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Schauspieler Uwe Ochsenknecht als Müllmann Werner Träsch in der ARD-Reihe “Die Drei von der Müllabfuhr”.

Uwe Ochsenknecht: “Unverschämt, dass Pflegepersonal so wenig Geld kriegt”

Am Freitagabend läuft ein neuer Film aus der ARD-Reihe “Die Drei von der Müllabfuhr”. Darin verkörpert Schauspieler Uwe Ochsenknecht einen Müllmann. Im RND-Interview spricht der 64-Jährige über seine Rolle, die Fridays-for-Future-Bewegung und über die mangelnde Wertschätzung für Kunst und Kultur.

Herr Ochsenknecht, was reizt Sie besonders an der Rolle des Käpt’n Werner Träsch in der ARD-Reihe “Die Drei von der Müllabfuhr”?

Die ersten beiden Filme sind sehr gut angekommen. Ich kann mir vorstellen, dass wir die Neugier der Leute geweckt haben. Ich finde es generell mal gut, dass man durch so eine Reihe in die Berufssparte der Müllmänner mal ein bisschen mehr Einblick bekommt. Ich bin selbst vor dem ersten Film morgens mit den Jungs mitgefahren. Die verlassen um 6 Uhr den Hof und sind dann bis 12, 13 Uhr unterwegs. Da konnte man sehr schön sehen, wie sie miteinander umgehen und wie die von den Bürgern Berlins wahrgenommen werden. Zum Beispiel in den Haushalten, in denen Hunde leben, wird schon mal ein Leckerli mitgebracht. Das ist schon sehr persönlich. Nicht nur so, dass sie einfach nur die Tonnen leeren und wieder hinstellen. Die reden mit den Menschen, erkundigen sich, wie es geht. Da ist ein sehr persönlicher, schöner Kontakt vorhanden. Unsere Filme rücken ein bisschen ins Bewusstsein, dass es da Menschen gibt, die unseren Dreck wegbringen. An diesen Service gewöhnt man sich so schnell und nimmt es als selbstverständlich hin. Ist es aber nicht.

In der Folge “Mission: Zukunft” demonstrieren Schüler für den Klimaschutz. Als Sie den Film letzten Herbst drehten, war die Fridays-for-Future-Bewegung in aller Munde. Seit der Corona-Krise ist es gerade etwas stiller geworden.

Man hat gerade den Eindruck, dass andere Probleme wie Hunger, Kriege, Umwelt und Flüchtlinge alle ins Hintertreffen geraten. Man schießt sich auf ein Thema ein, und der Rest ist plötzlich vergessen. Das ist immer etwas sonderbar. Auf der einen Seite ist es natürlich richtig, dass die Regierung sich erst mal mit den akuten Problemen in unserem Land befasst. Auf der anderen Seite liest man dann aber auch wieder, dass die Lufthansa mit 9 Milliarden Euro unterstützt wird, und die Kanzlerin sagt, dass uns noch 8 Milliarden für einen Impfstoff fehlen. Das passt manchmal nicht zusammen.

In den letzten Wochen wurde auch die mangelnde Wertschätzung von Kunst und Kultur angeprangert.

Das betrifft Theater und Kino gleichermaßen. Aber das ist in Zeiten, die nicht so extrem sind, genauso. Kunst und Kultur werden generell viel zu wenig unterstützt. In anderen europäischen Ländern läuft das besser. Man hat hierzulande einfach immer noch nicht die Wertstellung und Wichtigkeit von Kunst und Kultur verstanden. Das ist schade. Vor allem, weil man gerade sieht, wie viel Geld wir in Deutschland haben und was an Reserven aus dem Boden gestampft werden kann. Warum erst jetzt? Warum nicht in ruhigeren Zeiten auch für Bereiche wie zum Beispiel Pflegepersonal im Krankenhaus? Man wusste schon immer, dass die viel zu schlecht bezahlt werden. In deren Berufen geht es um Leben und Tod. Die arbeiten rund um die Uhr. Das ist eine Unverschämtheit, dass die so wenig Geld kriegen. Man kann aus Krisenzeiten immer was lernen. Ich hoffe, dass das passieren wird.

In Ihrer Reihe rücken Sie Müllmänner ins Rampenlicht.

Zu Recht. Die Jungs haben auch mal Applaus auf dem Balkon verdient. Ich hoffe, dass wir durch unsere Reihe nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch sonst ein bisschen deren Arbeit ins Bewusstsein der Menschen holen können.

Vor allem können ja nicht alle Jugendlichen später Influencer oder Topmodel werden. Und bei der Müllabfuhr dürfte es krisensichere Jobs geben.

