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Die einzig wahre Aufgabe eines Katers ist es, herumliegend Respekt zu erzeugen.

Luke, ich bin Dein Kater

Vor ein paar Tagen, als ich gerade damit beschäftigt war, die Einkäufe nach Stabilität aus dem Einkaufswagen in die Plastikkiste im Kofferraum zu sortieren (Gurkenglas und Dillhappen unten, Weintrauben und Erdnussflips oben), kam mir ein tröstlicher Gedanke: Ich bin kein Kater.

Zwar hat es Vorteile, ein Kater zu sein, insbesondere was Lebensziele und Komfort angeht. Die Nachteile überwiegen aber. Wenn ich ein Kater wäre, würde ich mich nach dem Umzug in eine neue Gegend erst mal wochenlang mit den Nachbarn prügeln. Bis aufs Blut.

Unter Katern stellt man sich nicht groß vor mit Salz und Brot. Da haut man sich direkt aufs Maul. “Du bist der Neue? AUF DIE FRESSE!“ Wir wären uns auf der Straße begegnet und hätten uns ohne zu zögern ineinander verbissen.

Schrecken der Nachbarschaft

Und danach hätte ich mich stundenlang unter parkenden Autos verkrochen, bis mich meine Familie ins Haus lässt. Dort läge ich mit gesträubten Haaren und schreckgeweitetem Blick auf dem Sofa herum, ließe mir allerlei Leckerli zum Trost reichen und würde meiner Familie zum Dank für all ihre Liebe nicht die geringste Beachtung schenken.

Im Gegenteil: Ich würde ihnen das Gefühl geben, sie allein seien schuld an meiner Niederlage. Und ich wäre in Wahrheit, ungeachtet aller Fakten und der Schründe in meinem Pelz, der Schrecken der Nachbarschaft, der zum Dank dafür, draußen die Ehre und Freiheit der Sippe zu verteidigen, drinnen von allen familiären Pflichten zu entbinden ist. Im Grunde wäre es meine einzige Aufgabe, herumliegend Respekt zu erzeugen.

Erst komme ich – dann ganz lange gar nichts

Kater gucken dich an mit diesem Blick, der übersetzt bedeutet: “Luke, ich bin dein Kater. Was immer ich möchte, ich werde es bekommen. Schwere Infektionen, Trauerfälle und Beinbrüche werden nicht als Entschuldigung dafür gelten, bei der Erfüllung meiner Bedürfnisse nachlässig zu werden. Erst komme ich – dann kommt ganz lange gar nichts. Und was dann kommt, ist mir scheißegal.“

Je länger ich darüber nachdenke, desto reizvoller wäre es vielleicht doch, ein Kater zu sein. Das mit den Revierkämpfen könnte man ja vielleicht irgendwie online erledigen. Was ist denn Facebook groß anderes als virtuelle Revierkämpfe?

Wenn Sie mich suchen: Ich liege auf dem Sofa und strahle Gefahr aus. Schönes Wochenende!

Von Imre Grimm