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Meisterhafte Fälscherin: Lee Israel (Melissa McCarthy) und Jack Hock (Richard E. Grant).

„Can You Ever Forgive Me“ – Kriminell aus Einsamkeit

In „Can You Ever Forgive Me“ (Kinostart am 21. Februar) verlässt Ulknudel Melissa McCarthy die Komödienzone und begibt sich mit der Darstellung einer verbitterten einsamen Fälscherin ins ernste Fach.

Dass sie eine schauspielerische Naturgewalt ist, machte Melissa McCarthy schon mit ihrem ersten markanten Kinoauftritt in „Brautalarm“ (2011) unmissverständlich deutlich. Aber wie viele Kolleginnen, die nicht über einen selbstoptimierten Body-Mass-Index verfügen, blieb sie in Hollywood auf die Rolle der Ulknudel festgelegt. In Marielle Hellers „Can You Ever Forgive Me?“ kann sie sich von der Lustspiel-Stigmatisierung befreien.

Eine ehemalige Bestsellerautorin gerät auf die schiefe Bahn

Basierend auf einer wahren Geschichte spielt McCarthy hier die Biografin Lee Israel, deren letzter Bestseller-Erfolg schon einige Jahre zurückliegt. Im New York der frühen 90er macht sie sich auf die Suche nach alternativen Einkommensquellen und findet heraus, dass Antiquariate und Sammler für Briefe berühmter Autoren eine Menge Geld zahlen. Und so macht sich Lee mit alten Schreibmaschinen daran, die literarischen Korrespondenzen zu fälschen.

Im Gewand einer Schelmenkomödie zeichnet Heller das Porträt einer tief vereinsamten Frau. Interessant dabei ist der mitleidlose Blick, mit dem der Film auf seine Heldin schaut. McCarthy spielt die garstige 51jährige als unzugängliche Alkoholikerin, die seit der Trennung von ihrer Geliebten nur noch zu ihrer Katze freundliche Gefühle entwickeln kann“ .

Es ist ein mutiger Schritt diese sperrige Hauptfigur nicht als Sympathieträgerin aufzubauen, sondern sie in all ihrer Widerspenstigkeit und Verbitterung zu belassen. Dass man diese Lee Israel am Ende des Films dennoch ins Herz schließt, liegt nicht an einer Katharsis der Heldin, sondern an unserem veränderten Blick auf deren Eigenwilligkeit.

Von Martin Schwickert / RND