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Die Beatles 1969 - "Abbey Road" war das letzte Album, das die Fab Four gemeinsam aufnahmen.

50 Jahre „Abbey Road“: Beatles-Album neu aufgelegt – McCartney schreibt Vorwort

Das „50 Jahre Beatles“-Jahrzehnt nähert sich mit den Jubiläumsausgaben von „Abbey Road“ seinem Ende. Noch einmal zeigten John, Paul, George und Ringo 1969 ihr vielseitiges Genie. Den Remix des legendären Albums hat erneut George Martins Sohn Giles vorgenommen.

London.. Foto fünf machte das Rennen. Ein Zebrastreifen, ein VW-Käfer, ein wolkenloser Tag in London. Die vier Musiker, die gerade noch mit letzter Kraft die Beatles sind, überqueren die Straße vor ihrem Studio, der Fotograf Ian Macmillan schießt eine Fotoserie von John Lennon, gefolgt von Ringo Starr, gefolgt von Paul McCartney. Das Schlusslicht bildet George Harrison. Die Fab Four taufen das Album, das zunächst mythisch „Everest“ heißen sollte, schlicht nach der Straße der Querung. „Abbey Road“ ist das letzte Album, das sie eingespielt haben. Es erscheint am 26. September 1969 und stellt nach dem mediokren Soundtrack zum Zeichentrickfilm „Yellow Submarine“ den Ruf der Beatles als maßgeblicher Band der ergiebigsten aller Pop-Rock-Dekaden wieder her.

Die „Super Deluxe Version“ enthält 23 zusätzliche Aufnahmen und ein 100-Seiten-Buch

50 Jahre und einen Tag später erscheinen nun am 27. September 2019 diverse Jubiläumseditionen des Meisterwerks, das – wie zuvor schon „Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ (1967) und das „White Album“ (1968) – von Giles Martin, dem Sohn von Beatles-Produzent George Martin neu gemixt wurde. Das dickste Happy-Birthday-Paket, die „Super Deluxe Edition“ enthält drei CDs, dazu eine Audio BluRay mit dem Album in Dolby Atmos. Auf der ersten CD befindet sich das Originalalbum im neuen Mix, auf den zusätzlichen CDs sind 23 (chronologisch sortierte) Aufnahmen aus den „Abbey Road“-Sessions versammelt. Die großformatige Box enthält ein 100-Seiten-Hardcoverbuch, in dem Beatles-Biograf Kevin Howlett ausführlich von den Aufnahmen des Albums erzählt. Das Vorwort schrieb Paul McCartney, die Einleitung stammt von Giles Martin. Eine Schatztruhe.

Eine Drei-LP-Edition wird in einer Box die komplette Musik der drei CDs auf 180-Gramm-Vinyl-Scheiben versammeln. Eine 2-CD-Version enthält neben dem neuen „Abbey Road“-Mix Demoversionen der Albumsongs in der Originalreihenfolge. Für Otto Normalbeatlesfan, der nicht auf musikarchäologischen Pfaden wandeln möchte, gibt es das klangtechnisch aufgebrezelte Originalalbum als einfache CD oder LP sowie als limitiere Picture-Disc. Die „Super Deluxe Digital Audio Version“ enthält alle 40 Tracks als Download und Stream in Standard- und MFiT-Format sowie in High Resolution Audio (96kHz/24 Bit) als Download.

Vom rockigen „Come Together“ John Lennons bis zur kurzen Schlusshumoreske „Her Majesty’s“ (Paul McCartneys charmant-respektlosem Heiratsantrag an Queen Elizabeth) spielten die Beatles auf „Abbey Road“ noch einmal ihre volle musikalische Bandbreite aus. Ringo Starrs zweite Eigenkomposition, das kinderliedhafte „Octopus’s Garden“ harmonierte mit McCartneys Serienmörderulk „Maxwell’s Silver Hammer“. George Harrison lieferte mit dem folkigen „Here Comes the Sun“ und der Ballade „Something“ (die sogar den der Rockmusik sonst eher abholden Frank Sinatra zu Tränen und einer Coverversion rührte) seine bis dato hitträchigsten Songs ab. Die Hälfte der zweiten Seite besteht aus einer Suite aus sechs Songfragmenten. Und im bluesschweren „I Want You“ schreit sich John Lennon seine Liebe zu Yoko Ono aus dem Leib. Der Song war die letzte gemeinsame Studioarbeit von John, Paul, George & Ringo.

Mit der Neuausgabe von „Abbey Road“ sind die „50 Jahre Beatles“-Momente der vergangenen Jahre fast zu Ende. Fehlt noch der (traurige) Jahrestag der Bekanntgabe der Bandauflösung, die am 10. April 1970 durch Paul McCartney vorgenommen wurde. Und dann noch 50 Jahre „Let it Be“, der Geburtstag des Albums, das zwar vor „Abbey Road“ eingespielt, dann aber verworfen und am 8. Mai 1970 doch noch veröffentlicht wurde. Wir sind gespannt, ob Giles Martin auch Hand an dieses einzige Beatles-Werk anlegen wird, das nicht von seinem Vater (sondern von Phil „Wall of Sound“ Spector) produziert wurde.

The Beatles: „Abbey Road“ (Apple Records, diverse Tonträger und digitale Editionen, alle Formate erscheinen am 27. September)

Von Matthias Halbig/RND