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Dirigiert das selten gespielte Oratorium „Christus am Ölberg“ vom 5. bis zum 7. März in der Berliner Philharmonie: Simon Rattle. Quelle: Doug Peters/PA Wire/dpa

250 Jahre Beethoven: Das muss man sehen

Auf nach Bonn: Dort gibt es zum Beethoven-Jubiläum mehr als nur das Geburtshaus zu sehen. Aber es finden auch zahlreiche Konzerte in unterschiedlichen Städten statt. Und in Wien kann man Beethovens einzige Oper sehen.

Das Beethoven-Jubiläum ist ein guter Grund, die Geburtsstadt des Komponisten zu besuchen, findet die Redaktion des einflussreichen australischen Reiseführerverlags Lonely Planet und setzt Bonn in diesem Jahr auf einen erstaunlichen fünften Platz seiner Liste der weltweit lohnenswerten Reiseziele.

In der ehemaligen Hauptstadt hat man mit Blick auf das Jubiläum unter anderem das Geburtshaus des Komponisten frisch saniert und erweitert. Die Ausstellung darin, die in einer neuen Schatzkammer auch viele handschriftliche Noten präsentiert, ist ebenso sehenswert wie das Gebäude selbst, das mit knarzenden Dielen die Aura des historischen Originals verströmt. Das Beethoven-Haus ist damit unbestritten die Pilgerstätte dieses Jahres. In Wien, wo Beethoven den Großteil seines Lebens gewohnt hat, ist so etwas nicht so leicht zu finden: In den 35 Jahren, die der Komponist in der Stadt verbracht hat, ist er 42-mal umgezogen.

Große Ausstellung in der Bundeskunsthalle

Bis zum 26. April ist in der Bonner Bundeskunsthalle zudem noch die große Ausstellung „Beethoven – Welt. Bürger. Musik“ zu sehen, die einen weiten Überblick über das Thema Beethoven vermittelt. Es gibt in der Schau viele gut aufbereitete, oft überraschende und immer unterhaltsame Fakten zu Leben, Werk und Zeitgeschehen. Dazu kommen einige sorgsam inszenierte historische Exponate wie das berühmte Beethoven-Porträt von Joseph Karl Stieler (das Grundlage auch unserer Illustration in der Seitenmitte ist) oder die eng beschriebenen Seiten des „Heiligenstädter Testaments“. Darin drückt Beethoven seine Verzweiflung angesichts seiner fortschreitenden Ertaubung aus.

Entsprechend erhellend ist der Katalog zu dieser Ausstellung, der überall im Buchhandel erhältlich ist (364 Seiten kosten 39,80 Euro). Lesenswert ist auch die ungewöhnliche Biografie von Martin Geck („Beethoven: Der Schöpfer und sein Universum“, Siedler Verlag, 509 Seiten, 26 Euro), die weite Bögen schlägt von Beethoven zu Shakespeare und Schönberg, zu Johann Sebastian Bach und Ernst Bloch. Und wer nicht vor Notenbeispielen zurückschreckt, kann in „Rausch und Stille“, Karl-Heinz Otts Buch über Beethovens Sinfonien (Hoffmann und Campe, 285 Seiten, 24 Euro), viel Inspiration finden.

Die Sinfonien sind in diesem Jahr allerorten in zahlreichen Konzerten zu hören, nicht selten werden sogar alle neun gespielt, zum Beispiel beim Musikfest Bremen in der Glocke: Dort präsentiert die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Leitung von Paavo Järvi den gesamten Zyklus vom 18. bis zum 22. November in fünf Konzerten. Beim Beethoven-Fest Bonn nimmt sich das russische Orchester Music Aeterna vom 15. bis zum 21. März sämtlicher Sinfonien an: zum Teil unter Leitung seines Gründers Teodor Currentzis, der die wohl steilste Dirigentenkarriere der vergangenen Jahre gemacht hat, zum Teil mit dem italienischen Alte-Musik-Spezialisten Giovanni Antonini.

Simon Rattle und Kent Nagano dirigieren Beethoven

Simon Rattle dirigiert das selten gespielte Oratorium „Christus am Ölberg“ vom 5. bis zum 7. März in der Berliner Philharmonie, und Kent Nagano macht sich mit Concerto Köln daran, die Missa Solemnis zu entschlüsseln – unter anderem am 20. August im Kloster Eberbach, am 21. August im Kölner Dom und am 13. September in der Braunschweiger Martini-Kirche.

In Berlin sind in einem zweitägigen Beethoven-Marathon sämtliche Streichquartette und einige weitere Werke mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker am 25. und 26. April im Kammermusiksaal zu hören. Eine szenische Version einzelner Quartette mit dem Kuss-Quartett und der Musiktheatergruppe Nico and the Navigators hat am 1. Mai bei den Schwetzinger Festspielen Premiere und ist danach in Dortmund, Brüssel, Berlin und Hannover (22. Juni in der Orangerie) zu erleben. Am 15. Mai spielt das Quartett auch in Kiel.

Beethoven hat zwar nur eine Oper geschrieben – an der Wiener Staatsoper ist „Fidelio“ aber in dieser Saison in gleich zwei Fassungen zu erleben. Die erste von Beethoven komponierte Fassung wird dort nun unter dem Titel „Fidelio Urfassung (Leonore)“ in einer Inszenierung der Regisseurin Amélie Niermeyer gezeigt, außerdem ist die heute übliche Version in einer klassischen Inszenierung von Otto Schenk im Programm. Um eine spannende „Fidelio“-Aufführung zu sehen, muss aber nicht einmal unbedingt ein Opernhaus besuchen. Der Regisseur Tobias Kratzer, der im vergangenen Jahr für selten einmütige Begeisterung im Bayreuther Festspielhaus gesorgt hat, bringt das Stück mit Startenor Jonas Kaufmann auf die Bühne der Royal Opera am Londoner Covent Garden – und das Haus überträgt die Aufführung am 17. März live auch in zahlreiche deutsche Kinos.

Von Stefan Arndt/RND