mut zum Tragen eines Mundschutzes machen. Sie selbst hat sich eine Maske aus einem Kaffeefilter gebastelt – und erzählt, dass sie misstrauische Blicke ernte, wenn sie eine Maske trage.

Hannover. Weniger berufliche Termine, abgesagte Sport- sowie Kulturevents: Auch Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) und Ehefrau Soyeon Schröder-Kim sitzen im Homeoffice in Hannover fest. Wenn sie einkaufen geht, trägt die Koreanerin einen Mundschutz, wegen der Knappheit an Schutzmaterialien derzeit selbst gebastelt. Auf Facebook hat sie außerdem in einem Post verraten, wie sich ihren Mundschutz aus einem Kaffeefilter gebastelt hat.

In ihrer Heimat sei es selbstverständlich, Masken zu tragen, um andere Menschen zu schützen, sagt die 49-Jährige im dpa-Interview. In Deutschland werde sie dagegen manchmal komisch angeschaut.

Tragen Sie und Ihr Ehemann Gerhard Schröder einen Mundschutz, wenn Sie spazieren gehen oder einkaufen?

Natürlich halten wir uns strikt an die Ausgangsbeschränkungen, die bundesweit und damit auch in Niedersachsen vereinbart worden sind. Wie andere leiden auch wir darunter, dass die Sportstätten geschlossen werden mussten. Aber wir haben volles Verständnis dafür und halten uns eisern daran. Ich trage selbstverständlich einen Mundschutz, wenn ich einkaufen gehe. Mein Mann hat damit wie andere auch Schwierigkeiten, akzeptiert es aber.

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Welche Reaktionen erleben Sie?

Die Leute schauen mich etwas komisch an, wenn ich in der Öffentlichkeit einen Mundschutz trage. Da gab es schon den einen oder anderen misstrauischen Blick. Offenbar denken einige, dass jeder, der einen Mundschutz trägt, ansteckend sein könnte. Auch einige meiner in Deutschland lebenden koreanischen Freundinnen haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Manchen von ihnen hat man sogar unterstellt, sie seien mit dem Coronavirus infiziert. Aus Gesprächen weiß ich, dass viele Asiaten Angst haben, dass sie komisch angesehen werden, wenn sie hier öffentlich einen Mundschutz tragen. Ihnen will ich Mut machen. Ich jedenfalls gehe auch künftig mit einem Mundschutz zum Einkaufen, weil ich damit die Kassiererinnen und Kassierer schützen will. Und ich werde meinen Mann bitten, künftig das Gleiche zu tun.

Wie der Virologe Christian Drosten erklärte, schützt man mit den Masken nicht sich selbst, sondern andere Menschen im Nahbereich. Die Weltgesundheitsorganisation gibt zu bedenken, sie könnten auch ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen!

In den großen Städten meiner Heimat ist es vor allem wegen der Luftverschmutzung schon seit längerem üblich, einen Mundschutz zu tragen. Beim Coronavirus wissen wir, dass wir damit zwar nicht uns selbst, aber andere schützen und die Verbreitung des Virus verlangsamen können. Koreaner wollen anderen Menschen keinen Schaden zufügen. Daher trägt nahezu jeder in Korea eine Maske, wenn er in die Öffentlichkeit geht. Ich bin der Auffassung, dass das Tragen der Masken freiwillig bleiben sollte, wie das auch in Korea der Fall ist. Aber vielleicht sollte man Werbung für das Tragen der Masken machen.

Woher haben Sie Ihre Maske? Sie sind ja vielerorts ausverkauft oder sehr teuer.

Mir ist bewusst, dass es kaum Produzenten für Masken in Deutschland gibt. Daher ist es schwierig, eine Kampagne für das Masken-Tragen zu initiieren. Ich habe auch seit langem versucht, Masken in einer Apotheke zu kaufen, aber vergebens. Ich habe dann eine Stoffmaske in meinem Koffer, den ich aus Südkorea mitbrachte, gefunden. Sie ist schon mindestens fünf bis sechs Jahre alt. Eine Stoffmaske alleine hilft ja wenig. Not macht erfinderisch! Ich habe mich erkundigt, dass ein deutscher Arzt Kaffeefilter als Notlösung für geeignet hält. Daher lege ich einen Kaffeefilter in meine Stoffmaske, wenn ich einkaufen gehe. Den kann man jeden Tag wechseln.

RND/dpa