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Til Schweiger genießt die Küsschen seiner Töchter Lilli (links) und Luna bei der Weltpremiere seines neuen Films „Die Hochzeit“. Quelle: Annette Riedl/dpa

„Die Hochzeit“ von Til Schweiger: Rückständige Frauenbilder und viel Fäkalhumor

Til Schweigers neuer Film „Die Hochzeit“ ist in den Kinos angelaufen – und die Fortsetzung von „Klassentreffen 1.0“ macht so weiter, wie der erste Teil aufgehört hat: mit rückständigen Frauenbildern und vielen Pipi-Kacka-Witzchen.

Es gibt genau eine ironische Szene in Til Schweigers neuer Komödie „Die Hochzeit“. Ironisch aber nicht, weil Schweiger das so gewollt hätte. Im Gegenteil: Schweigers Rolle Thomas grübelt über dem passenden Eheversprechen und macht sich mit seinen Freunden über die schwülstigen Sprüche lustig, die Google so ausspuckt. Das ist unfreiwillig komisch, weil die Figuren im Film ansonsten ganz ernst gemeint ebensolche pseudotiefsinnigen Gedanken aussprechen.

Mit „Die Hochzeit“ bringt Schweiger die Fortsetzung von „Klassentreffen 1.0“ in die Kinos. Ursprünglich sollte der Film „Klassentreffen 2.0“ heißen, doch nach vernichtenden Kritiken und den für Schweiger-Verhältnisse nur mittelmäßigen 1,1 Millionen Kinobesuchern wurde der Titel noch einmal geändert. Ansonsten bleibt leider vieles gleich: In „Die Hochzeit“ trifft ein rückständiges Frauenbild auf Homophobie und nervige Fäkalwitzchen.

Vorhersehbare Handlung und slapstickartige Witze

Die Handlung ist trotz der Länge von zwei Stunden schnell erzählt: Die drei Freunde Thomas (Schweiger), Nils (Samuel Finzi) und Andreas (Milan Peschel) haben kurz vor der Hochzeit von Thomas und Linda (Stefanie Stappenbeck) noch immer mit ihren kleinen und großen Problemen zu kämpfen. Als ein alter Freund stirbt, fahren die drei Männer gemeinsam mit Lindas Tochter Lilli (Lilli Schweiger) zur Beerdigung. Dank etlicher Verzögerungen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, ob sie rechtzeitig zur Hochzeit zurückkommen. Dabei ist die Handlung genauso vorhersehbar wie die slapstickartigen Witze.

Auch technisch enttäuscht „Die Hochzeit“. In unnötig hektischen Schnitten folgen Szenen wie aus einem Ikea-Werbespot aufeinander, oft unterlegt mit einem deplatziert wirkenden Technobeat. Bei alldem ist man als Zuschauer dankbar für Peschel und Finzi, die ihren stereotypen Charakteren noch so viel Leben einhauchen, wie bei diesem Drehbuch eben möglich war.

Grobmotorische Bemühungen um Humor und Emotionen

Wie schon der erste Teil ist auch „Die Hochzeit“ eine Neuverfilmung der dänischen Filmreihe „Klassefesten“. Deutsche Filmemacher versuchen sich in jüngster Zeit ja gern an Remakes. Sönke Wortmann hat 2018 die französische Komödie „Der Vorname“ neu verfilmt, Bora Dagtekin drehte im vergangenen Jahr „Das perfekte Geheimnis“ nach italienischer Vorlage. Leider fehlt den Deutschen im Allgemeinen und Til Schweiger im Besonderen der Sinn fürs Feine. Seine grobmotorischen Bemühungen um Humor und Emotion erinnern an ein Kleinkind, das versucht, einen quadratischen Bauklotz in ein rundes Loch zu stecken – mit Vehemenz, aber ohne Erfolg.

Besonders anstrengend ist, dass Schweiger kein bisschen Selbstironie zulässt. Dass das neue Album seines Charakters DJ Thomas floppt, liegt natürlich nur an ungerechtfertigten Verrissen. „Alter, ich bin ein Künstler! Ich habe mich weiterentwickelt“, ruft Thomas in einer Szene. Das kann Til Schweiger leider nicht von sich behaupten.

„Die Hochzeit“, Regie: Til Schweiger; mit Til Schweiger, Samuel Finzi, Milan Peschel, Stefanie Stappenbeck; 120 Minuten, FSK 12

Von Johanna Stein/RND