In Berlin hat die Müllabfuhr ihr Image schon vor Jahren sehr gut aufpoliert. Die haben witzige Sprüche auf den Autos. Früher, als ich jung war, wollte ich immer einmal bei der Feuerwehr mitfahren, aber jetzt ist es bei Kindern kultig geworden, sich einmal bei der Müllabfuhr hinten draufzustellen und mitzufahren. Ich kenne aber auch noch den Spruch von früher: “Wenn aus dir nichts wird, gehst du zur Müllabfuhr.” Das war zu meiner Zeit immer sehr abwertend und negativ. Das hat sich gerechterweise total geändert. Die Jungs werden im Gegensatz zu früher ordentlich bezahlt. Die haben gute Arbeitsbedingungen, und es wird sehr auf Sicherheit geachtet. Manche Jungs fahren seit 30 Jahren zusammen auf dem Lkw und machen ihre Arbeit. Man darf nicht vergessen, dass es schon gefährlich ist, so ein Riesenauto zu rangieren. Und wenn einer hinten bei der Schütte dazwischenkommt, dann war es das. Man muss Kollegen haben, auf die man sich verlassen kann. Da muss jeder Handgriff sitzen.

In einer Filmszene sagen Sie, dass man von dem Job auch noch gute Muckis bekommt.

Aber nicht nur das. Wenn man das jahrzehntelang macht, hat man natürlich Rückenprobleme durch die Arbeit. Wenn die Tonnen voll sind, kommen da schon ein paar Kilo zusammen.

Ihr Charakter im Film fremdelt mit sozialen Plattformen im Netz, die Sie selbst aber durchaus nutzen. Wie stehen Sie zu Facebook und Co.?

Mich interessiert Technik generell. Das zeigt sich jetzt auch ganz besonders in der Krise, wie hilfreich es ist, dass man skypen und whatsappen kann. Wenn man sich schon nicht sehen kann, kann man wenigstens mit Bild telefonieren. Das finde ich schon toll. So lange man das alles sinnvoll benutzt, ist es doch super. Man kann unentgeltlich Werbung für die Sachen machen, die einem wichtig sind. Oder man kann auch mal auf Missstände hinweisen. Manchmal sogar Leben retten. Die Kehrseite der Medaille ist natürlich, man weiß nicht, was mit unseren Daten passiert.

Drehen Sie derzeit eigentlich schon wieder?

Leider nicht. In der dritten „Ku’damm“-Staffel spiele ich wieder mit, aber da wurden die Dreharbeiten unterbrochen. Zwei, drei weitere Sachen sollen demnächst wieder starten. Im Moment bin ich noch auf Mallorca und genieße die Zeit, weil ich fürchte, dass es die Ruhe vor dem Sturm ist. Es wird viel fertiggedreht und nachgeholt werden müssen. Ich gehe mal davon aus, dass ich die nächsten Monate wenig auf Mallorca sein kann, aber es gibt natürlich schlimmere Probleme auf der Welt.

Sie haben die ganze Quarantänezeit also in Spanien verbracht?

Hier war es teilweise mit den Beschränkungen krasser als in Deutschland. Wir hatten Ausgangssperre. Man durfte nur aus dem Haus, um notwendige Wege zu machen. Mittlerweile ist einiges gelockert worden. Ich habe ja auch noch eine Bar namens Sa Cova in Santanyí hier auf Mallorca, die geschlossen ist. Da muss man sich auch überlegen, ob das sinnvoll ist, die bei den ganzen Auflagen überhaupt aufzumachen. Wir dürfen im Moment nur 50 Prozent der Außentische belegen. Meine Bar ist direkt am Marktplatz. Aber der Markt findet gerade nicht statt. Es macht für uns nur Sinn zu öffnen, wenn wieder Besucher auf die Insel dürfen.

Was macht man den ganzen Tag, wenn man nicht raus darf?

Man kann sein Spanisch mit Onlinekursen verbessern. Endlich mal die Dinge machen, die man lange vor sich hergeschoben hat: sortieren, reparieren, wegwerfen. Ich habe wieder angefangen, Klavier zu üben, und koche gerade wieder öfter. Aber ich bin ehrlich: Ich springe auch zwischendurch mal in den Pool. Natürlich hätten wir in Berlin mehr Freiheiten gehabt, aber auf der Insel ist der Ausbruch natürlich besser zu kontrollieren, das hat ja auch gut geklappt. Auch sind die Menschenansammlungen in Palma oder auf dem Land nicht so groß wie in einer Millionenstadt. Außerdem unterstützen wir Menschen hier, denen es nicht so gut geht wie uns.

Von Thomas Kielhorn/RND