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Tom Tykwer kommt dabei als Jury-Präsident eine entscheidende Bedeutung zu. Er halte es für unseriös, deutsche Filme zu bevorzugen, hat er gesagt.

Vier Deutsche und ein wenig Hollywood

Der rote Teppich ist schon ausgerollt und eines steht bereits schon fest: Die Berlinale wird dieses Jahr wohl zu einem Schaulaufen der deutschen Filme. Hollywood-Prominenz und ihre Beiträge machen sich ehr rar.

Endlich geht es los: Bill Murray, Bryan Cranston, Jeff Goldblum, Greta Gerwig und noch ein paar andere Stars spazieren am Donnerstag über den roten Berlinale-Teppich, der auf dem Potsdamer Platz gerade noch zurechtgezuppelt wird. Die 68. Internationalen Filmfestspiele eröffnen mit Wes Andersons „Isle of Dogs“.

Die versammelte Prominenz ist in dem Werk gar nicht zu sehen – es handelt sich um einen Animationsfilm über Hunde, verbannt auf eine japanische Insel. Doch leihen Murray und Co. den Puppen ihre Stimmen. Der fürs Skurrile bekannte Texaner Anderson ist ein alter Berlinale-Freund: Er eröffnete das Festival vor vier Jahren mit „Grand Budapest Hotel“ und gewann den Großen Jury-Preis.

Franz Rogowski ist der Darsteller der Stunde

Dieses Jahr dürften aber nicht nur die insgesamt beinahe 400 Filme, sondern auch zwei ganz anders gelagerte Themen die Berlinale umtreiben: Wie geht es weiter beim wichtigsten deutschen Filmfestival, wenn Direktor Dieter Kosslick nach der Ausgabe 2019 seinen Hut nimmt? Und wie wird die „MeToo-Debatte“ die kommenden elf Tage spiegeln?

Deutsche Beiträge stehen auf jeden Fall im Fokus. Gleich vier sind im Wettbewerb gemeldet, Einstellung des bisherigen Rekords. Christian Petzold hat den Exilantenroman „Transit“ von Anna Seghers an unsere Gegenwart angedockt – Flüchtlinge gab es damals wie heute. Die Hauptrolle bei Petzold spielt der offizielle Berlinale-Shootingstar Franz Rogowski, dem wir gleich noch einmal in Thomas Stubers „In den Gängen“ als Arbeiter in einem ostdeutschen Großmarkt begegnen. „Es ist eine Geschichte über die Liebe bei der Arbeit und die Arbeit an der Liebe“, sagt Kosslick.

Romy Schneider steht vor einer Wiederentdeckung

Der von deutscher Seite wohl am meisten erwartete Film „3 Tage in Quiberon“ (Regie: Emily Atef) bringt eine von Drogen und Schicksalsschlägen gezeichnete Romy Schneider auf die Leinwand zurück – gespielt von Marie Bäumer, die lange sagte, sie werde Romy Schneider niemals spielen. Regisseur Philip Gröning schließlich verknüpft in „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ in 174 Kinominuten ein Wochenende eines jugendlichen Zwillingspaares mit Martin Heideggers Hauptwerk „Sein und Zeit“.

Ansonsten läuft viel Europäisches im Wettbewerb, wie stets sind harte Stoffe zu erwarten: In „Utoya“ verfolgt Erik Poppe das Massaker in einem norwegischen Inselcamp 2011 aus der Perspektive der Opfer. Der Franzose Benoît Jacquot präsentiert Isabelle Huppert in „Eva“ als Edelprostituierte, die Polin Malgorzata Swumowska erzählt in „Twarz“ von einem verunfallten Arbeiter, der zum Märtyrer stilisiert wird.

Chef-Juror Tom Tykwer will keine deutsche Filme bevorzugen

Hollywood lässt sich so kurz vor den Oscars kaum blicken. Was für ein herrlicher Kandidat wäre zum Beispiel Guillermo del Toros aktueller Oscar-Favorit „Shape of Water“ gewesen – aber das Monstermärchen hatte seine Premiere schon im September in Venedig und startet bereits am Donnerstag in den deutschen Kinos.

So muss sich Kosslick mit der Westernkomödie „Damsel“ bescheiden, in der Robert Pattinson mit einem Mini-Pony an der Leine über die Prärie zieht. Ebenso dabei ist Gus van Sant mit „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“, Joaquin Phoenix verkörpert darin den querschnittgelähmten Cartoonisten John Calahan. Und Steven Soderbergh zeigt den Thriller „Unsane“, gedreht mit einem Smartphone.

Das Fell des Bären wird am Sonnabend, 24. Februar, verteilt. Da hat er recht.

Von Stefan Stosch/RND

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