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Der Angeklagte schweigt derzeit zu den Vorwürfen (Symbolbild).

Kindesmissbrauch in Angelverein: 50-Jähriger angeklagt

Für ihr Hobby kamen die Jungen in ihrer Freizeit in den Berliner Verein. Nun steht der Betreuer der Kinder vor Gericht. Was die Staatsanwaltschaft an Vorwürfen auflistet, lässt viel Leid von Schutzbedürftigen erahnen.

Berlin. Über Jahre hundertfacher Kindesmissbrauch in einem Berliner Angelverein – wegen dieses Vorwurfs muss sich ein ehrenamtlicher Jugendwart seit Dienstag vor dem Landgericht in der Hauptstadt verantworten. Dem Angeklagten werden 354 Fälle von sexuellem Missbrauch Minderjähriger zwischen Sommer 2012 und Oktober 2019 zur Last gelegt. Im Wohnwagen, auf einem Boot und im Bettenhaus des Angel-Vereins im Ortsteil Kladow soll sich der heute 50-Jährige immer wieder an sieben, ihm anvertrauten Jungen vergangen haben.

Am ersten Verhandlungstag schwieg der Mann, der seit November 2019 in Untersuchungshaft sitzt. Der Verteidiger kündigte eine schriftliche Erklärung des mutmaßlichen Täters zu einem späteren Zeitpunkt an.

Sein jüngstes Missbrauchsopfer war erst sechs Jahre alt

Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte teilweise auch Gewalt angewendet haben. Das jüngste Opfer sei sechs Jahre alt gewesen, als der Missbrauch begonnen habe. Der langjährige Ehrenamtliche soll die Kinder obendrein untereinander zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Er soll außerdem sogenannte Sex-Gerätschaften verwendet haben. Einem Jugendlichen bot er der Anklage zufolge Geld an. Zudem habe der nicht vorbestrafte Deutsche Tausende kinderpornografische Bilder hergestellt.

Betroffene waren per Video befragt worden, so dass sie nicht vor Gericht erscheinen und dort aussagen müssen. Erste Aufnahmen wurden am Dienstagnachmittag im Gerichtssaal unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt. Deren Interesse müsse in diesem Falle hinter den Schutz der Persönlichkeitsrechte rücken, erklärte das Gericht.

Mehrere der mutmaßlichen Opfer werden als Nebenkläger von Anwälten vertreten. Das Gericht lehnte einen Antrag des Verteidigers auf Aussetzung des Prozesses ab. Dieser hatte argumentiert, er habe als neuer Anwalt in dem Verfahren zu wenig Zeit vor Prozessvorbereitung gehabt. Zudem seien Gespräche mit seinem Mandanten wegen der Corona-Krise derzeit nur eingeschränkt möglich.

Auch ein Judotrainer ist angeklagt, mehrere Kinder missbraucht haben

Kurz nach der Festnahme des Angelwarts war im November 2019 in Berlin ein zweiter Fall von mutmaßlichem, sexuellem Kindesmissbrauch in erheblichem Ausmaß bekannt geworden. Ein heute 42 Jahre alter Judotrainer sitzt in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurde jetzt eine zweite Anklage wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern erhoben.

In einer ersten Anklage wurden dem Verdächtigen, der seit 2007 Vorsitzender eines von ihm gegründeten Judovereins in Tegel war, 23 Fälle zur Last gelegt Er soll laut Staatsanwaltschaft seit 2006 sexuelle Übergriffe gegen mindestens sechs Jungen und Jugendliche beim Training verübt haben. Nun seien neun weitere mutmaßliche Taten aus der Vergangenheit bekannt geworden. Insgesamt gehe es um 32-fachen mutmaßlichen Kindesmissbrauch.

Die meisten Prozesse sind derzeit wegen der Corona-Krise ausgesetzt

Der Prozess gegen den Jugendwart in dem Angelverein war am Dienstag im deutschlandweit größten Strafgericht nur einer von 17 in der Corona-Krise. Normalerweise gibt es hier jeden Tag etwa 300 Verhandlungen. Die Hauptverhandlung begann, weil der Angeklagte seit mehr als fünf Monaten in U-Haft sitzt. Haftsachen hätten Priorität, hieß es. Verteidiger, Anwältinnen der Nebenklage und Richter saßen mit Mindestabstand im Saal, der Angeklagte separat. Als Richter Björn Jesse husten musste, fügte er gleich hinzu: „Hat nichts mit Corona zu tun.“ Der Prozess wird am 20. April fortgesetzt.

RND/dpa