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Das Movimentos-Festival in Wolfsburg konzentriert sicht 2019 wieder auf Tanztheater. Quelle: CaFi

Movimentos 2019 mit neuer Location: Ein Umbruch, kein Abbruch

Autostadt-Geschäftsführer Claudius Colsman spricht im Interview über die neue Eventlocation „Hafen 1“ in Wolfsburg und die Zukunft der Movimentos Festwochen, die 2019 vom 29. Juli bis zum 25. August laufen.

Die Movimentos Festwochen zählen seit vielen Jahren zu den spektakulärsten kulturellen Ereignissen in Niedersachsen. Das Festival der Autostadt ist das kulturelle Aushängeschild von Volkswagen. Doch der Konzern muss sparen, und als nun das alte Heizkraftwerk als extrem attraktive Spielstätte entfiel, wurde viel über ein Movimentos-Ende spekuliert. Doch es geht im Juli und August weiter, am kommenden Dienstag wird den Medien die neue Eventlocation „Hafen 1“ vorgestellt. Claudius Colsman, Geschäftsführer der Autostadt, bekennt sich zu den Festwochen über 2019 hinaus.

Movimentos 2019 konzentriert sich „back to the roots“ ganz auf das Thema Tanztheater. Jazzkonzerte, Klassikmatineen, Literatur, Schauspiel entfallen. Ist das der Preis dafür, dass es überhaupt weitergeht?

Die Movimentos Festwochen haben in unserer neuen Veranstaltungshalle „Hafen 1“ ihre neue Heimat gefunden, nachdem das internationale Festival 2018 zum letzten Mal im alten Heizkraftwerk des Volkswagen Werkes stattfinden konnte. Der Umbau des Kraftwerks auf moderne Gasturbinen und eine damit einhergehende nachhaltige Stromerzeugung war der Anstoß für den Neubau einer reinen Eventlocation in der Autostadt. Eine extrem kurze Bauzeit von nur sechs Monaten bedeutete für uns, Prioritäten setzen zu müssen. Aus diesem Grund haben wir uns auf das Ursprungs- und Kernthema konzentriert, den Tanz. Aus dieser Form heraus ist Movimentos 2003 entstanden.

Hatten Sie eigentlich erwogen, das Festival ganz aufzukündigen, nachdem klar war, dass das alte Heizkraftwerk als magnetischer Spielort nicht mehr zur Verfügung stehen konnte?

Die Verträge zur Nutzung des Kraftwerkes mussten seit 2003 regelmäßig erneuert werden. Das gehörte zum regulären Prozess unserer Projektplanung. Somit haben wir uns bereits seit einiger Zeit damit beschäftigt, welche Lösungen es gäbe, wenn das Kraftwerk nicht mehr als Veranstaltungsort für die Movimentos Festwochen zur Verfügung stehen kann. Als wir erfahren haben, dass wir das Kraftwerk ab 2019 nicht mehr nutzen können, haben wir intensiv daran gearbeitet, dass das etablierte Tanz- und Kulturfestival bestehen bleibt. Unser großer Wunsch war, die Movimentos Festwochen zu erhalten, denn die Autostadt ist sich ihrer kulturellen Verantwortung und der Bedeutung des Festivals bewusst. Mit Hafen 1 haben wir nun eine Spielstätte, die uns Planungssicherheit gibt.

 

Gab es die Idee für die neue Mehrzweckhalle auch unabhängig von Movimentos ?

Mit dem Bau von „Hafen 1“ haben wir den Bedarf eines Veranstaltungsortes am Stammsitz des Volkswagen Konzerns für unternehmensinterne Zwecke sowie Veranstaltungen externer Art aufgenommen. In der Autostadt fanden regelmäßig große Veranstaltungen und Kongresse statt. Jedoch gingen Großevents mit Schließungen einzelner Gebäude auf dem Parkgelände einher, die in diesen Zeiträumen unseren Abholern und Individualgästen nicht zur Verfügung stehen konnten. Seit mehreren Jahren haben wir deshalb verschiedene Optionen geprüft, um den Abholern und Touristen sowie den Gästen aus dem unternehmerischen Bereich gerecht zu werden. Hafen 1 ist deshalb eine optimale Ergänzung und eine logische Weiterentwicklung unseres Angebotsportfolios.

Der Spardruck bei VW ist hoch. Passt da eine neue Halle, die einen zweistelligen Millionenbetrag fordert, überhaupt in die Zeit?

Veränderungen und Weiterentwicklungen erfordern selbstverständlich Investitionen. Langfristig betrachtet zahlt ein Unternehmen für einen Stillstand einen höheren Preis, als wenn man perspektivisch und gezielt investiert. Hafen 1 bedeutet für die Autostadt eine Erweiterung des Angebotes und Erschließung neuer Zielgruppen, die positiv auf das Geschäftsmodell der Autostadt einzahlen werden. Wir freuen uns sehr, dass wir für 2019 bereits nahezu ausgebucht sind und für 2020 eine überaus erfreuliche und positive Auslastung haben.

Ist mit Blick auf die Zukunft 2019 eine Art Testlauf für Movimentos?

Movimentos ist als Festival und als Marke seit 16 Jahren fest etabliert. Somit sind die diesjährigen Festwochen kein Testlauf, sondern eine Bestätigung. Uns gibt die neue Spielstätte und die diesjährige Konzentration auf den Tanz die Möglichkeit, Movimentos in die Zukunft zu bringen und neue Konzepte zu entwickeln. Wie und in welcher Form wir die Movimentos Festwochen weiterentwickeln, kann ich an dieser Stelle leider noch nicht verraten. Seien Sie aber gewiss, dass wir unter Hochdruck daran arbeiten.

Von Hans-Martin Koch/RND